Freitag, 23. Oktober 2015

Mit Down-Phasen umgehen.

Karo hat, seit wir zusammen sind, immer wieder bessere und schlechtere Phasen in ihrem Leben gehabt. Es gab Momente vor fast zwei Jahren, die schlimmer waren als alles woran ich mich jetzt erinnern kann, es gab Zeiten die im Vergleich sehr sorglos und frei erscheinen, es gibt jetzt Zeiten die sich anfühlen, als würden sie mir alle Luft aus den Lungen schlagen und wiederum Momente, in denen alles besser ist als je zu vor und langfristige Verbesserungen so deutlich sichtbar sind. Es kann mal mehrere Wochen recht entspannt sein, und dann wieder sehr schwierig, für ein Wochenende wieder gut, bis wieder ein "Loch" kommt.
Obwohl ich immer viele Veränderungen sehe, die sich auf lange Sicht schon ergeben haben, und Karo SO viel an sich gearbeitet hat und unglaublich viel erreicht hat, heißt das noch nicht, dass auch ihre Stimmung immer besser ist. Unabhängig davon, wie gut sie vielleicht schon mit vielem umgehen kann, ist die nämlich oft ganz schön beschissen - um es mal deutlich zu sagen.

Es ist unterschiedlich, wie gut ich mit Phasen, in denen es plötzlich wieder sehr schlecht ist, umgehen kann. Verschiedene Dinge spielen da mit rein:
Meine Stimmung. Wenn es mir gerade selbst nicht gut geht, oder ich gestresst bin, dann habe ich größere Schwierigkeiten mit Karo's schlimmen Zeiten umzugehen, als wenn ich sehr entspannt und in mir ruhend bin.
Unsere Kommunikation. Schwierig ist es für mich immer, wenn ich das Gefühl habe, nicht gut Bescheid zu wissen. Wenn wir kaum miteinander reden und wichtige Dinge nicht teilen können. Leichter kann ich mit Downs umgehen, wenn wir offen reden und ich z.B. dann auch gerne Karo ihre Ruhezeiten gebe, wenn ich eben weiß, dass das gerade wichtig ist.
Die Dauer und Häufigkeit. Wenn es sehr lange dauert, dass es Karo sehr schlecht geht, viele Rückschläge kurz nacheinander passieren, oder das letzte Down grade erst vorbei ist, dann merke ich, dass das viel stärker an meinen Nerven zehrt. Ich fühle mich dann richtig erschöpft. Phasen in denen es mal etwas besser ist brauche ich, um für schwierigere Phasen wieder gewappnet zu sein.

Was kann ich aber machen, um gut mit allem umgehen zu können?
Wenn es Karo sehr schlecht geht, muss ich stärker als sonst auf mich achten, mir meiner Gefühle bewusst sein und meine Erfahrungen anwenden.
Wichtig ist für mich, dass ich mich abgrenze. Ich habe in den letzten Jahren und Monaten gelernt, Karos Probleme nicht zu meinen eigenen zu machen. Wenn sie gerade an etwas denkt was sie runterzieht, wenn sie schwere Entscheidungen treffen muss, was auch immer, dann bringt es nichts, wenn ich diese Gedanken auch noch alle denke, und überlege, was sie gerade wohl denken könnte. Ja, so kompliziert bin ich gerne. ;) Karos Probleme sind ihre eigenen, und ich bin immer gerne für sie da wenn sie mich braucht, aber es tut mir nicht gut, wenn ich ungefragt alle Gedanken für sie auch noch mitdenke. Das kann sie schon selbst, und wenn sie mich braucht, sagt sie es mir. Also konzentriere ich mich in solchen Momenten darauf, mich mit den schönen Dingen in meinem Leben zu beschäftigen, mir etwas gutes zu tun, und darauf zu vertrauen, dass Karo mir sagt, wenn sie mich gerade wirklich braucht.
Wichtig ist auch, dass ich es nicht persönlich nehme, wenn Karo weniger mit mir telefoniert, weniger schreibt, sich nicht so darum kümmert was in meinem Leben los ist - wenn weniger Nähe da ist. Ich weiß mittlerweile, dass Karo, wenn es ihr sehr schlecht geht, dazu die Kraft fehlt. Wenn ich nicht aufpasse, kann das alles leicht dazu führen, dass ich frustriert und wütend werde und danach auch handle. Deshalb ist es für mich wichtig, dass ich die Gefühle wahrnehme und nicht wegschiebe, sondern darauf achte was grade los ist, damit ich verstehen kann, warum Karo sich gerade distanziert verhält, und dementsprechend selbst keine so negativen Gefühle entwickle.
Trotzdem ist es aber auch total notwendig, dass ich negative Gefühle zulasse. Wenn ich mich überfordert fühle, dann ist das so. Wenn ich frustriert bin weil im Moment die Beziehung nicht das bietet was ich will, dann ist das auch so. Wenn ich wütend bin, weil Karo auf etwas einfach nicht antwortet, dann ist das genauso gerechtfertigt. Ich habe diese Gefühle, und wenn ich das akzeptiere und zulasse, dann geht es mir selbst damit viel besser, und ich kann wiederum vernünftiger handeln, als wenn ich die Frustration, Wut, Trauer oder Sorge einfach verdränge.
Und dann hab ich auch schon viel darüber gelernt, wie ich in solchen Zeiten am besten kommunizieren kann. Ich konzentriere mich wieder darauf, zu sagen was mir wirklich ist, offen und klar. Frustration bringt mich leicht dazu, bissig zu werden und nicht wirklich zu sagen was ich will. Also achte ich darauf und sage Karo einfach, was mir durch den Kopf geht. Damit leg ich uns keine weiteren Steine in den Weg.

Im großen und ganzen läuft es sich darauf hinaus, dass ich mir dessen bewusst bin, dass es gerade schwierig ist und auch ich deshalb nicht so glücklich bin, aber dass ich vernünftig und rational in meinem Handeln bleibe. Ich achte besonders darauf, mir selbst gut zu tun, weil ich nur so wirklich gut für Karo da sein kann, ohne dass ich mir selbst schade.
Und dass ich nicht durchdrehe, wenn es Karo schlecht geht. Das ist wahrscheinlich das wichtigste, was ich in den vergangenen zwei Jahre gelernt hab: Nicht so schnell wegen allem durchzudrehen. Und ohne Karo wäre ich dort noch lange nicht, wo ich jetzt bin.
So schwer eine solche Beziehung manchmal auch sein mag, es ist eine riesige Chance unglaublich viel für sich zu lernen, und ich bin dankbar für alles was ich gelernt habe und noch lernen werde. Auf meinem Blog kann ich das alles dokumentieren und meine Erkenntnisse für andere und für mich selbst aufschreiben, und das liebe ich. <3
Und da ich jetzt immer mehr vom Thema abkomme, höre ich auf. ;)

Sonntag, 4. Oktober 2015

Zweiter Blog :)

Ich habe einen zweiten Blog eröffnet, in dem ich über alles schreibe, was nicht mit psychischen Krankheiten in einer Beziehung zu tun hat, nämlich hier: Laura Labert.
Diesen Blog hier gibt es natürlich weiterhin, ich mag ihn auch sehr sehr gerne (auch wenn ich zurzeit leider so wenig poste), aber er hat eben ein sehr eingegrenztes Thema, und in meinem Leben gibt es noch mehr, worüber ich gern erzählen möchte.
Viel Spaß allen, die das auch lesen wollen. :)

Schreibblockade

Ich versuch seit über einer Stunde zu bloggen. Es klappt nicht.
Mir geht es gut. Mir geht es mit Karo total gut. Manchmal mach ich mir Sorgen, oft vermiss ich sie. Oft haben wir schöne Zeiten zusammen. Ich bin sehr oft stolz auf sie, sie hat schon so viel geschafft, was man oft erst im Vergleich mit früher richtig merkt.
Ich kann schon seit so langem mit allem so gut umgehen. Ich bin so entspannt. Das wäre ich nicht ohne Karo, das habe ich nur wegen ihr so gut gelernt.
Es ist eine ganz normale, schöne Beziehung. Mit Schwierigkeiten, die die Beziehung aber nicht beeinträchtigen.
Ich will so gern über all das mehr schreiben, weil grade diese positiven Sachen mehr Posts verdienen, aber das Schreiben fällt mir einfach so schwer zurzeit. Ich will gute zusammenhängende Posts finden, und das schaff ich nicht.
Mit den unzusammenhängenden bin ich nicht zufrieden, das kann ich besser.
Also gibt es jetzt das hier.
Schreibblockade und irgendwie ein kleines Update.

Freitag, 28. August 2015

Mir geht's gut. :)

Das hier ist ein Update. :)
Es tut mir Leid, dass ich so lange nichts geschrieben habe. Ich hatte einfach keine Lust, keine Zeit... keinen Kopf.
Puh, was war im letzten Monat? Ich glaube tendenziell war alles ziemlich gut...?
Es war geplant, dass ich Karo Anfang August gesehen hätte, aber da kamen dann ihre Wohnungssachen dazwischen. Das hat sich so gezogen, dass ich dann schon mein Praktikum begonnen hab, bis sie in ihrer Wohnung war, wodurch wir nicht mehr viel Zeit hatten. Trotzdem bin ich letztes Wochenende zu ihr gefahren, was von meinen Eltern aus viel viel weiter ist, doppelt so weit, und deshalb eigentlich zu weit für nur ein Wochenende. Aber wir hatten uns zwei Monate nicht gesehen, und sie hatte ihre neue Wohnung - es musste einfach sein.
Und es hat sich total gelohnt :) Es war ein perfektes Wochenende, auftanken, Zeit miteinander verbringen, entspannen, verliebt sein.
Schön war es auch, weil auch vorher schon länger alles ziemlich entspannt zwischen uns war :) Das heißt, ich konnte mich auch total uneingeschränkt auf das Wochenende freuen.
Es war wirklich super. :)

Insgesamt fällt mir zurzeit ganz stark auf, grade auch durch das Praktikum in einer Beratungsstelle (und damit durch den Umgang mit anderen Menschen mit psychischen Problemen), wie stolz ich auf Karo bin. Es ist bei weitem nicht selbstverständlich, wie sehr sie sich auf Therapien einlässt, ganz zu schweigen davon, wie sie mit ihren Krankheiten überhaupt umgeht. Karo ist so unglaublich stark, reflektiert, mutig, talentiert - ich bin so stolz darauf, wie absolut unglaublich sie die Arbeit an sich selbst meistert.

Ich versuche gerade, an Probleme zu denken. An irgendetwas, was schwierig war oder ist.
Ganz ehrlich, mir fällt im Moment nichts aktuelles ein.

Ich habe schon ein paar Mal Leuten das erklärt, was ich hier jetzt auch schreiben will:
Seit ich Karo kenne, weiß ich, dass es ihr schlecht geht. Seit wir zusammen sind, sind irgendwie immer neue Dinge dazu gekommen. Kaum bin ich mit der Diagnose Depression klargekommen, ganz am Anfang unserer Beziehung, kam etwas neues dazu - Ritzen, zum Beispiel. Und so ging es lange Zeit immer weiter. Karo ging es schlechter, oder es gab irgendeine Veränderung die für mich schwierig zu verarbeiten war, ich war davon überfordert, habe dann gelernt damit umzugehen - bin gewachsen und stärker geworden - und dann ist das nächste gekommen.
Seit ein paar Wochen oder Monaten ist das jetzt nicht mehr so. Seit ich gelernt habe, mit Karos Suizidgedanken umzugehen, ist es eigentlich nicht mehr schlimmer geworden, in meinen Augen. Nicht mehr schlimmer geworden heißt damit auch, dass es eigentlich sogar immer besser wird, weil ich immer besser mit der aktuellen Situation umgehen kann und mal wieder stärker geworden bin.
Nicht mehr schlimmer geworden heißt auch, dass es Karo nicht noch schlechter geht als vor ein paar Monaten (in meiner Wahrnehmung), was mich unglaublich glücklich macht. So sehr ich nämlich mittlerweile auch gelernt habe damit umzugehen, wenn es Karo schlecht geht: Einfach ist es nie, wenn ein geliebter Mensch leidet. Das heißt, auch deshalb geht es mir gerade gut.

Ich bin einfach irgendwie sehr zufrieden mit meinem Leben und meiner Beziehung, ich bin glücklich wie Karo mich behandelt und wie sehr ich mich als Person von ihr angenommen und geliebt fühle, ich bin so stolz auf ihre Persönlichkeit und ihre Fortschritte, ich bin UNFASSBAR stolz auf uns beide, wie wir diese Beziehung schon seit so langer Zeit meistern und uns bisher keine Hindernisse auseinander gebracht haben.
Mir geht es einfach gut. :)
Und ich glaube, so klar war mir das noch nicht mal bewusst, bevor ich das aufgeschrieben habe.

Vielleicht bin ich einfach nur gerade gut drauf, und bald kommt ein Beitrag in einem ganz anderen Licht.
Vielleicht aber auch nicht.
Wir werden sehen - was auch immer passiert, es geht immer irgendwie weiter. :)

Donnerstag, 30. Juli 2015

Kamikazefliege.


Kamikazefliege - Judith Holofernes
Komm wir verbrennen uns die Finger, rennen uns die Köpfe ein,
laufen blindlings gegen Mauern und in offne Messer rein.
Lieber bluten wir zusammen, als ganz allein zu stehn.
Wer will nicht lieber aus Liebe als gar nicht zugrunde gehn?

Kamikazefliege möcht ich sein,
für Kamikazefliegen ist noch der Himmel zu klein.
Und ich weiß du lässt mich nicht allein,
darum sollst du mein Kamikazecopilot sein.

Ich möchte alle Brücken sprengen, mit dir am seidnen Faden hängen,
mir die Augenbraun versengen an dir.
Wir lassen alle Stricke reißen, lass dein Gewissen dich nicht beißen, wenn dich Liebesbisse reizen, hol sie dir von mir.

Wir haben gesagt, wir wollen riskieren uns im Feuer zu verlieren, lieber als nie was zu riskieren und uns dann doch zu verlieren, ohne Grund.
Ich werd den Kompass wohl verschenken, werd das Rettungsboot versenken, lieber als nur dran zu denken, lieb ich mich an dir wund.

Kamikazefliege möcht ich sein,
für Kamikazefliegen ist noch der Himmel zu klein.
Und ich weiß du lässt mich nicht allein,
darum sollst du mein Kamikazecopilot sein.

Lieber öfters mal nen Fuß in der Scheiße und den andern im Leer'n.
Als immer wieder mit den Augen am Boden diesen Platz überqueren.
Ich sage nicht "Hab keine Angst, ich hab ein Seil es kann uns gar nichts passiern." ich sage nur "Nimm meine Hand, mir wird ganz flau und ich will's trotzdem probiern!"
Die dünne Luft wird so schön heiß unter den Kleidern, jedesmal wenn man fällt.
Und wer weiß, es kann ja sein das dieser Fallschirm uns auch diesmal noch hält.

Kamikazefliege möcht ich sein,
für Kamikazefliegen ist noch der Himmel zu klein.
Und ich weiß du lässt mich nicht allein,
darum sollst du mein Kamikazecopilot sein.


(Und das heißt nicht, dass ich blindlings irgendwohin laufe wo es mir weh tut, nur für die Liebe, und alles im Leben zurück lasse, übrigens. Das heißt, dass ich sehe dass es weh tun kann und unsicher ist, aber die Liebe der Grund ist, warum ich bereit bin, durch diese Unsicherheit und den Schmerz zu kämpfen.)

Goldene Sprenkel.

Hallo... Ja, es gibt mich noch.
Ich habe jetzt sehr lange nicht gebloggt.
Das liegt zum Teil daran, dass das Ende vom Semester war, und ich vier Wochen lang nichts anderes gemacht habe, als von morgens bis abends zu lernen, oder: Nicht zu lernen und ein unglaublich schlechtes Gewissen zu haben und zu versuchen, mich wenigstens effektiv zu entspannen, damit ich danach wieder besser lernen kann.
Ja. War ne schöne Zeit.
Damit hängt auch der andere Grund zusammen, warum ich nicht gebloggt habe.
Durch diesen ganzen Stress war es sehr schwierig für mich, mit all dem, was die Beziehung zwischen mir und Karo gerade ist, oder besser gesagt nicht ist, umzugehen. Ich habe es noch so einigermaßen geschafft, für Karo da zu sein, wenn sie mich gerade aktiv gebraucht hat, oder einige schöne Momente zu haben. Aber ich hatte einfach nicht die Kraft, so viel in die Beziehung zu investieren, wenn gerade so wenig zurückkommt. Ich hatte nicht die Kraft, mich mit unserer Beziehung auseinanderzusetzen. Und damit auch nicht, zu bloggen. Nicht, wenn ich mich gleichzeitig so auf das Studium konzentrieren musste.
Deshalb war aus meiner Sicht unsere Beziehung in den letzten Wochen ... ziemlich auf Sparflamme. Weil weder ich noch Karo die Kraft hatten, mehr für die Beziehung zu tun.
Ehrlich gesagt... hat mir das aber ganz schön weh getan. Wenn ich darüber nachgedacht habe. (Was ich eben die meiste Zeit nicht habe, siehe Sparflamme, siehe keine Kraft.)

Es gibt einfach so viel, was ich mir in einer Beziehung wünsche, was bei uns momentan ... nicht da ist. Oder nicht da war, die letzten Wochen. Es wird wieder besser. Ein bisschen.
Und ich weiß, dass das alles die Umstände sind. Dass Karo nicht mehr kann, genauso, wie ich auch nicht gekonnt habe, in meiner Lernzeit.
Aber oft tut es trotzdem einfach weh. Dass wir zurzeit so, so, so wenig Beziehung haben. Dass wir als Fernbeziehung so schlecht funktionieren. Dass wir so wenig Zeit miteinander verbringen, und so wenig reden. Dass sie mir fehlt, so unendlich sehr, und ich manchmal so wütend bin, obwohl ich es verstehe, und dass ich dann wieder so traurig bin, weil ich es verstehe. Und dass ich mir Sorgen mache und mir Dinge wünsche die nicht in Erfüllung gehen. Es tut einfach weh.
Und ich verstehe es, verdammt, ich verstehe es ja. Viel zu gut.
Sonst würde ich mir das doch alles gar nicht antun.
Aber ich entscheide mich ja für die Beziehung, jeden Tag auf's neue, egal wie sehr ich mir mehr wünsche und wie weh es tut, ich entscheide mich immer wieder dafür. Weil ich so viel Potential sehe. Weil ich so viel sehe, was wir hatten und haben, zwischendurch, und was wir sein können. Was wir sind, wenn alles gut läuft, für uns.
Ich habe mir eins geschworen: Ich werde mir nie, nie, nie erlauben, auf Karo jemals wütend zu sein in dem Sinn, dass ich ihr vorwerfe, sie würde meine Zeit vergeuden oder mir schaden, indem ich mit ihr zusammen bin. Ich erlaube mir, wütend zu sein. Ich erlaube mir enttäuscht zu sein. Ich erlaube mir, traurig, verletzt, frustriert, verzweifelt, verängstigt, besorgt, erschöpft zu sein. Das alles sind Emotionen die ich manchmal habe, und die ich mir zugestehe.
Aber ich werde nie, egal was passiert, Karo die Schuld an dem Schmerz geben, den ich fühle. Ich bin die, die sich dafür entscheidet, die Beziehung zu führen, und zu hoffen, dass es besser wird. Ich bin die, die sich entscheidet, von den kleinen goldenen Momenten zu leben, die momentan das Schwarz mustern. Ich bin die, die sich entscheidet, daran zu glauben, dass die goldenen Momente wieder zunehmen und das Schwarz überstrahlen.
Ich bin die, die sich für Karo entscheidet.
Und deshalb, auch wenn Karo der Grund ist warum es mir nicht gut geht oder ich nicht glücklich mit unserer Beziehung bin, habe ich nie das Gefühl, dass sie Schuld daran trägt. Ich sehe auch bei mir keine "Schuld". Weil es nichts gibt, wofür es sich lohnt, sich schuldig zu fühlen. Weil ich es nicht bereue.

Ich wünschte nur, wir würden uns wieder sehen. Je länger wir uns nicht sehen, umso schwieriger wird es immer. Es ist schon viel zu lange her, so lange, dass ich gar nicht nachrechnen will. Es ging einfach nicht, es gab kein einziges Wochenende, wo es geklappt hätte. Wir werden uns bald sehen. Zum Glück. Hoffentlich. Hoffentlich diesmal wirklich.
Ich brauch wieder mehr Gold in meinem Leben.

Freitag, 10. Juli 2015

Streiten.

Streiten. Ein Thema, das ich in unserer Beziehung für eins der schwierigeren halte.

Eigentlich habe ich kein so großes Problem mit Streit. Ich hab mich immer mit meinen Eltern gestritten, mit meinem Bruder... und trotzdem lieben wir uns.
Ein Streit bedeutet für mich, aufgestaute Gefühle und Stress rauszulassen.
Das kann ganz einfach mal befreiend sein.
Ja, eigentlich ist es besser, so was auch ohne Angriffe und laute Worte rauszulassen. Konstruktiv darüber zu reden. Und oft ist das auch möglich, aber manchmal auch nicht, aus welchen Gründen auch immer, und dann finde ich es notwendig, das trotzdem irgendwann einfach mal zu sagen, auch wenn es über einen Streit ist.
Der Streit muss nicht mal was mit der anderen Person zu tun haben, vielleicht hat es viel mehr zu tun mit einem selbst, und wie man sich gerade fühlt.
Nach einem Streit ist man verletzt und wütend und traurig, aber hat sich auch geöffnet und mal nicht zurückgehalten und kann vernünftig über alles reden. Man kann sich erklären, Vorwürfe zurücknehmen, sich kritisch selbst betrachten und Dinge einsehen, oder ernsthafte Probleme konstruktiv mit dem anderen besprechen, um etwas ändern zu können.
Und man kann sich versöhnen.

Mit Karo, da macht mir ein Streit viel mehr Angst. Schon zwei mal ist ein Streit, der eigentlich nicht schlimm war, so eskaliert, dass er beinahe in einer Trennung geendet hätte (einmal hier und ein weiteres mal, über das ich anscheinend hier nicht geschrieben habe - ich glaube, es war irgendwann im Frühling diesen Jahres?).
Ich möchte hier nicht allzu viel interpretieren, aber: Ich glaube, Karo fällt es sehr schwer, in so einer Situation den Streit in eine größere Perspektive zu stellen.
Für mich ist es einfach nur ein Streit. Wie gesagt: Dampf ablassen, aussprechen, versöhnen.
Für Karo ist es, glaube ich, viel mehr. Das Gefühl, dass ich sie nicht mehr mag. Das Gefühl, dass sie mich nicht mehr mag. Das Gefühl, dass sich mit so negativen Emotionen nichts mehr wieder gut machen lässt.
Das ist auch eine Borderline-Sache, glaube ich. Alles schwarz und weiß zu sehen. Angst haben, in die Liebe von jemandem zu vertrauen, wenn der gerade böse Sachen sagt. Mit diesen ambivalenten Gefühlen schwer umgehen zu können.

Nach einem Streit möchte ich meistens alles aussprechen. Karo möchte alles vergessen. Dadurch wird die Nach-Streit-Phase noch zu einem weiteren Minenfeld, wo ich immer merke, wie wir ganz vorsichtig umeinander tänzeln, um nicht noch einen zweiten, womöglich noch größeren Streit loszutreten.
Mir ist durchaus bewusst, dass ich eine Person bin, die um so vieles offener über ihre Gefühle spricht und sprechen möchte, als viele andere Menschen. Ich weiß auch, dass ich dadurch Erwartungen an offene Gespräche habe, die die anderer Menschen meistens übersteigen.
Karo ist eben in diesem Punkt... normaler, als ich. Eigentlich auch ziemlich offen - wir haben früh über so vieles geredet, auch was unsere Beziehung angeht - aber in einigen Bereichen eben deutlich weniger als ich. (Ich bin halt extrem. ;))
Deshalb geraten wir dabei so oft in Probleme. Das "drüber-reden-nicht-drüber-reden"-Thema ist glaub ich eines, was viele Streits auslöst, und die Streits selbst und die Versöhnung dann auch noch mal schwieriger machen.
Irgendwie kriegen wir es aber dann doch immer wieder hin. Mal mit mehr drüber reden, mal mit weniger.

Wir haben lange nicht mehr richtig gestritten, bevor es vor ein paar Tagen doch mal wieder dazu gekommen ist. Es war nicht schön ... aber wir haben uns noch vorm Schlafengehen so halb versöhnt, und am nächsten Tag noch einigermaßen ausführlich darüber gesprochen. Mehr als ich erwartet hätte, was mich sehr positiv überrascht hat.

Durch die Fernbeziehung haben wir uns auch noch nie "in echt" gestritten. Ich bin ehrlich gesagt ziemlich gespannt, wie das dann wird, wenn es das erste Mal passiert. Schlimmer, weil's persönlicher ist? Besser, weil man Mimik, Tonfall etc. hat? Schlimmer, weil man direkt sieht wenn die andere weg geht oder ähnliches? Besser, weil man sich auch mit Blicken und Gesten und Umarmungen versöhnen kann, anstatt direkt die richtigen Worte finden zu müssen?
Ich hab so das Gefühl, dass es kürzer und heftiger wird, aber auch mit schnellerer und einfacherer Versöhnung.
Wir werden sehen. ;)

Ich weiß nicht genau was dieser Post jetzt ist - hab ich darüber geschrieben, dass Karo wegen Borderline Probleme hat mit Streiten? Oder einfach so? Oder darüber, dass ich zu viel über alles reden will? Einfach über Streitverhalten in unserer Beziehung an sich? Ich weiiiiß es auch nicht, über alles ein bisschen. :)

Beenden will ich das ganze mit einem wundervollen Lied, dessen Thema tatsächlich das Streiten in einer Beziehung ist.

 Now we're staring at the ceiling
You're so pretty when you're mad
All that I can hear is breathing, oh, oh
And we're stuck inside the silence
In a cold, cold war
We're too proud to say we're sorry, oh, oh

Right now it feels like we're bleeding
So deep that we might not get back up
Our words they tear through the surface
Like a paper, like a paper cut
Right now I don't know why I love you
But by the morning when we wake up
I'll reach for you and remember
It was just a paper, just a paper cut

I find refuge in the distance
Even when we're breaking down
Can we pause it just for one kiss? Oh, oh
Cause I never meant to hurt you
And I know you feel the same
Still the only one I run to, oh, oh

Right now it feels like we're bleeding
So deep that we might not get back up
Our words they tear through the surface
Like a paper, like a papercut
Right now I don't know why I love you
But by the morning when we wake up
I'll reach for you and remember
It was just a paper, just a papercut