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Sonntag, 16. September 2018

Umzug und ein Ring...?


Hallo – ja, es gibt mich noch ;) Ich hab mich schon lange nicht mehr gemeldet. Mein Leben war sehr stressig, und auf‘s Bloggen hatte ich dabei irgendwie überhaupt keine Lust mehr. Jetzt habe ich aber Lust, und deshalb bin ich hier – und ich hab ein paar total wichtige Updates:

Karo und ich sind verlobt!
Ich habe ihr im Juni einen Antrag gemacht. Karo war bei mir in der Stadt, in der ich die letzten fünf Jahre studiert habe und ich hab ihr gesagt, dass ich ihr einen Date-Tag vorbereiten möchte. Was ich tatsächlich vorbereitet hatte, waren Pfannkuchen zum Frühstück, ein Picknick im Hofgarten des Schlosses meiner Stadt, dort einen Antrag – und dann abends Sushi essen und Cocktails trinken. Leider hatten wir beide unsere Tage und ziemliche Bauchschmerzen, aber wir haben trotzdem alles gemacht, wenn auch ein bisschen gemütlicher als geplant.
Karo war total überrascht von dem Antrag – so war es ja auch geplant! - aber hat sich wahnsinnig gefreut, auch über den Ring, den ich schon im März ausgesucht hatte.
Die Entscheidung, sie wirklich heiraten zu wollen, habe ich letztes Jahr kurz vor Weihnachten getroffen. Wir hatten schon oft darüber geredet, dass wir beide auf jeden Fall heiraten möchten und uns auch gut vorstellen können, einander zu heiraten, wenn weiter alles so gut zwischen uns läuft. Ich war mir aber lange Zeit unsicher, wie stabil unsere Beziehung weiter halten würde und ob ich darauf vertrauen kann, dass wir uns weiterhin gegenseitig glücklich machen werden. Es gab viel auf und ab in den anfänglichen Jahren unserer Beziehung, die hier auf dem Blog ja auch dokumentiert sind. Mir war es sehr wichtig, dass ich mich wirklich sicher fühle in meiner Entscheidung. Und kurz vor Weihnachten habe ich dann eben recht plötzlich gemerkt, dass ich mich schon so lange so sicher mit uns fühle und wirklich mit Karo mein Leben weiter verbringen möchte und diesen Zusammenhalt und das Versprechen, daran auch immer zu arbeiten, total gerne offiziell machen möchte. Also hab ich das noch eine Weile auf mir ruhen lassen, Stück für Stück Freunden und Familie erzählt und bei vielen Spaziergängen durch die Stadt nach Ringen gesucht, die ihr gefallen könnte – bis ich dann in einer Stadt nahe meiner Heimat/Familie den perfekten Ring gefunden habe.
Tja, und jetzt sind wir verlobt :) Zwei Wochen später war ich wieder bei Karo für eine Familienfeier und dann hat sie mir auch noch einen Heiratsantrag gemacht und einen Ring geschenkt, der absolut perfekt für mich ist.
Die Hochzeit selbst wird noch eine Weile auf sich warten lassen. Wir haben beide kein Geld dafür und es gibt auch noch andere Gründe, warum das wohl erst in zwei, drei Jahren Sinn macht. Aber das Wichtigste ist ja geklärt – und zwar, dass wir beide alles dran stecken, dass unsere Beziehung für immer hält.

Die zweite wichtige Nachricht ist…
Karo und ich sind zusammengezogen!
Seit Anfang August leben wir zusammen in einer Wohnung in der Stadt, aus der Karo kommt. Wie ich auch schon mal erzählt habe, war die Entscheidung, dorthin zu ziehen, wirklich keine leichte für mich, weil ich damit sehr weit von meiner eigenen Familie und Freunden weg wohne.
Aber mir geht es jetzt wirklich gut damit. Familie und Freunde sind ja nicht aus der Welt, vor allem Freunde sind teilweise nicht weiter weg als ich vorher von Karo entfernt gelebt habe. Und die Stadt, in der wir jetzt wohnen, gefällt mir auch wahnsinnig gut. Vorher habe ich außerdem direkt an einer Bundesstraße gewohnt und jetzt leben wir in einem sehr ruhigen Stadtteil in einer Doppelhaushälfte mit drei Mietwohnungen, Blick auf den Garten in dem die Hühner vom Nachbarn laufen und die Weinberge und trotzdem nur fünf Minuten mit dem Zug vom Stadtzentrum entfernt. Unsere Wohnung ist genau groß genug für uns beide und wir haben sie total gemütlich eingerichtet.
Und das Wichtigste: Wir wohnen zusammen!! :)
Es ist total schön, jeden Tag zusammen zu verbringen, ohne nach ein paar Tagen schon wieder fünf Stunden mit dem Zug nach Hause fahren oder die Freundin zurückschicken zu müssen. Es gibt auf einmal kein Limit mehr auf unsere Zeit miteinander und der Druck, immer das Beste aus der Zeit zu machen, ist damit ganz plötzlich draußen. Und ich verbringe jeden Tag mit einer Person, der ich so nahe stehe und bei der ich so sehr ich selbst sein kann und die so süß und wundervoll ist und die ich liebe! Das ist halt auch nicht schlecht ;)
Natürlich gibt es so den ein oder anderen Bereich, in dem wir erst jetzt lernen müssen, wie wir unsere beiden Eigenarten miteinander vereinbaren können. Wir haben uns schon ein paar Mal gestritten und werden das wohl auch noch ein paar Mal öfter tun. Aber wir besprechen alles immer gut und haben sogar Karten entwickelt, die wir benutzen können um einander das zu sagen, was vielleicht manchmal schwierig ist. Ich finde, dass wir das alles echt gut hinbekommen.

Jetzt fahren wir gerade in unseren ersten richtigen Paarurlaub nach Berlin, wo wir die nächsten Tage verbringen. Ich freu mich schon total!

An alle, die noch mitlesen: Bis zum nächsten Mal <3

Donnerstag, 17. Mai 2018

Was mir in der Beziehung gut tut


Wir Menschen – wir strukturieren uns ja die Welt, indem wir Vereinfachungen benutzen und uns bestimmte Vorstellungen davon bilden, was wir hören.
Wenn ich sage, dass ich in einer Beziehung bin, stellen sich viele Menschen wahrscheinlich eine ebenbürtige, liebevolle, unterstützende Beziehung vor, mit Dingen, die für diese Person zu einer Beziehung dazu gehören.
Wenn ich sage, dass ich in einer Beziehung mit jemandem mit psychischen Erkrankungen bin – noch dazu, mit jemandem mit Borderline! -, dann haben Menschen scheinbar oft ganz andere Vorstellungen von dieser Beziehung.

Und ja, klar gibt es bestimmte Eigenheiten unserer Beziehung, die zum Teil durch die Erkrankungen bedingt sind. Klar stimmen manche dieser Vorstellungen.
Aber manchmal kommt es mir so vor, als ob Menschen all diese anderen Vorstellungen, die sie eigentlich zu einer Beziehung haben, außen vorlassen, sobald sie das Wort Borderline hören.

Deshalb blogge ich heute einfach mal darüber, wie Karo mir in unserer Beziehung gut tut.
Denn, Schocker! : Ich tu Karo gut, aber sie tut auch mir gut! Ich bin in der Beziehung, weil ich selbst davon etwas habe! Wer hätte das gedacht!

  • Karo akzeptiert meine überemotionalen Heulanfälle. Ich weine viel und oft; so bin ich einfach. Gerade wenn noch Hormone im Spiel sind, steckt da oft nicht besonders viel dahinter. Aber egal wie ernst oder oberflächlich es ist: Karo nimmt mich immer ernst und zeigt mir, dass meine Gefühle wichtig sind. Auch, wenn es nur PMS ist.
  • Karo kennt die Dinge die mir Sorgen machen und macht sie mir leichter. Zum Beispiel habe ich vor allem früher oft große Angst gehabt, wenn Karo sich längere Zeit nicht gemeldet hat. Besonders in der Zeit, wo sie sehr starke Suizidgedanken hatte, war das sehr schlimm für mich. Auch wenn das jetzt nicht mehr so tragisch für mich ist, „warnt“ sie mich häufig vor, wenn sie mehrere Stunden nicht erreichbar sein wird. Das schätze ich total.
  • Sie ist ehrlich und sanft, wenn sie mir sagt, dass ich überreagiere. Ich habe sehr ausgeprägtes PMS und katastrophisiere in dieser Woche ziemlich stark. Karo hat angefangen, mir das nicht nur zu bestätigen wenn ich es selbst merke, sondern mir auch von sich aus zu sagen – aber auf eine Art, die respektvoll und liebevoll ist. Das hilft mir sehr dabei, mich selbst einzuschätzen.
  • Sie sagt mir, dass sie mich hübsch findet, auch wenn ich mich selbst nicht hübsch finde.
  • Sie kommuniziert offen ihre Bedürfnisse in Konflikten. Wenn wir streiten, kann es vorkommen, dass Karo die Auseinandersetzung zu viel wird und sie gar nicht mehr mit mir reden kann – oder, dass sie kurz davor steht, mich sehr unfair zu behandeln oder zu beleidigen. Anstatt eins der beiden zu machen, warnt sie mich immer rechtzeitig vor und gibt uns somit beiden die Möglichkeit, ein bisschen Abstand zu nehmen und weiter zu reden, wenn wir wieder bereit dazu sind.
  • Sie bringt mich dazu, Sachen zu sagen für die ich mich schäme und nimmt mich dann hundertprozentig an mit dem, was ich ihr mitteile. Schon mehrmals gab es Sachen, die ihr ihr eigentlich erst mal nicht sagen wollte, weil sie mir peinlich sind. Sie fordert mich dann aber genau das richtige Maß, damit ich mich doch traue – und wenn ich das tue, ist es immer einfach okay und ich musste mich überhaupt nicht schämen.
  • Ich darf bei ihr weinen, selbst wenn ich keinen Grund habe. … Zumindest, wenn ich sie damit nicht gerade triggere und sie dann in eine Traumasituation stürzt ;) Aber darüber haben wir erst gestern gesprochen, wie wir das deutlicher kommunizieren können.
  • Sie weiß, wo meine Schwächen sind und hilft mir, daran zu arbeiten. Sie kennt meinen Perfektionismus, meine Zukunftsängste, meine Sturheit. Sie weist mich darauf hin wenn es ihr auffällt, gibt Tipps und ist für mich da, ohne mir jemals das Gefühl zu geben, dass ich zu viel bin.
  • Sie nimmt alle meine Gefühle ernst.
  • Wenn ich vor etwas Angst habe, versichert sie es mir gerne immer und immer wieder.
  • Sie akzeptiert meine Interessen, auch wenn sie sie nicht versteht. Ich fangirle auch gern mal sehr stark, über YouTuber oder Bands oder sonst irgendwas – und es gibt Dinge, die mir wichtig sind, ihr aber nicht. Sie zieht mich zwar ein bisschen damit auf, aber macht sich nicht darüber lächerlich. Und wenn mir etwas wirklich sehr am Herzen liegt, nimmt sie sich die Zeit, das auch mal selbst anzuschauen.
  • Wenn es mir nicht gut geht, merkt sie es. Sie sieht mir das fast immer an wenn irgendwas nicht stimmt und spricht mich dann darauf an. Das hat mir sehr dabei geholfen, offener zu werden und zu zeigen, wie es mir geht. (Manchmal denkt sie aber ein bisschen zu oft dass irgendwas nicht stimmt – und manchmal stimmt zwar wirklich etwas nicht, aber ich kann es selbst noch gar nicht in Worte fassen. Aber sie arbeitet auch daran, mir dann erst mal Zeit zu geben.)
  • Sie hat mir dabei geholfen, meine eigenen Gefühle ernst zu nehmen. Karo lässt nie durchgehen, wenn ich darüber hinweggehe wie es mir geht und hilft mir zu lernen, dass ich ein Recht habe, über das zu reden was mich belastet. Und dass ich es nicht ignorieren darf, weil es mir dann noch schlechter geht.
  • Sie glaubt an mich.
  • Sie sagt mir, dass sie mich süß findet.
  • Sie sagt mir, dass ich ihr wichtig bin und sie mich liebt.
  • Sie berührt mich um mir Liebe zu zeigen. Für mich ist Berührung die wichtigste Sprache der Liebe und ich fühle mich sehr geborgen und sicher, wenn ich von Karo liebevoll berührt werde. Für sie sind eher Worte wichtig. Aber so wie ich mich deshalb bemühe, ihr meine Anerkennung mit Worten zu sagen, bemüht sie sich, mich von sich aus in alltäglichen Situationen liebevoll zu berühren.
  • Sie hört mir immer zu, wenn mich etwas belastet – selbst, wenn es um uns beide geht. Um genau zu sein fordert sie mich seit Jahren sogar aktiv auf, ihr zu sagen, wenn mich etwas zwischen uns beiden belastet.
  • Sie will sich um mich kümmern, wenn ich krank bin. Und auch wenn das physikalisch nicht geht durch die Fernbeziehung die wir noch führen, tut es irgendwie sehr gut.
  • Sie ruft mich an, wenn etwas passiert, was sie erzählen will. Ich kann sie anrufen, wenn ich etwas erzählen will.
  • Sie hat die schwierigen Unterhaltungen mit mir, auch wenn ihr Konflikt Angst macht. Aber sie weiß, wie wichtig es für mich und für uns ist, und spricht mit mir aus, was zwischen uns steht. Auch noch um eins in der Nacht.
  • Sie lässt mich sein wie ich bin.
  • Sie schätzt ihre Selbstständigkeit genau so, wie ich meine schätze.
… Und wahrscheinlich noch einiges mehr. Es gibt einfach unendlich vieles was mir gut tut. Aber das sind auf jeden Fall die meisten der wichtigsten Dinge.

Ich hab mich sehr bemüht, einfach über alles nachzudenken was mir gut tut, unabhängig davon ob es erwartet wird oder nicht. Manche dieser Dinge kommen mir so selbstverständlich vor und es ärgert mich fast, sie aufzuschreiben. Denn es ärgert mich, wenn diese Dinge nur wegen einer Diagnose in Frage gestellt werden.
Andere Dinge finde ich besonders und wunderschön und ich bin stolz darauf, dass sie Teil unserer Beziehung sind.

Wenn du das hier liest, und dich fragst, „aber macht Karo denn auch dies oder hat Laura auch jenes und was ist eigentlich mit …?“, dann schreib mir gern einen Kommentar und ich beantworte ihn! Für mich ist unsere Beziehung normal und für mich ist es auch normal, dass wir uns wertschätzen und gegenseitig gut tun, deshalb fallen mir vielleicht viele Dinge nicht ein, nur weil sie für mich selbstverständlich sind. Aber wenn dich interessiert wie das bei uns ist, dann: Frag einfach! :)

Ich hoffe, das konnte euch allen einen besseren Einblick in unsere Beziehung geben. Ich schreibe hier viel über die negativen Seiten, weil die halt oft von den psychischen Erkrankungen kommen, über die dieser Blog ist – aber es gibt so viele positive Seiten, die ich hier noch nicht so viel reingebracht habe. Ich hoffe, dieser Post zeigt ein bisschen was davon. :)

Dienstag, 24. April 2018

Unser Beziehungsalltag

In meinem letzten Blogpost habe ich ja darüber geschrieben, wie eine typische Woche in Karos und meiner Beziehung aussieht, während sie gerade in der Klinik ist. Die Klinikzeit ist für mich stark davon geprägt, dass sie wenig Zeit für mich hat, viele schwere Dinge erlebt von denen ich oft nur am Rand etwas mitbekomme, und es ihr oft schlecht geht, ohne dass ich da bin. Vor allem ist es eine Zeit des Vermissens, für mich ganz persönlich.

Ich fand es sehr wichtig, diesen Teil unserer Beziehung zu zeigen. Für Karo ist die Klinikzeit natürlich keine leichte Zeit. Darüber hat sie hier sehr eindrücklich geschrieben. Und für mich als Partnerin hat das eben auch Auswirkungen, was genau das ist, wovon ich hier auch ehrlich und offen berichten will.

Jetzt ist Karo aber gerade nicht in der Klinik. Sie ist zuhause und macht regelmäßig ihre ambulante Therapie weiter, die sie auch vor der Klinik schon hatte. Unser Alltag ist in dieser Zeit ein ganz anderer und ich will euch auch diesen hier zeigen.

Wie ist der Beziehungsalltag zwischen zwei Frauen, von denen eine sehr belastende psychische Krankheiten hat?

Wir beginnen mit...
Samstag, 14. April
Um halb acht wache ich auf und schreibe Karo guten Morgen. Eine Stunde später fahre ich zum Bahnhof, denn ich besuche Karo heute! Wir sind bereits auf Wohnungssuche für die Wohnung, in die wir ab Herbst zusammenziehen werden, und haben morgen unsere erste Besichtigung.
Als ich am Bahnhof ankomme schreibt mir auch Karo guten Morgen. Ich schicke ihr ein paar Fotos und schreibe ihr über den Bagger am Bahnhof - sie ist sehr traurig, dass ich ihr davon kein Foto geschickt habe ;)
Um 10 Uhr bin ich gerade im Zug und Karo fragt ob wir kurz telefonieren können. Sie ruft mich an und erzählt mir von einem Ereignis in der Familie, das sie gerade sehr belastet. Wir sprechen ein bisschen darüber.
Kurz darauf ist Karos Blogeintrag für diesen Tag online (wir machen gerade eine 31-Tage-Challenge) und wir schreiben ein bisschen darüber. Auch während dem Rest der Zugfahrt tauschen wir noch ein paar kurze Nachrichten aus.
Um halb eins komme ich dann am Bahnhof an, wo mich Karo mit Umarmungen und Küssen empfängt. Wir freuen uns beide sehr uns so spontan zu sehen.
Wir kaufen Döner die wir bei ihren Eltern zuhause essen. Karo probiert Kleider an und ich sage ihr welche schön sind, wir reden viel und kuscheln. Später fahren wir in einen Ort in der Nähe und besorgen eine Kleinigkeit und kaufen uns Eisbecher zum Mitnehmen. Wieder zuhause angekommen essen wir die Eisbecher zusammen mit Karos Mutter.
Abends ist Public Viewing von einem Basketballspiel, das wir uns zusammen mit Karos Freunden ansehen. Wir fahren zusammen mit dem Auto zu Karos Freundin. Weil wir früher da sind, reden wir noch am Parkplatz und- flirten ziemlich viel ;)
Dann fahren wir zusammen mit den Freunden weiter zum Spiel. Es ist schön, mit Karo zusammen Zeit mit ihren Freunden zu verbringen. Leider habe ich ein bisschen Kopfschmerzen, aber Karo massiert mich während dem Spiel kurz.
Spät abends sind wir wieder zuhause. Wir haben Sex und er ist ziemlich gut. Kurz nach Mitternacht gehen wir schlafen - Karo in ihrem Bett, und ich auf einer Matratze auf dem Fußboden, weil für eine Nacht es den Aufwand nicht wert wäre, das irgendwie anders zu machen.

Sonntag, 15. April
Der Morgen startet gemütlich zusammen im Bett. Später dusche ich und wir machen uns fertig für die Besichtigung der Wohnung, zu der uns Karo wieder mit dem Auto fährt. Die Wohnung gefällt uns sehr gut, leider ist sie aber auch viel zu klein für uns beide, da sie nur ein einziges Zimmer hat. Anschließend fahrend wir kurz in Karos aktuelle Wohnung und ich helfe ihr, ihren Kühlschrank auszuräumen, da sie längere Zeit nicht dort war und nicht mehr alles gut ist.
Auf dem Weg zurück zu ihren Eltern zeigt mir Karo ein Lied, in dem es darum geht, dass man sich bei der Person die man liebt zuhause fühlt. Es berührt mich sehr, weil ich mich auch so fühle (und weil ich PMS habe...), und ich weine mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Erst ein paar Minuten später als wir weiter darüber reden stellt sich heraus, dass Karo mein Weinen voll verunsichert hat, weil sie dachte, dass ich deshalb weine, weil sie eben nicht mein Zuhause ist. Zum Glück haben wir darüber geredet!
Zuhause bereiten wir zusammen Mittagessen vor und haben dort eine kleine Auseinandersetzung über eine ziemliche Belanglosigkeit. Es ist ein bisschen angespannt zwischen uns und wir sind nach wie vor nicht sehr geübt darin, Auseinandersetzungen direkt miteinander zu klären. Aber wir sprechen darüber und bemühen uns beide sehr, so dass es dann schnell wieder gut ist.
Den Nachmittag verbringen wir noch recht gemütlich mit kuscheln und reden, über bescheuerte Dinge,  alltägliches, Liebe, Zukunft, oder Karos Therapien. Am frühen Abend muss Karo mich wieder zum Bahnhof fahren. Wir reden dort noch sehr gut über Dinge, die wir uns voneinander wünschen und haben ziemlich viel Spaß dabei.
Um halb sechs bin ich wieder im Zug und fahre nach Hause. Zwischendurch bemerke ich, dass ich vergessen habe ein Ticket zu lösen und bekomme ziemlich Angst während ich ein Ticket ab der nächstmöglichen Station per Handy kaufe. Karo beruhigt mich während der ganzen Zeit.
Später schreibt sie einen Blogpost zu einem sehr persönlichen Thema und ist sehr nervös deswegen. Sie zeigt mir den Post und ich versichere ihr, dass er gut ist.
Um neun Uhr komme ich zuhause an und fahre mit dem Rad gleich zu meiner Wohnung. Karo wollte noch telefonieren, aber ich wollte einfach schnell nach Hause, und als ich dort angekommen bin, ist sie schon zu müde. Sie schreibt mir gute Nacht und schickt das tägliche Gute-Nacht-Selfie. Ich selbst bin noch wach bis kurz nach eins, weil ich sehr viel Spaß beim Fangirlen habe.

Montag, 16. April
Um halb zehn sagt mir Karo guten Morgen, gleich darauf bin auch ich wach und schreibe ihr das selbe. Wir telefonieren erst mal spontan zwanzig Minuten. Danach mache ich mich fertig und frühstücke. Ich habe eine lange to-do-Liste und arbeite in der nächsten Stunde einige Sachen davon ab.
Kurz vor zwölf, bevor Karos Therapie beginnt, schreiben wir einander noch ein bisschen. Ich beruhige sie wegen ihrem Blogpost für heute und sie erinnert mich daran dass sie heute eine Doppelstunde Therapie hat, damit ich mir keine Sorgen mache. Dann arbeite ich weiter, schaue Videos, schreibe mit Freunden und fühl mich zunehmend immer kränker. Um halb zwei male ich mir einen Schmetterling auf den Arm für das Butterfly-Project und schicke das Karo.
Kurz vor zwei ist Karo mit der Therapie fertig. Sie freut sich über einen freundlichen Kommentar zu dem Blogpost bei dem sie so nervös war, dann ruft sie mich an und erzählt mir kurz von ihrer Therapiestunde.
Danach fährt sie weiter zu einer Freundin und ich arbeite weiter meine Liste ab. Um halb vier habe ich selber einen Blogpost geschrieben, der auch sehr persönlich ist. Ich bin nervös und bitte Karo um ihre Rückmeldung. Sie bestätigt mich in dem Post und findet ihn sehr gut, also poste ich ihn.
Am weiteren Nachmittag schreiben wir noch ein bisschen hin und her über verschiedene Dinge. Ich fahre nach dem Einkaufen noch in den Park, wo ich mit meinen Eltern telefoniere, und schicke Karo Fotos davon. Es folgen später noch ein paar kürzere Nachrichten.
Um elf Uhr frage ich Karo, wie das Basketballspiel war das sie heute angesehen hat, und sie freut sich total dass ihre Mannschaft gewonnen hat. Eine halbe Stunde später schickt sie mir ihr Gute-Nacht-Selfie, und noch mal eine halbe Stunde später geh auch ich schlafen.

Dienstag, 17. April
Heute ist unser fünfjähriger Jahrestag!
Ich wache um halb acht auf und fühle mich sofort sehr krank. Ich mache Karo eine Sprachnachricht, weil das leichter ist, und jammere davon, wünsche ihr aber auch einen schönen Jahrestag. Sie wacht um acht Uhr auf und hat selbst auch Kopfweh.
Um 10 Uhr halte ich ein Tutorium an der Uni. Es ist der erste Termin, also muss ich trotz Krankheit hin, so gut es irgendwie geht. Ich sag Karo noch Bescheid bevor es losgeht.
Um halb zwölf schreibt sie mir zurück, dass sie sich kurz hingelegt hat und danach noch Sport gemacht hat. Sie würde heute gerne telefonieren oder skypen. Ich rufe sie stattdessen gleich zurück, während ich durch den Park zurück von meinem Tutorium zum Busbahnhof gehe. Wir reden ein bisschen über das Tutorium, übers krank sein, aber flirten auch sehr viel und freuen uns über unseren Jahrestag.
Karo schickt mir ein Foto von ihrem Mittagessen. Ich wünsch ihr guten Appetit und schick ihr ein Selfie, auf dem ich durch und durch matschig aussehe. Ich versuche zu schlafen, aber es klappt leider nicht.
Um halb zwei tweete ich über unseren Jahrestag mit einigen Fotos. Karo sieht es kurz darauf und freut sich sehr.
Um drei schreiben wir noch einmal, dieses mal darüber, wie es uns geht. Wir beschließen, unsere Blogchallenge auszusetzen für heute.
Von vier bis fünf schlafe ich endlich ein bisschen. Als ich aufwache, rufe ich sie gleich an. Wir reden eine ganze Weile lang über Liebe und krank sein. Karo ist total süß zu mir und bringt mich fast zum Weinen. Ich gebe mein Bestes, ihr eine süße Jahrestagsrede zu halten obwohl ich so krank bin, und je mehr ich rede umso besser wird es, bis Karo weint <3 Es ist sehr schön und wir haben uns sehr, sehr lieb.
Abends mache ich mir Dosensuppe warm und fühle mich ein bisschen besser. Wir schreiben ein bisschen hin und her im Laufe des Abends.
Um kurz vor zehn geht Karo schlafen, postet dann aber noch auf Instagram über unseren Jahrestag. Sie schreibt darüber warum ich ihr wichtig bin und ich freu mich total.
Ich selbst schaue noch Videos und mache Yoga, weil mein ganzer Körper weh tut, und schlafe dann erst um halb zwölf.

Mittwoch, 18. April
Ich bin den ganzen Tag immer noch krank. Wir schreiben uns wie immer über den Tag verteilt über die Dinge die wir tun oder allgemeine Dinge, die uns gerade beschäftigen. Mittags telefonieren wir eine Weile. Abends reden wir kurz über etwas, worüber ich mir ein bisschen Sorgen macht, und Karo geht sofort sehr lieb auf mich ein.
Ich kürze den Tag ab, weil es da nicht viel neues gibt :)

Donnerstag, 19. April
Wir schlafen beide bis nach 10. Als ich aufwache, mache ich Karo erst mal eine Sprachnachricht dazu und erzähle, dass ich nachts zwei Stunden lang wach war, weil ich Gliederschmerzen hatte.
Karo ruft mich an und wir telefonieren kurz.
Um zwölf hab ich Fenster geputzt, davon schreib ich Karo. Davor war ich im Internet und habe Zeit mit meiner Mitbewohnerin verbracht. Mit der geh ich jetzt auch Sushi essen, was wir schon lange geplant hatten. Ich schicke Karo ein Foto davon - weil, uns gegenseitig mit leckerem Essen neidisch machen, ist so ein bisschen unser Ding. Aber so neidisch ist sie gar nicht, sie schreibt mir nur eine ganze Weile später guten Appetit.
Ich antworte aber auch erst nach einer Stunde, nachdem ich mit meiner Mitbewohnerin vom Einkaufen zurück komme. Den Nachmittag über schreiben wir noch ein paar Nachrichten hin und her. Karo besucht ihren Vater in einer medizinischen Reha und wir unterhalten uns über unsere kurzen Blogposts für den Tag.
Abends frage ich wie es ihr geht. Karo schreibt mir dass sie nervös ist, weil sie unter vielen fremden Menschen ist, und fragt wie es mir geht. Ich bin körperlich noch ziemlich fertig und schreib ihr davon. Ein bisschen später schreibe ich ihr, dass ich sie vermisse, und was sie gerade macht. Sie vermisst mich auch, sagt sie, und fragt auch mich was ich mache.
Um halb zehn schicke ich Karo mehrere sehr lange Nachrichten zu der gesundheitlichen Situation einer meiner besten Freundinnen. Ich mache mir große Sorgen um sie, vor allem nach den Nachrichten die ich gerade von dieser Freundin bekommen habe. Zehn Minuten später ruft mich Karo unaufgefordert an und ist offensichtlich gerade vor dem Restaurant, in dem sie mit ihrer Familie und Bekannten ist. Wir reden darüber, über die Angst die ich hab und sie versteht mich, macht Vorschläge und bestärkt mich. Nachdem wir auflegen, schicke ich Karo auch noch einen Screenshot davon, wie die Unterhaltung mit meiner Freundin weitergegangen ist.
Um elf Uhr geht Karo schlafen. Ich auch, etwa eine halbe Stunde später.

Freitag, 20. April
Der Tag heute verläuft ähnlich wie die bereits vergangenen, außer, dass ich wieder richtig fit bin. Ich wache eineinhalb Stunden vor Karo auf, was nicht ungewöhnlich ist. Wir telefonieren fast eine Stunde lang. Über den Tag hinweg folgen wieder regelmäßige bis unregelmäßige Nachrichten zu den Dingen die wir gerade machen und die uns durch den Kopf gehen. Nachmittags reden wir wieder über unsere Blogthemen für heute und weil Karo etwas verzweifelt wirkt, rufe ich sie an. Wir reden darüber was sie schreiben kann und ich bleib als moralische Unterstützung am Telefon während sie tippt. Ich selbst bereite währenddessen einen Salat für ein Treffen am Abend mit meinen Freunden vor.
Abends genieße ich dann meine Zeit mit Freunden und schicke Karo wann immer ich kann kurze Updates dazu. Manchmal antworte ich nur knapp auf ihre Nachrichten, manchmal schicke ich ein Bild.
Karo geht um halb zehn schlafen, was ich erst eine halbe Stunde später sehe und beantworte. ich selbst komme erst spät nach Hause und mache ihr um viertel nach eins eine Sprachnachricht, in der ich ihr noch von meinem Abend erzähle und ihre gute Nacht wünsche.

Kurze Zusammenfassung
Das war's! So sieht unsere Beziehung zurzeit aus.
Manchmal treffen wir uns, so wie am Anfang beschrieben. Manchmal sind angespannte Situationen da, aber immer finden wir einen Weg, die zu klären.
Zurzeit telefonieren wir sehr oft, meistens jeden Tag mindestens einmal. Das war früher schon mal anders. Das ist definitiv aber auch in der Klinikzeit anders, wo Karo die ganze Zeit sehr gestresst und erschöpft ist. Ich mag es sehr, dass wir so oft spontan miteinander telefonieren.
Die meisten unserer Fernbeziehungstage sehen vor allem so aus, dass wir uns über den Tag verteilt mal mehr, mal weniger Nachrichten zu unserem Alltag schicken. Manchmal über tiefergehende Dinge reden (dann aber meistens am Telefon). Manchmal nur lustige Bilder oder Sticker schicken.
Wie man hier ganz gut sieht, finde ich, ist unsere Beziehung sehr ausgeglichen. Hier in dieser Woche hat mich Karo sogar öfter unterstützt als umgekehrt, was zum Teil natürlich damit zusammenhing, dass ich krank war. Aber wir beide sind einfach füreinander da, wenn wir einander brauchen.

Karos Krankheiten, ihre Stimmungen oder Therapien oder Ängste, die sind Teil unserer alltäglichen Gespräche. Sie beeinflussen aber zurzeit unsere Beziehung sehr selten in größerem Ausmaß. Genauso habe ich auch manchmal meine Probleme, die unsere Beziehung ebenfalls beeinflussen.

Wenn bei dir Fragen aufgetreten sind zu unserer Beziehung, würde ich mich total freuen, wenn du mir die in die Kommentare schreibst! Für mich selbst ist unsere Beziehung so etwas normales, das ich oft gar nicht weiß, was genau ich daran hervorheben oder näher beschreiben soll. Aber wenn du etwas wissen möchtest (und mir damit ein tolles Blogpostthema lieferst) - immer raus damit! :)

Dienstag, 28. November 2017

Ein ganz schön liebenswerter Arsch.

Vor einigen Wochen hat mich Karo plötzlich angeschrieben: "Ich war ja schon irgendwie manchmal ein Arsch."
Daraus ist eine Unterhaltung entstanden darüber, wie sie sich früher oft verhalten hat (verhalten musste; in ihren Augen damals und um nicht kaputt zu gehen), und wie wahnsinnig weh mir das oft getan hat.

"Mir kommt es irgendwie so vor als hätte ich dich zeitweise ziemlich ausgenutzt..." hat sie geschrieben, "nur genommen anstatt mal was zu geben, und das ist arschig."

Ich habe mich damals kaum getraut, so was selbst zu fühlen, geschweige denn auch mal auszusprechen. Stattdessen habe ich mir Karos Verhalten immer erklärt. Und das war ja auch richtig so, sie hatte ja immer ihre Gründe und hat das nicht getan, weil sie Spaß dran hatte - für sie war das alles, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen konnte. Das wusste ich auch damals schon. Und deshalb... naja, deshalb hab ich viel ausgehalten und mir eingeredet, dass es gar nicht alles so weh tut, wie es vielleicht getan hat. 

Karo hat diese Unterhaltung angefangen, nachdem sie alte Blogeinträge von mir gelesen hat. Das hab ich dann im Anschluss auch gemacht. Normalerweise mache ich das nie - eben weil es mir sehr schwer fällt zu sehen, wie viel ich weggesteckt habe und wegerklärt, ohne mir selbst die Gefühle zu erlauben, die ich eigentlich hatte. 

Hier zum Beispiel, Dezember 2014, "Nicht Bescheid wissen": 
In anderen Bereichen ist das schwerer. Ein Beispiel ist, dass Karo darüber gebloggt hat, dass sie mit ihrer Therapeutin über ihre Zukunft gesprochen hat, und über das Gespräch am Mittwoch (morgen) mit ihren Eltern.
Ich bin gerade sehr unruhig deswegen. Ihre Zukunft - das geht auch mich etwas an. Ich würde so, so gerne wissen, was sie besprochen haben.
Aber: Ich weiß ja auch, dass Zukunft für Karo ein ganz ganz schwieriges Thema ist. Es macht sie oft fertig, darüber nachzudenken. Und nicht zuletzt weiß ich, auch aus Erfahrung, dass Karo mir sagen wird, wenn es eine wichtige Entwicklung gibt. Diese Gedanken beruhigen mich. Ich weiß, dass ich Karo damit gut tue, wenn ich sie in Ruhe lasse, und dass sie mit mir reden wird, wenn sie 1. so weit ist und 2. der Bedarf da ist, ich also etwas wissen sollte (oder natürlich, sie einfach Lust dazu hat ;) ).

So ging es mir damals häufiger. Karo hat mir manchmal viel erzählt von sich, aber es gab auch sehr sehr oft Phasen und Momente, in denen ich kaum etwas von den wichtigen Dingen in ihrem Leben erfahren habe. Manchmal habe ich dann auf Umwege davon erfahren, zum Beispiel über so einen Blogeintrag. Oder sie hat Dinge nebenbei erwähnt, die mich wahnsinnig beschäftigt haben, ohne mir aber die Gelegenheit zu geben, mit ihr darüber zu sprechen.

Wie man aus dem Beispiel vom Blogeintrag sieht, habe ich vor allem mir zurechtgelegt, warum sie tut, was sie tut. Das war auch sehr wichtig für mich, denke ich, sehr richtig und sinnvoll. Aber nichtsdestotrotz hat es mir wahnsinnig weh getan, mich wütend gemacht und verletzt, und keine dieser Emotionen habe ich mir uneingeschränkt erlaubt. Erst recht keine Wut. Wütend? Ich? Nein, das war ich nie.
(Plot Twist: Ich war es doch. Und dass ich mir das nicht erlaubt habe, hat mir nur noch mehr weh getan.)

Auf dem Blog hier habe ich viel zurückgehalten. Die alten Beiträge zu lesen tut mir weh, weil ich zwischen den Zeilen den Schmerz erkenne, und wie sehr ich mich angestrengt habe, es absolut allen recht zu machen, worüber ich mich dann total vernachlässigt habe.

Ein paar Wochen nach der ersten Unterhaltung hat mich Karo besucht (zu einem unseren monatlichen Wochenendtreffen, die wir nach wie vor haben). Dort haben wir uns dann an einem Abend zusammengesetzt und ich habe ihr alte Briefe gezeigt, die ich an sie geschrieben habe wenn es etwas gab was ich ihr nicht sagen konnte, in der Hoffnung, dass irgendwann einmal ich dran bin, und sie auch meinen Schmerz aushalten kann.

Die Briefe sind alle in einem Buch. Der erste Eintrag ist vom 29. September 2014:
(...) Du brauchst mich zurzeit so sehr. Und seit ein paar Wochen oder Monaten habe ich, glaube ich, irgendwie den Clou raus, wie ich für dich da sein kann. (...) Aber das hat auch seinen Preis. Ich halte viel, viel mehr zurück als früher. Ich dränge dir keine Diskussionen und Gespräche mehr auf, wenn ich es irgendwie vermeiden kann. Aber das heißt eben auch, dass viele meiner Gedanken, Gefühle, Enttäuschungen, Sorgen... dass viel von dem für mich allein bleibt. Und das tut mir so weh und kostet viel Kraft. Ich kämpfe oft mit mir, weil ich das alles mit dir teilen, aber dich auch nicht belasten will. (...) Ich teile dir hier alles mit, wie es mir mit uns, mit unserer Beziehung geht, jeden Tag - zumindest hoffe ich das -, aber es belastet dich nicht und zerstört nicht den liebevollen Umgang momentan zwischen uns, der mich so glücklich macht. Aber wenn du stark genug bist, wenn du gesund bist - dann will ich dich aufholen lassen. Dann will ich dir zeigen, was ich dir jetzt alles nicht sagen kann. (...)"

 Über ein halbes Jahr lang habe ich immer wieder in das Buch geschrieben, wenn es Dinge gab, die ich Karo nicht direkt sagen konnte. Manchmal war ich sehr frustriert. Manchmal war ich sehr wütend - und hab mir das, in diesem Buch, endlich auch einmal erlaubt. Manchmal hat mir alles weh getan und ich war überfordert oder habe mir gewünscht, jemand anderen zu lieben, mit dem es vielleicht leichter wäre. Manchmal gab es auch gute Momente, in denen ich Karo ein bisschen in meine Probleme einweihen konnte und sie für mich da war.

An diesem Wochenende vor drei Wochen haben Karo und ich zusammen all diese Briefe durchgelesen und uns darüber unterhalten. Das war nicht immer leicht, für uns beide nicht, aber mir hat es auch wahnsinnig gut getan. Ich hatte es mir immer gewünscht und immer darauf gehofft, dass Karo eines Tages bereit wäre, mit meinem Schmerz von damals umzugehen. Aber in vielen Momenten habe ich nicht wirklich daran geglaubt.

In letzter Zeit geht es uns aber wahnsinnig gut zusammen, schon seit so vielen Monaten. Und deshalb war jetzt auch mal die Gelegenheit da, alte Wunden aufzugreifen und noch mal anzuschauen.

Wie Karo an dem Wochenende war, und wie wichtig das für mich war, lässt mir auch jetzt noch mal Tränen in die Augen steigen. Durch den direkten Vergleich mit ihrem früheren Verhalten ist mir so deutlich aufgefallen, an was für einem besseren Punkt wir jetzt so langer Zeit sind und wie weit wir uns weiterentwickelt haben - jede für sich, aber auch zusammen als Paar.
Karos ganze Aufmerksamkeit einfach bei mir zu haben und sie ganz für mich da sein zu sehen, in einem Bereich der sie eigentlich so persönlich betrifft und wo sie ja auch große Schuldgefühle haben könnte - das war so heilend. Dass wir so ernsthaft über unsere damaligen Probleme reden konnten und ich so sehr angenommen war. Für all das bin ich unglaublich dankbar.

Und es hat auch wirklich gut getan zu sehen, wie viel Weg wir zurückgelegt haben in den viereinhalb Jahren unserer Beziehung. Zwischen diesen schlimmen Momenten damals und heute liegen wirklich Welten. Auch damals gab es gute Zeiten, natürlich. Aber insgesamt weiß ich auch, dass ich wahnsinnig viel ausgehalten habe.
Und heute ist das einfach anders. Natürlich gibt es nach wie vor Dinge, die mich auch mal belasten. Wir streiten manchmal oder unterhalten uns sehr emotional über etwas, was eine von uns verletzt hat. Aber wir können das halt mittlerweile. Wir wissen beide viel besser, wie wir miteinander und mit uns selbst umgehen können, und deshalb ist unsere Beziehung um so viel gesünder.

Wir haben beide echt so viel zurück gelegt. Ich bin wahnsinnig stolz auf uns. Und ziemlich happy. :)

Samstag, 14. Januar 2017

Besuch in der Klinik


Heute habe ich Karo das zweite Mal in der Klinik besucht. Ich wollte ein bisschen davon erzählen, wie es war und was wir gemacht haben und wie‘s uns so geht. :)

Nach dreieinhalb Jahren Fernbeziehung ist es mittlerweile Normalität, sich nach etwa einem Monat endlich wieder umarmen zu können. Die Aufregung ist nicht mehr da, aber dafür fühlt es sich jetzt wie nach Hause kommen an, selbst wenn es an einem Ort ist, wo keine von uns beiden zuhause ist.
Die erste Umarmung und der erste Kuss sind immer wundervoll. <3

Karo und ich haben uns zuerst unsere Weihnachtsgeschenke gegeben, weil wir an Weihnachten beide bei unseren Familien waren. Sie hat schon seit Wochen ständig erzählt dass sie mir was tolles macht, und sie hat es ständig in der Klinik herumgezeigt und mir gesagt wie süß es alle finden – das war echt gemein! ;) Und heute durfte ich es endlich sehen: Sie hat mir eine Schachtel gebastelt, und, vor allem, ein Buch darüber warum sie mich liebt, total schön personalisiert mit vielen Fotos und Erinnerungen und aaaaaaaaaaaaaaaahhhhhh <3 <3 <3 <3 Ich hab mich unglaublich gefreut, und definitiv fast geweint!!


Ich hab Karo eine Zeitschrift geschenkt und ein Armband, von dem ich das gleiche habe. Sie hat sich total gefreut darüber, was mich echt glücklich gemacht hat. *___*

Dann haben wir zusammen in der Stadt Mittag gegessen und sehr viel geredet. Obwohl wir mehrmals die Woche telefonieren, oft auch zumindest kurz täglich, gibt es doch immer Gespräche, die sich leichter führen lassen wenn man sich gegenüber sitzt und auch wirklich viel Zeit füreinander hat. Karo hat mir viel von ihren Therapien erzählt. Zu hören wie sehr sie an sich arbeitet, wie viel sie lernt und wie wohl sie sich dort fühlt, wie stark die Gefühle sind die so dort erlebt – das hat mir die Tränen in die Augen getrieben. Ich bin so, so unendlich stolz auf sie. Sie ist so reflektiert und stark und mutig, und es gibt kaum jemanden den ich so sehr bewundere wie sie. Was Karo tagtäglich leistet und ganz besonders jetzt in der Klinik ist etwas, wovon sich viele Menschen eine Scheibe abschneiden können.
Dass sie mich so sehr an diesem Prozess teilhaben lässt und mich so so offen in ihr Leben einlädt bedeutet mir echt viel.
Mich beschäftigen zurzeit oft Fragen nach meiner Zukunft, und ich konnte mit ihr unter anderem auch darüber reden. Insbesondere haben wir auch darüber geredet, dass ich nach meinem Master zu ihr ziehen möchte, auch wenn mir diese Entscheidung Angst macht, weil dann die Entfernung zu meiner Familie ziemlich groß sein wird. Es hat mir echt gut getan, mit ihr noch einmal darüber zu sprechen und sie einfach so verständnisvoll an meiner Seite zu haben, und mir Mut zu machen. Ich kann mich bei Karo bedingungslos fallen lassen, und das weiß ich unendlich zu schätzen. <3

Nachmittags haben wir uns mit einer Mitpatientin von Karo getroffen, mit der sie sich sehr gut versteht. Das war echt schön! Sie war auch total lieb und wir hatten eine richtig gute Zeit zusammen.
Auch als wir wieder zurück in der Klinik und auf Station waren hab ich noch einige andere Menschen kennengelernt. Ich find so was total schön! Karo erzählt mir oft von ihnen und mich mal selbst mit ihnen zu unterhalten und Gesichter zu den Namen zu haben ist da echt wertvoll.
Ganz besonders weil sie auch alle echt nett zu sein scheinen und teilweise auch wirklich lustig sind ;) Ich finde das etwas ganz Besonderes, diese Stimmung auf Station mitzubekommen. Alle sind sehr offen miteinander, und soweit ich das sehen konnte, wird sehr respektvoll miteinander umgegangen, weil alle zumindest ungefähr wissen, mit welchen Problemen das Gegenüber zu kämpfen hat. Daraus entsteht auch ein total angenehmer Humor, bei dem es für niemanden ein Problem zu sein scheint, miteinander über die eigenen Schwierigkeiten zu lachen. Ich kann gut verstehen, warum Karo sich mit diesen Menschen und auf Station mittlerweile so wohl fühlt.

Karo grade mal für einige Stunden sehen zu können, das ist schwer. Die Fernbeziehung und die Zeiten zwischen den Besuchen sind wir ja gewohnt, aber wir sind es halt auch gewohnt, dann miteinander kuscheln und ein Wochenende intensiv miteinander verbringen zu können. Nur ein paar Stunden in mehr oder weniger Öffentlichkeit zu haben, das ist schwer, vor allem jetzt, wo ich gerade in der S-Bahn sitze und wieder von ihr weg fahren muss. :(
Aaaaber ich will mich nicht beschweren. Es ist ja auch nur für einige Wochen/Monate so, und danach haben wir wieder Zeit uns miteinander einzuigeln ;)
Und vor allem bin ich auch wirklich sehr dankbar, diese Zeit so intensiv miterleben zu dürfen und hier diesen Teil ihres Lebens sehen zu können! Und, natürlich, sie überhaupt sehen zu können. Händchen haltend in der Stadt rumgehen zu können. Auf Station zu sehen, wie alle wissen, wer ich für sie bin. :) Sie beim Tischtennisspielen in eine Ecke zu ziehen und zu küssen. <3

Jaaaa, ich bin grad emotional. Es war halt schön! Und ich hab sie halt echt ganz, ganz doll lieb! :) Aber um solche Dinge zu lesen seid ihr ja auch hier. Also, gern geschehen ;)

Dienstag, 13. September 2016

Zukunftspläne und die daraus entstehende Frage, ob Wir eine Zukunft haben.

Mein Traum von der Zukunft ist einfach. Ich will eine Frau, die mich liebt und die ich liebe. Ganz ganz vielleicht auch ein Mann, aber das ist schon ziemlich unwahrscheinlich. Ich will Therapeutin sein, irgendwo, wo ich Spaß an der Arbeit habe. Ich will Kinder. Ich will, dass die oft Oma und Opa besuchen können. Ich will nah zuhause leben. Auf dem Land. Ich will meine Familie so oft besuchen können wie ich will. Ich will einen riesigen Garten, ich will Wälder und Ruhe.
Und am Allerliebsten will ich das mit Karo. Wir haben uns in den vergangenen drei Jahren zusammen weiterentwickelt. Wir verstehen uns gut und immer besser. Wir wollen beide das beste füreinander, wir lieben uns. Wir haben gleiche Pläne: Wollen beide Kinder, haben ähnliche Vorstellungen von Erziehung, wollen ein gemütliches Leben an einem schönen Ort. Und wir wollen beide ein Leben zusammen.
Das Problem allerdings ist: Zwischen unseren Heimatorten liegen immer noch 600 km Luftlinie.
Und Karo will, glaube ich, genauso gern zuhause bleiben, wie ich das will.

In den vergangenen Monaten, als mir immer klarer wurde, dass ich gerne meine Zukunft mit Karo aufbauen möchte, hab ich ganz langsam versucht, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass meine neue Familie und meine alte örtlich weiter getrennt sein würden, als ich es mir so sehr wünsche.
Der Ort wo ich momentan studiere, liegt ziemlich mittig zwischen den Orten, wo Karo und ich aufgewachsen sind. 4-5 Stunden Zugfahrt in jede Richtung, dreieinhalb mit dem Auto.
Ich versuche mir vorzustellen, dort zu leben. Dort Kinder zu bekommen.
Drei bis fünf Stunden sind machbar. Da kann man regelmäßig ein Wochenende nach Hause fahren, ich mach das ja auch jetzt ständig, und man gewöhnt sich unglaublich schnell daran. Wenn man das mit Kindern von Anfang an macht, bin ich überzeugt, dass auch die sich daran gewöhnen. Dass es für sie normal ist, jeden Monat oder alle zwei für ein Wochenende so weit zu fahren, um dann Oma und Opa und die Onkel zu sehen. Und in die andere Richtung, zu Karo, natürlich genauso.
Ich bin mittlerweile einigermaßen angekommen bei dieser Vorstellung. Es ist nicht mein Traum, der davon, hier zu wohnen, wo ich aufgewachsen bin. Aber ich kann trotzdem regelmäßig meine Familie sehen, und all die anderen Teile meines Traums verwirklichen. Ich bin bereit, dieses Stück aufzugeben, auch wenn es mich so große Überwindung kostet. Aber ich seh mich glücklich sein in dieser Vorstellung. Ich seh mich zufrieden sein und mit dem Hindernis Entfernung leben können. Deshalb geht es. Deshalb ist es okay.

Gestern habe ich mit Karo darüber gesprochen, wie es mir geht, und dass ich mir nicht vorstellen kann, noch weiter wegzuziehen. Auf Dauer. Für ein Jahr, das würde ich aushalten. Aber länger... Andere mögen das können, aber ich würde eingehen, wenn ich meine Heimat aufgeben muss. Sie ist zu wichtig für mich, zu nah an meinem Herzen.
Ich habe auch darüber gesprochen, wie sehr ich Angst habe, dass es Karo ähnlich geht - dass aber ihre persönliche Obergrenze nicht bei 4-5 Stunden Entfernung von der Heimat liegt, sondern niedriger. Dass sie auch so eingehen würde wie ich, aber dass die Hälfte zwischen unseren Heimatorten schon zu weit für sie wäre.
Die Antworten die Karo mir gegeben hat, lassen mich vermuten, dass das sehr gut möglich ist.

Diese Entscheidung, wo wir zusammen leben möchten falls wir das tun werden, ist jetzt noch nicht nötig. Sie ist auch noch gar nicht möglich. Karo wartet auf einen Klinikaufenthalt (der hoffentlich bald, bald stattfindet), in dessen Anschluss auch Pläne zu ihrer beruflichen Zukunft gemacht werden.
Ich mache noch zwei Jahre lang meinen Master in der Stadt, wo ich jetzt schon drei Jahre lang lebe.
Aber nach der Klinik, spätestens in einem Jahr, da müssen wir darüber reden, was wir dann machen werden. Ob wir uns auf einen Ort einigen können, an dem wir beide glücklich werden.
Oder ob das nicht klappt.
Und wenn wir keinen Ort findet, an dem wir uns beide wohl fühlen, dann müssen wir uns, so weh mir der Gedanke auch tut, trennen.
Ich bin 21, und ich mache mir über meine Zukunft mehr und mehr Gedanken. Ich will zurzeit so gerne Kinder, auch wenn das grad nicht so in den Plan passt und sowieso nicht umsetzbar wäre, aber ich WILL. Ich überlege, was ich nach dem Master mache, wo ich leben will. Ich denke daran, dass ich gerne mit Karo leben würde, für lange, vielleicht für immer.
Aber wenn wir zusammen nicht glücklich werden können, weil das wichtigste fehlt, nämlich der Ort wo wir zusammen glücklich sind, dann hat unsere Beziehung keine Zukunft.

Ich empfinde es als schwierig, eine mögliche Trennung mit Karo so offen zu besprechen. Es fühlt sich an, als ob für sie der Gedanke viel weiter weg ist als für mich, als ob sie seltener unsere Beziehung als nur eine Möglichkeit von vielen betrachtet, und das macht mir Angst. Um mich frei zu fühlen, brauche ich die Möglichkeit, unsere Beziehung immer wieder überdenken zu können. Da brauche ich die Möglichkeit, immer neu zu entscheiden was jeden von uns einzeln am glücklichsten macht, und ob das immer noch wir beide sind, oder ob es getrennt besser ist.
Ich hoffe, dass wir, wenn dieses Gespräch auf uns zu kommt, offen darüber reden werden können. Am liebsten schon vorher. Ich will nicht, dass wir uns im Streit trennen müssten wenn es dazu kommt, ich will eine gemeinsame Entscheidung für oder gegen die Beziehung treffen, weil wir beide wissen, was das beste für uns sein wird.
Es ist schwierig für mich, diese Gespräche im Moment mit Karo nicht führen zu können.
Vielleicht wird das nach der Klinik leichter möglich sein. (Vielleicht sollte ich nicht alle Hoffnung in den Klinikaufenthalt stecken.)

Ich bin gespannt, was auf uns zukommt. Es fühlt sich auch schwer und drückend an und es macht mir Angst, aber ich bin vor allem auch gespannt. Ich bin sicher, dass wir beide glücklich sein werden, dass wir beide zufrieden sein werden und ein gutes Leben führen. Getrennt oder zusammen. Ich hoffe zusammen. Ich bereite mich gedanklich aber auch auf getrennt vor.
Aber es wird okay sein. So viel weiß ich.

Sonntag, 17. April 2016

3. Jahrestag

Heute bin ich drei Jahre mit Karo zusammen.

Einerseits finde ich es unglaublich, dass schon so viel Zeit vergangen ist, obwohl es mir wie gestern vor kommt, und andererseits merke ich aber auch, wie viel sich in den drei Jahren verändert hat und wie weit wir gekommen sind. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir trotz einiger Schwierigkeiten auf unserem Weg immer noch zusammen sind, und das im Moment auch so glücklich.

Ich bin erst 21, Karo ist 20, und für mich ist das hier meine erste Beziehung überhaupt, und auch für Karo ist es die erste langfristige Beziehung. Ich finde es nicht selbstverständlich, dass gleich die erste Beziehung so lange hält. Ich merke auch, wie viel ich in der Zeit überhaupt darüber lernen musste, wie Beziehungen so funktionieren, was mir wichtig ist, wie ich mich verhalte - Sachen, die andere Menschen oft in jüngeren Jahren ausprobieren und häufig ihre Beziehungen wechseln, und ich mit Karo irgendwie alles in einer festen Beziehung gemacht habe.
Noch dazu, in unserem Alter sind 3 Jahre auch ein ganzes Stück.

Wenn ich heute zurückdenke an die Anfangszeit unserer Beziehung, oder auch noch vor einem Jahr - in meinen Augen hat sich total viel verändert. Und das tut es wahrscheinlich immer noch. Anfangs waren wir viel unsicherer miteinander, haben uns schlechter verstanden, und wir wachsen wirklich einfach mehr und mehr zusammen, und werden gleichzeitig auch unabhängiger. Wir kennen und respektieren uns und unsere Bedürfnisse mehr, und gerade durch die Fernbeziehung leben wir auch ständig unabhängigen Alltag und entwickeln uns fort.
Ich finde es toll, dass wir uns miteinander fortentwickeln und die Veränderungen der jeweils anderen mitgehen, und die andere immer miteinbeziehen in die Veränderungen, die wir selbst machen.

Wir sind schon vielen Schwierigkeiten auf unserem Weg begegnet. Wir haben uns schon oft gestritten, haben uns sogar insgesamt drei Mal fast getrennt. Ich glaube, dass es für uns beide sehr schwer war, mit den Erkrankungen von Karo im Kontext einer Beziehung richtig umgehen zu lernen.
Seit einigen Monaten habe ich das Gefühl, dass wir es mittlerweile echt richtig gut drauf haben. Ich bin so froh, dass wir nicht aufgegeben haben, auch wenn wir mal gezweifelt haben. Ich bin mit Karo gerade wahrscheinlich glücklicher als je zuvor und fühle mich unglaublich zuhause bei ihr. Das, was wir meistern müssen, meistern wir zusammen - wir sind tatsächlich einfach ein Team.

Karo mag Borderline haben, Depressionen, Suizidgedanken, Traumata und Ängste. Sie mag sich selbst oft hassen, wertlos fühlen und mir nicht von ganzem Herzen glauben können, wenn ich ihr sage, dass ich sie schön finde. Manchmal bin ich die, die ihr in Krisen versucht beizustehen, die sie nachts im Arm hält wenn sie von einem Albtraum aufgewacht ist oder die im Restaurant für sie bestellt. Manchmal kommt vielleicht ein Streit zustande, weil zu meiner angespannten Stimmung ihre kommt und sie Gefühle auf mich überträgt.
Aber Karo begegnet mir auch immer mit unglaublichem Respekt, tut absolut alles, was sie für mich kann. Sie hält mich im Arm, wenn ich anfange zu weinen weil ich mir zu viele Gedanken über eine banale Alltagssache mache. Sie ist jemand, dem ich vollkommen vertrauen kann und bei der ich zu 100% ich selbst bin. Karo merkt immer, wenn bei mir was nicht stimmt und fragt sofort nach, sie führt tiefsinnige (und schwachsinnige) Gespräche mit mir und will zusammen tolle Dinge unternehmen und schreibt mir romantische Sachen und geht über Grenzen und trägt mich auf Händen.
Ich bin so glücklich, mit ihr erleben zu dürfen was ich in den letzten 3 Jahren erlebt habe, und ich bin unglaublich dankbar für absolut alles was passiert ist. Unsere Beziehung ist absolut gleichberechtigt und in erster Linie einfach eine Beziehung zwischen zwei Menschen, die sich lieben und entschlossen haben, zu versuchen zusammen durchs Leben zu gehen. Und ganz viel einer guten Beziehung besteht für mich darin, dass man sich füreinander entscheidet, immer wieder, und sich füreinander anstrengt und das Leben miteinander lebt, und sich dabei wohl fühlt.

Einen ganz ganz wundervollen Post hat auch Karo geschrieben, und ich persönlich finde ihn viel besser als alles was ich je hätte schreiben können ;)

Mein Schatz,
ich liebe dich so sehr und bin dir so dankbar für diese Zeit und freue mich unglaublich auf alles, was noch vor uns liegt. Du bist ein ganz toller Mensch und ich bin froh, dich meine Freundin nennen zu dürfen.
Ich liebe dich! <3 :***

Sonntag, 13. März 2016

Ein Monat zusammen: Woche 1

Jetzt wohne ich seit einer Woche bei Karo in der Wohnung. Alles in allem ist es total super :)
Wir verbringen ja normalerweise immer ganze Tage beieinander, dadurch dass wir eine Fernbeziehung haben. Wir haben auch schon eine Woche oder etwas länger miteinander verbracht, weil wir z.B. in Urlaub waren oder Karo mit mir im Sommer eine Weile bei meinen Eltern war. Das hier ist aber erstens noch mal um einiges länger, und zweitens ist es Alltag, und hat nicht so dieses Urlaubsfeeling.

Ich arbeite normalerweise von 10-18 Uhr. Letzte Woche hatte ich oft früher frei oder später angefangen, weil noch nicht so viel los war, dadurch hatten wir trotzdem noch viel Zeit zusammen. Am Freitag aber war es zum Beispiel so, dass ich um 10 angefangen hab, und um 18 Uhr der letzte Termin war, so dass ich erst um halb acht zuhause war. Da ist die Zeit, die wir miteinander verbringen, dann doch sehr kurz.
Für einen Moment war ich da recht traurig und angespannt, weil wir eigentlich den ganzen Tag hätten, jetzt aber nur so wenig ... bis ich mir bewusst gemacht hab, dass wir ja eigentlich GAR keine Zeit zusammen hätten, wenn ich nicht hier wohnen würde.

Es gibt irgendwie nicht viel, was ich wirklich erzählen könnte. Ich finde, es läuft alles total gut. Wir reden viel über das was uns wichtig ist, und sagen immer sehr klar was wir möchten. Lassen uns auch mal Zeit für uns selbst, usw. Was Haushaltssachen angeht gab es bisher auch keine Probleme.

Gestern war Karo abends nicht gut drauf. Dass ich diese Stimmungen wirklich miterlebe, anstatt nur über Schreiben oder so davon zu merken, ist eher selten, aber dadurch dass auch hier Karo mir ganz klar gesagt hat, was sie gerade braucht, war das für mich auch okay. Als sie geschlafen hat und ich noch wach war fiel es mir zwar etwas schwerer, davon abzuschalten und mich selbst zu entspannen, aber das finde ich total normal, weil es für mich ja ungewohnt ist, das direkt mitzubekommen. Andererseits konnte ich auch ausnahmsweise tatsächlich mal etwas für Karo tun, und musste mich nicht so hilflos fühlen. :)

Mal von den Problemen oder möglichen Problembereichen abgesehen, genieße ich es soooo sehr, so viel zeit mit Karo zu verbringen. Es ist wunderschön, jeden Morgen neben ihr aufzuwachen und nachts sie neben mir zu wissen und gemeinsam das Abendessen zu planen und sich zu bekochen und anzurufen um zu sagen dass ich in einer halben Stunde zuhause bin und Serien zu schauen und dabei zu kuscheln und uns einfach nah sein zu können, wann immer wir wollen. :) Ich freue mich unglaublich, dass ich hier bin, genieße jeden Moment und freu mich sooo sehr, dass noch drei Wochen vor uns liegen!

Nächste Woche geht's weiter mit dem Bericht :)

Dienstag, 9. Februar 2016

Dinge, die mit der Zeit einfacher werden.

Heute war ich mit einer Freundin unterwegs, die ich bis dahin nur aus dem Internet kannte, und neben sehr viel ge-fangirle über unsere liebsten YouTuber haben wir uns unter anderem auch über unsere jeweiligen Beziehungen unterhalten. Als ich so davon erzählt habe, wie Karo und ich zusammengekommen sind, und an all diese Zeit zurückgedacht habe, habe ich gemerkt wie unglaublich viel sich seit diesem Anfang verändert hat.
Und hier sage ich verändert, im Titel sage ich verbessert - haben sich Dinge verschlechtert? Wenn ich so darüber nachdenke, fällt mir ganz ehrlich nichts an unserer Beziehung ein, das mit der Zeit schlechter geworden wäre.

Also, ich verallgemeinere mal wieder, und erzähle von
Dingen, die mit der Zeit einfacher werden, wenn man mit einer Person mit psychischen Erkrankungen zusammen ist (zumindest für mich).

Freiraum geben.
Jemand, dem das Leben oft zu viel ist, braucht unter Umständen vielleicht öfter mal Zeit für sich und seine Ruhe, als manche andere Personen. Mir fiel es lange Zeit sehr schwer, vor allem wenn ich wusste dass es Karo gerade schlecht ging, ihr dann einfach ihre Ruhe zu lassen. Ganz besonders: Ihr ihre Ruhe zu lassen, ohne mir große Sorgen zu machen und währenddessen mehr oder weniger zu leiden. Und nicht nachzufragen. Und nicht zu warten und zu schauen und zu warten.
Jetzt geht das viel einfacher. Ich zähle nicht mehr die Minuten oder Stunden, und ich lasse nicht tausend Gedanken in meinem Kopf sich einander jagen. Ruhezeiten sind wichtig, und Ruhezeiten sind gut so, genauso wie sie sind. Ich bin jetzt erleichtert, und froh, wenn Karo sich ihre Zeit nur für sich nimmt.

Freiraum nehmen.
Jemanden im Leben zu begleiten, dem das Leben oft zu viel ist, ist auch nicht einfach. Viele Menschen, und auch ich (zumindest früher), neigen vielleicht dazu, ihre eigenen Gefühle dann hintenanzustellen. Man selbst hat es ja allem in allem immer noch viel besser als die andere Person.
Aber mit der Zeit habe ich gelernt, dass ich, um für jemand anderen gut da sein zu können, mir auch selbst Zeit für mich nehmen muss. Dass es okay sein kann, die andere Person mal hintenanzustellen, und sich komplett in sich selbst einzukapseln, oder sich abzulenken. Und auch wenn ich das nicht besonders oft brauche: Es ist sehr sehr gut dass ich das jetzt kann, weil es mir viel Kraft und Ruhe gibt, und dafür sorgt, dass ich gesund bleibe.

Schmerz akzeptieren.
Wenn jemand, den man liebt, leidet, ist das hart. Man möchte, dass es den Menschen die man am liebsten hat, gut geht, und dass sie immer glücklich sind.
Für sich selbst hat man selten so hohe Ansprüche, interessanterweise. Klar hat man selbst auch mal schlechte Stimmung, weint man mal.
Dass der einem liebste Mensch (oder andere liebe Menschen) das auch haben, fällt (zumindest mir) viel schwerer.
Aber es ist so, im Leben von gesunden, und im Leben von kranken Menschen noch viel mehr. Und manchmal weiß ich einfach, dass es Karo gerade richtig beschissen geht, und ich aber alles getan hab was ich tun konnte/könnte, und dann muss ich das so akzeptieren, wie es eben ist.
Und ja, das wird einfacher. Das lernt man. Das habe ich gelernt, zu akzeptieren.

Bedürfnisse kennen.
Das trifft ganz bestimmt auf jede Beziehung zu, ob mit oder ohne psychische Krankheiten. Am Anfang weiß man noch nicht so ganz, was die andere Person in bestimmten Situationen braucht. Was die wichtigen Dinge sind, die man sagen sollte. Wann man etwas sagen, etwas machen soll.
Man lernt sich kennen, und man lernt das.
Ich weiß jetzt oft auch ohne Worte, was Karo gerade braucht. Und sie weiß das von mir.
Und nichtsdestotrotz ist es immer noch wichtig, das nicht vom anderen zu erwarten, sondern auch zu sagen wenn man gerade was braucht, aber, Überraschung: Auch das wird einfacher.

Um etwas bitten.
:) Ja, es wird auch einfacher, um etwas zu bitten. Zu sagen, wenn man etwas bestimmtes wissen will, weil es einem sonst schlecht gut. Zu sagen, wenn man etwas bestimmtes von der anderen Person braucht. Ohne sich schlecht dafür zu fühlen. Sondern in dem Wissen, dass der Partner das gerne macht. Immer. Für einen.

Einander verstehen.
Wie wirr und durcheinander und unklar so manche Sachen am Anfang unserer Beziehung waren, im Gegensatz zu jetzt. Wie viel Streit durch Missverständnisse, Misstrauen entstanden ist. Wie viel Tränen wegen Unverständnis geflossen sind.
Mit jedem Gespräch über Gefühle, das man führt, wird das einfacher. Es wird immer einfacher zu verstehen, was die andere Person fühlt. Was die andere Person denkt. Man lernt zu verstehen, wie der Partner tickt - und es wird wirklich so, so vieles einfacher durch das gegenseitige Verständnis, und den Respekt davor.

Vielleicht gibt es noch mehr Sachen, die einfacher werden, aber die hier gehören für mich auf jeden Fall zu den allerwichtigsten. Und natürlich, nur durch Zeit wird eine Beziehung nicht einfacher. Und Zeit heißt auch nicht, dass es dann keine Probleme mehr geben kann.
Aber ohne Zeit klappt es eben auch nicht. Ein stabiles Grundgerüst aufzubauen, dauert. Und im besten Fall wird dann eben dadurch ... alles einfacher. :)

Sonntag, 17. Januar 2016

Tausend Dinge, die man aneinander mag.

Mit 15 dachte ich, Liebe ist, dass ich nicht aufhören kann an eine Person zu denken. Dass es ein Gefühl ist, das völlig ohne Grund bei einer bestimmten Person auftritt, dass es die Liebe, die man für alle Menschen die man mag empfindet, irgendwie umwandelt und zu einer romantischen Liebe macht, ohne dass es dafür einen bestimmten Grund gibt.
Jetzt bin ich 20 und bin ganz bestimmt nicht am Ende meiner Erkenntnisse was Liebe angeht, aber natürlich fühl ich mich trotzdem viel schlauer als mit 15, so wie das halt immer ist. Bis man wieder älter wird und sich wieder schlauer vorkommt.
Jedenfalls bin ich jetzt 20, und jetzt ist für mich Liebe eine komische Mischung aus Gefühl und Entscheidung füreinander. Ich liebe viele Menschen, Freunde, Familie, Leute von denen ich Fan bin. Ich liebe auch Karo, und irgendwie ist bei ihr alles ein kleines bisschen anders, wenn sie da ist ist mein Fokus nur auf ihr, sie ist immer meine Priorität #1, sie hat auch nach bald drei Jahren noch die Macht mir weiche Knie zu machen. Weiche Knie bekomm ich von meiner Familie jetzt doch eher selten.
Ich weiß nicht genau was es ist, das diesen Unterschied ausmacht, aber vielleicht ist es die Menge an Dingen die man an der anderen Person wirklich gerne mag, und die Art, wie gut man zueinander passt.
Und dann ist es glaub ich auch eine Entscheidung. Die Entscheidung dafür, dass man miteinander sein Leben teilt, und versucht, wirklich gut zueinander zu passen. Dass man nicht nur zufällig alles am anderen mag, sondern auch sich dazu entscheidet, mit dem anderen zu wachsen und aneinander zu lernen und sich Dinge zu erklären und zu verstehen und zu verzeihen.
Wenn ich nicht genügend Dinge an der anderen Person mag, dann werde ich sie nie lieben können, aber wenn ich mich nicht dafür entscheide, mein Leben an ihrs anzupassen, dann wird es genauso wenig funktionieren.

Und jetzt habe ich total viel darüber philosophiert was Liebe für mich ist, und bin an einem ganz anderen Punkt angekommen als an dem Thema, auf das ich eigentlich hinaus wollte.

Der Punkt ist, ich liebe Karo. Ja, es gibt verdammt vieles, was diese Beziehung oft zu einer Herausforderung macht. Aber Karo hat unglaublich viele Dinge an ihr die ich mag, also ist eine Voraussetzung schon mal gegeben. Und wir haben uns gemeinsam entschieden, miteinander unser Leben zu teilen - für so lange, wie wir beide eben glücklich damit sind (bevor jetzt jemand denkt das hier ist die Ankündigung einer Verlobung oder so) -, und uns aneinander anzupassen, und damit ist auch die zweite Grundlage für eine Beziehung da. Und für Liebe.

Ich bin immer noch nicht da, wo ich hin wollte.

Okay. Also. Diese Beziehung ist vielleicht eine, in der ich damit klar kommen muss, dass meine Partnerin manchmal sterben will. Und sie ist eine, wo die Möglichkeiten unserer Treffen manchmal eingeschränkt sind, wegen Karos Ängsten oder Problemen. Und es gibt viele Dinge, die nicht ganz so sind, wie ich mir ursprünglich eine perfekte Beziehung vorgestellt habe.
Aber es gibt diese vielen tausend Dinge die ich an Karo mag, und die Tatsache, dass ich mit ihr Tage verbringen kann ohne dass sie mich nervt, und dass ich sie bewundere, und dann ist da, dass sie mir ohne Anlass manchmal einfach sagt wie dankbar sie mir ist und dass sie mich liebt, und nicht zu vergessen ist der Punkt, dass ich nie daran zweifle, dass es Karo am wichtigsten ist, dass ich glücklich bin. Eine Beziehung, in der man nie daran zweifeln muss, dass der Partner ALLES in seiner Macht stehende tut, um einen glücklich zu machen, ist ein Geschenk. Und es fühlt sich für mich an als wäre ich in einer Dauerumarmung, in der mir nichts passieren kann.

Jetzt bin ich da, wo ich sein will.

Ich erzähle hier sehr viel von den Schwierigkeiten in unserer Beziehung, und das lässt vielleicht manchmal die Frage offen, warum ich mir das ganze "antue". Naja, der Grund ist Liebe. Dass wir tausend Kleinigkeiten haben, die wir aneinander mögen, und dass wir uns dafür entscheiden, miteinander unsere Tage zu teilen, und dass wir gut zueinander passen und uns glücklich machen.
Und vielleicht ist das schwieriger in Worte zu fassen als Ängste die ich habe, und vielleicht mache ich es deshalb seltener.
Aber es ist bestimmt nicht seltener da als Ängste. Ganz bestimmt nicht.

Bevor ich jetzt anfange zu weinen, höre ich mit diesem Post auf, aber merkt euch das einfach. Solange ich mit Karo zusammen bin, habe ich gute Gründe dazu, und diese Gründe werden immer sein, dass ich mit ihr glücklicher bin als ohne sie.
Und wenn ich das hier nicht so oft sage, wie ich Schwierigkeiten erkläre, dann liegt das daran, dass Schwierigkeiten manchmal einfacher zu erklären sind als Liebe, oder vielleicht daran, dass Liebe immer schwierig zu erklären ist.
Ich weiß es auch nicht so genau.

Okay. Das war's jetzt :) LIEBE!

Sonntag, 10. Januar 2016

Ankündigung: Das hier ist eine glückliche Beziehung. ;)

Iiiiich hab das starke Bedürfnis hier noch was positives zu schreiben. Logischerweise geht es hier auf dem Blog sehr viel um Probleme in der Beziehung, oder um Schwierigkeiten - weil das halt mal das Thema ist, das ich mir ausgesucht habe. Ich habe manchmal das Gefühl, dass das aber meine Beziehung nicht gut genug darstellt, weil ich ja glücklich mit Karo bin und es sehr viele positive Dinge gibt.
Ich hab einen Blogpost im Kopf, den ich schon länger schreiben will, an den ich aber deshalb auch hohe Ansprüche habe und weil ich zurzeit krank bin, hab ich jetzt nicht die Konzentration dafür, den wirklich gut zu schreiben. DESHALB ist das hier die offizielle Information dass ich in einer glücklichen Beziehung bin und bald mehr dazu erzählen werde, was denn wirklich gut läuft und schön ist. :)
Das war's.

Freitag, 23. Oktober 2015

Mit Down-Phasen umgehen.

Karo hat, seit wir zusammen sind, immer wieder bessere und schlechtere Phasen in ihrem Leben gehabt. Es gab Momente vor fast zwei Jahren, die schlimmer waren als alles woran ich mich jetzt erinnern kann, es gab Zeiten die im Vergleich sehr sorglos und frei erscheinen, es gibt jetzt Zeiten die sich anfühlen, als würden sie mir alle Luft aus den Lungen schlagen und wiederum Momente, in denen alles besser ist als je zu vor und langfristige Verbesserungen so deutlich sichtbar sind. Es kann mal mehrere Wochen recht entspannt sein, und dann wieder sehr schwierig, für ein Wochenende wieder gut, bis wieder ein "Loch" kommt.
Obwohl ich immer viele Veränderungen sehe, die sich auf lange Sicht schon ergeben haben, und Karo SO viel an sich gearbeitet hat und unglaublich viel erreicht hat, heißt das noch nicht, dass auch ihre Stimmung immer besser ist. Unabhängig davon, wie gut sie vielleicht schon mit vielem umgehen kann, ist die nämlich oft ganz schön beschissen - um es mal deutlich zu sagen.

Es ist unterschiedlich, wie gut ich mit Phasen, in denen es plötzlich wieder sehr schlecht ist, umgehen kann. Verschiedene Dinge spielen da mit rein:
Meine Stimmung. Wenn es mir gerade selbst nicht gut geht, oder ich gestresst bin, dann habe ich größere Schwierigkeiten mit Karo's schlimmen Zeiten umzugehen, als wenn ich sehr entspannt und in mir ruhend bin.
Unsere Kommunikation. Schwierig ist es für mich immer, wenn ich das Gefühl habe, nicht gut Bescheid zu wissen. Wenn wir kaum miteinander reden und wichtige Dinge nicht teilen können. Leichter kann ich mit Downs umgehen, wenn wir offen reden und ich z.B. dann auch gerne Karo ihre Ruhezeiten gebe, wenn ich eben weiß, dass das gerade wichtig ist.
Die Dauer und Häufigkeit. Wenn es sehr lange dauert, dass es Karo sehr schlecht geht, viele Rückschläge kurz nacheinander passieren, oder das letzte Down grade erst vorbei ist, dann merke ich, dass das viel stärker an meinen Nerven zehrt. Ich fühle mich dann richtig erschöpft. Phasen in denen es mal etwas besser ist brauche ich, um für schwierigere Phasen wieder gewappnet zu sein.

Was kann ich aber machen, um gut mit allem umgehen zu können?
Wenn es Karo sehr schlecht geht, muss ich stärker als sonst auf mich achten, mir meiner Gefühle bewusst sein und meine Erfahrungen anwenden.
Wichtig ist für mich, dass ich mich abgrenze. Ich habe in den letzten Jahren und Monaten gelernt, Karos Probleme nicht zu meinen eigenen zu machen. Wenn sie gerade an etwas denkt was sie runterzieht, wenn sie schwere Entscheidungen treffen muss, was auch immer, dann bringt es nichts, wenn ich diese Gedanken auch noch alle denke, und überlege, was sie gerade wohl denken könnte. Ja, so kompliziert bin ich gerne. ;) Karos Probleme sind ihre eigenen, und ich bin immer gerne für sie da wenn sie mich braucht, aber es tut mir nicht gut, wenn ich ungefragt alle Gedanken für sie auch noch mitdenke. Das kann sie schon selbst, und wenn sie mich braucht, sagt sie es mir. Also konzentriere ich mich in solchen Momenten darauf, mich mit den schönen Dingen in meinem Leben zu beschäftigen, mir etwas gutes zu tun, und darauf zu vertrauen, dass Karo mir sagt, wenn sie mich gerade wirklich braucht.
Wichtig ist auch, dass ich es nicht persönlich nehme, wenn Karo weniger mit mir telefoniert, weniger schreibt, sich nicht so darum kümmert was in meinem Leben los ist - wenn weniger Nähe da ist. Ich weiß mittlerweile, dass Karo, wenn es ihr sehr schlecht geht, dazu die Kraft fehlt. Wenn ich nicht aufpasse, kann das alles leicht dazu führen, dass ich frustriert und wütend werde und danach auch handle. Deshalb ist es für mich wichtig, dass ich die Gefühle wahrnehme und nicht wegschiebe, sondern darauf achte was grade los ist, damit ich verstehen kann, warum Karo sich gerade distanziert verhält, und dementsprechend selbst keine so negativen Gefühle entwickle.
Trotzdem ist es aber auch total notwendig, dass ich negative Gefühle zulasse. Wenn ich mich überfordert fühle, dann ist das so. Wenn ich frustriert bin weil im Moment die Beziehung nicht das bietet was ich will, dann ist das auch so. Wenn ich wütend bin, weil Karo auf etwas einfach nicht antwortet, dann ist das genauso gerechtfertigt. Ich habe diese Gefühle, und wenn ich das akzeptiere und zulasse, dann geht es mir selbst damit viel besser, und ich kann wiederum vernünftiger handeln, als wenn ich die Frustration, Wut, Trauer oder Sorge einfach verdränge.
Und dann hab ich auch schon viel darüber gelernt, wie ich in solchen Zeiten am besten kommunizieren kann. Ich konzentriere mich wieder darauf, zu sagen was mir wirklich ist, offen und klar. Frustration bringt mich leicht dazu, bissig zu werden und nicht wirklich zu sagen was ich will. Also achte ich darauf und sage Karo einfach, was mir durch den Kopf geht. Damit leg ich uns keine weiteren Steine in den Weg.

Im großen und ganzen läuft es sich darauf hinaus, dass ich mir dessen bewusst bin, dass es gerade schwierig ist und auch ich deshalb nicht so glücklich bin, aber dass ich vernünftig und rational in meinem Handeln bleibe. Ich achte besonders darauf, mir selbst gut zu tun, weil ich nur so wirklich gut für Karo da sein kann, ohne dass ich mir selbst schade.
Und dass ich nicht durchdrehe, wenn es Karo schlecht geht. Das ist wahrscheinlich das wichtigste, was ich in den vergangenen zwei Jahre gelernt hab: Nicht so schnell wegen allem durchzudrehen. Und ohne Karo wäre ich dort noch lange nicht, wo ich jetzt bin.
So schwer eine solche Beziehung manchmal auch sein mag, es ist eine riesige Chance unglaublich viel für sich zu lernen, und ich bin dankbar für alles was ich gelernt habe und noch lernen werde. Auf meinem Blog kann ich das alles dokumentieren und meine Erkenntnisse für andere und für mich selbst aufschreiben, und das liebe ich. <3
Und da ich jetzt immer mehr vom Thema abkomme, höre ich auf. ;)

Freitag, 28. August 2015

Mir geht's gut. :)

Das hier ist ein Update. :)
Es tut mir Leid, dass ich so lange nichts geschrieben habe. Ich hatte einfach keine Lust, keine Zeit... keinen Kopf.
Puh, was war im letzten Monat? Ich glaube tendenziell war alles ziemlich gut...?
Es war geplant, dass ich Karo Anfang August gesehen hätte, aber da kamen dann ihre Wohnungssachen dazwischen. Das hat sich so gezogen, dass ich dann schon mein Praktikum begonnen hab, bis sie in ihrer Wohnung war, wodurch wir nicht mehr viel Zeit hatten. Trotzdem bin ich letztes Wochenende zu ihr gefahren, was von meinen Eltern aus viel viel weiter ist, doppelt so weit, und deshalb eigentlich zu weit für nur ein Wochenende. Aber wir hatten uns zwei Monate nicht gesehen, und sie hatte ihre neue Wohnung - es musste einfach sein.
Und es hat sich total gelohnt :) Es war ein perfektes Wochenende, auftanken, Zeit miteinander verbringen, entspannen, verliebt sein.
Schön war es auch, weil auch vorher schon länger alles ziemlich entspannt zwischen uns war :) Das heißt, ich konnte mich auch total uneingeschränkt auf das Wochenende freuen.
Es war wirklich super. :)

Insgesamt fällt mir zurzeit ganz stark auf, grade auch durch das Praktikum in einer Beratungsstelle (und damit durch den Umgang mit anderen Menschen mit psychischen Problemen), wie stolz ich auf Karo bin. Es ist bei weitem nicht selbstverständlich, wie sehr sie sich auf Therapien einlässt, ganz zu schweigen davon, wie sie mit ihren Krankheiten überhaupt umgeht. Karo ist so unglaublich stark, reflektiert, mutig, talentiert - ich bin so stolz darauf, wie absolut unglaublich sie die Arbeit an sich selbst meistert.

Ich versuche gerade, an Probleme zu denken. An irgendetwas, was schwierig war oder ist.
Ganz ehrlich, mir fällt im Moment nichts aktuelles ein.

Ich habe schon ein paar Mal Leuten das erklärt, was ich hier jetzt auch schreiben will:
Seit ich Karo kenne, weiß ich, dass es ihr schlecht geht. Seit wir zusammen sind, sind irgendwie immer neue Dinge dazu gekommen. Kaum bin ich mit der Diagnose Depression klargekommen, ganz am Anfang unserer Beziehung, kam etwas neues dazu - Ritzen, zum Beispiel. Und so ging es lange Zeit immer weiter. Karo ging es schlechter, oder es gab irgendeine Veränderung die für mich schwierig zu verarbeiten war, ich war davon überfordert, habe dann gelernt damit umzugehen - bin gewachsen und stärker geworden - und dann ist das nächste gekommen.
Seit ein paar Wochen oder Monaten ist das jetzt nicht mehr so. Seit ich gelernt habe, mit Karos Suizidgedanken umzugehen, ist es eigentlich nicht mehr schlimmer geworden, in meinen Augen. Nicht mehr schlimmer geworden heißt damit auch, dass es eigentlich sogar immer besser wird, weil ich immer besser mit der aktuellen Situation umgehen kann und mal wieder stärker geworden bin.
Nicht mehr schlimmer geworden heißt auch, dass es Karo nicht noch schlechter geht als vor ein paar Monaten (in meiner Wahrnehmung), was mich unglaublich glücklich macht. So sehr ich nämlich mittlerweile auch gelernt habe damit umzugehen, wenn es Karo schlecht geht: Einfach ist es nie, wenn ein geliebter Mensch leidet. Das heißt, auch deshalb geht es mir gerade gut.

Ich bin einfach irgendwie sehr zufrieden mit meinem Leben und meiner Beziehung, ich bin glücklich wie Karo mich behandelt und wie sehr ich mich als Person von ihr angenommen und geliebt fühle, ich bin so stolz auf ihre Persönlichkeit und ihre Fortschritte, ich bin UNFASSBAR stolz auf uns beide, wie wir diese Beziehung schon seit so langer Zeit meistern und uns bisher keine Hindernisse auseinander gebracht haben.
Mir geht es einfach gut. :)
Und ich glaube, so klar war mir das noch nicht mal bewusst, bevor ich das aufgeschrieben habe.

Vielleicht bin ich einfach nur gerade gut drauf, und bald kommt ein Beitrag in einem ganz anderen Licht.
Vielleicht aber auch nicht.
Wir werden sehen - was auch immer passiert, es geht immer irgendwie weiter. :)

Donnerstag, 30. Juli 2015

Goldene Sprenkel.

Hallo... Ja, es gibt mich noch.
Ich habe jetzt sehr lange nicht gebloggt.
Das liegt zum Teil daran, dass das Ende vom Semester war, und ich vier Wochen lang nichts anderes gemacht habe, als von morgens bis abends zu lernen, oder: Nicht zu lernen und ein unglaublich schlechtes Gewissen zu haben und zu versuchen, mich wenigstens effektiv zu entspannen, damit ich danach wieder besser lernen kann.
Ja. War ne schöne Zeit.
Damit hängt auch der andere Grund zusammen, warum ich nicht gebloggt habe.
Durch diesen ganzen Stress war es sehr schwierig für mich, mit all dem, was die Beziehung zwischen mir und Karo gerade ist, oder besser gesagt nicht ist, umzugehen. Ich habe es noch so einigermaßen geschafft, für Karo da zu sein, wenn sie mich gerade aktiv gebraucht hat, oder einige schöne Momente zu haben. Aber ich hatte einfach nicht die Kraft, so viel in die Beziehung zu investieren, wenn gerade so wenig zurückkommt. Ich hatte nicht die Kraft, mich mit unserer Beziehung auseinanderzusetzen. Und damit auch nicht, zu bloggen. Nicht, wenn ich mich gleichzeitig so auf das Studium konzentrieren musste.
Deshalb war aus meiner Sicht unsere Beziehung in den letzten Wochen ... ziemlich auf Sparflamme. Weil weder ich noch Karo die Kraft hatten, mehr für die Beziehung zu tun.
Ehrlich gesagt... hat mir das aber ganz schön weh getan. Wenn ich darüber nachgedacht habe. (Was ich eben die meiste Zeit nicht habe, siehe Sparflamme, siehe keine Kraft.)

Es gibt einfach so viel, was ich mir in einer Beziehung wünsche, was bei uns momentan ... nicht da ist. Oder nicht da war, die letzten Wochen. Es wird wieder besser. Ein bisschen.
Und ich weiß, dass das alles die Umstände sind. Dass Karo nicht mehr kann, genauso, wie ich auch nicht gekonnt habe, in meiner Lernzeit.
Aber oft tut es trotzdem einfach weh. Dass wir zurzeit so, so, so wenig Beziehung haben. Dass wir als Fernbeziehung so schlecht funktionieren. Dass wir so wenig Zeit miteinander verbringen, und so wenig reden. Dass sie mir fehlt, so unendlich sehr, und ich manchmal so wütend bin, obwohl ich es verstehe, und dass ich dann wieder so traurig bin, weil ich es verstehe. Und dass ich mir Sorgen mache und mir Dinge wünsche die nicht in Erfüllung gehen. Es tut einfach weh.
Und ich verstehe es, verdammt, ich verstehe es ja. Viel zu gut.
Sonst würde ich mir das doch alles gar nicht antun.
Aber ich entscheide mich ja für die Beziehung, jeden Tag auf's neue, egal wie sehr ich mir mehr wünsche und wie weh es tut, ich entscheide mich immer wieder dafür. Weil ich so viel Potential sehe. Weil ich so viel sehe, was wir hatten und haben, zwischendurch, und was wir sein können. Was wir sind, wenn alles gut läuft, für uns.
Ich habe mir eins geschworen: Ich werde mir nie, nie, nie erlauben, auf Karo jemals wütend zu sein in dem Sinn, dass ich ihr vorwerfe, sie würde meine Zeit vergeuden oder mir schaden, indem ich mit ihr zusammen bin. Ich erlaube mir, wütend zu sein. Ich erlaube mir enttäuscht zu sein. Ich erlaube mir, traurig, verletzt, frustriert, verzweifelt, verängstigt, besorgt, erschöpft zu sein. Das alles sind Emotionen die ich manchmal habe, und die ich mir zugestehe.
Aber ich werde nie, egal was passiert, Karo die Schuld an dem Schmerz geben, den ich fühle. Ich bin die, die sich dafür entscheidet, die Beziehung zu führen, und zu hoffen, dass es besser wird. Ich bin die, die sich entscheidet, von den kleinen goldenen Momenten zu leben, die momentan das Schwarz mustern. Ich bin die, die sich entscheidet, daran zu glauben, dass die goldenen Momente wieder zunehmen und das Schwarz überstrahlen.
Ich bin die, die sich für Karo entscheidet.
Und deshalb, auch wenn Karo der Grund ist warum es mir nicht gut geht oder ich nicht glücklich mit unserer Beziehung bin, habe ich nie das Gefühl, dass sie Schuld daran trägt. Ich sehe auch bei mir keine "Schuld". Weil es nichts gibt, wofür es sich lohnt, sich schuldig zu fühlen. Weil ich es nicht bereue.

Ich wünschte nur, wir würden uns wieder sehen. Je länger wir uns nicht sehen, umso schwieriger wird es immer. Es ist schon viel zu lange her, so lange, dass ich gar nicht nachrechnen will. Es ging einfach nicht, es gab kein einziges Wochenende, wo es geklappt hätte. Wir werden uns bald sehen. Zum Glück. Hoffentlich. Hoffentlich diesmal wirklich.
Ich brauch wieder mehr Gold in meinem Leben.

Donnerstag, 18. Juni 2015

Vertrauen.

"Das wichtigste in einer Beziehung ist gegenseitiges Vertrauen."
So oder so ähnlich habe ich den Satz schon unzählige Male gelesen oder gehört. Wenn man sich gegenseitig nicht vertraut, wird das als absoluter Beziehungskiller angesehen.
Eine einzige weitere Information kann bei vielen Menschen diese Einstellung aber komplett ändern. Besonders, wenn diese Menschen einmal in einer Beziehung mit einer Person mit Borderline-Störung waren.
Von diesen Menschen höre ich nämlich nicht mehr, dass ich meiner Freundin vertrauen soll. Da höre ich plötzlich das Gegenteil. Menschen schieben mir ihre Ratschläge mitten ins Gesicht und bemitleiden mich, weil ich naiverweise ihre Meinungen nicht teile. Ohne mich, meine Freundin oder meine Situation im geringsten zu kennen - außer der Information, dass meine Freundin Borderline hat - wissen diese Personen hundertprozentig, dass Karo mich manipuliert, durchgängig verarscht, ich ihr aufgrund der Entfernung sowieso nichts glauben kann weil sie ja leichtes Spiel hat, und das alles eben so ist.
Sobald ich mein Vertrauen in Karo rechtfertige, darf ich lesen, dass Karo mich ja total in der Hand hat. Dass ich noch nicht so weit sei, die Wahrheit zu sehen. Dass diese Personen wissen wovon sie reden. Sie haben ja selbst eineinhalb Jahre/7 Jahre/ihr unendlich trauriges Leben lang unter einer Borderline-Person gelitten.
Gelitten, ja.
Sie wollen mich ja nur warnen.
Warnen.
Ich soll da raus, so lange ich noch kann.
Und wenn ich anfange mich aufzuregen, weil ich das nicht wollte, weil ich keine Ratschläge (die auch Schläge sind!) und Manipulierungsaufdeckungen und Warnungen wollte, sondern Verständnis und Empathie und guten Zuspruch und Hoffnung, stellt man fest, dass ich eben noch nicht bereit bin. Und redet dann über meinen Kopf hinweg. "Der Ausbruch der TE zeigt ja klar, wie sehr ihre Partnerin sie in der Hand hat."
KOTZ!
Natürlich, ich kann versuchen zu verstehen. Diese Personen haben schlimme Erfahrungen gemacht. Wer so eine Meinung hat, dem hat seine Beziehung massiv geschadet. Der hat es nötig, sich stark davon abzugrenzen. Der hat gelernt, für sich.
Die Kommentare sind nicht mal böse gemeint, bestimmt. Die Warnungen freundlich.
Aber trotzdem ist das nicht das, was ich brauchen kann. Nicht das, was ich aushalte.
Und nicht das, was akzeptabel ist. Meinungen sind in Ordnung. Aber ein abgeschlossenes Urteil über zwei Menschen und eine Beziehung, von der man - wenn überhaupt! - nur Bruchstücke weiß, geht über diese Grenze weit hinaus.
Ich habe meine Gründe, warum ich Karo vertraue.
Trotz Borderline, oder, wie ich gestern in dieser (Online-)Diskussion geschrieben habe: Vielleicht gerade deswegen.
Zunächst mal: Ich weiß, dass es für Karo nicht leicht ist, mit ihren Gefühlen offen umzugehen. Auch mir gegenüber. Manchmal vielleicht gerade mir gegenüber.
Ich weiß, dass es Situationen gab und wahrscheinlich wieder geben wird, in denen Karo mir nicht gleich etwas gesagt hat, was ich wissen möchte. In denen sie mich sogar angelogen hat.
Zum Beispiel: Am Anfang unserer Beziehung hat sie mich gefragt, was ich vom Rauchen halte. Ich habe meine ablehnende Meinung sehr deutlich gemacht ;) Was ich dann direkt gemerkt habe, war ihre zurückhaltende Antwort, und wie sie auch dann zugegeben hat, raucht sie eben selbst. Das war halt ein Fettnäpfchen meinerseits. Bei näherem Nachfragen hat Karo mir dann erzählt, dass sie nicht so viel raucht, nicht mal täglich. Erst bei einem kürzlichen Gespräch ist mir das zufällig wieder eingefallen, nachdem sie erzählt hat, dass sie schon länger täglich mehr als eine Zigarette raucht.
Das ist jetzt eine Situation, wo Karo mich eben angelogen hat. Aber: Die Sache ist die, dass ich ihre Motive verstehen kann. Für Karo ist es unglaublich schwierig, anderen Menschen zu vertrauen, und ihre Gefühle offen zu zeigen - Teil der Borderline-Störung! Sie hatte Angst vor Ablehnung, als sie ihren Zigarettenkonsum etwas "verschönert" hat, nach meiner stark negativen Reaktion.
Klar wäre es mir lieber, das wäre nicht so. Aber so etwas zu akzeptieren gehört für mich zu dieser Beziehung dazu, und ist in so einem Rahmen auch in Ordnung. Nicht, dass ich es gerne sehe! Aber ich weiß, dass Karo das nur macht, wenn ihr alles sehr unangenehm ist und sie sich nicht anders zu helfen weiß, und wenn sie weiß, dass sie mir damit nicht ernsthaft schadet.
Und gerade mit der Diagnose Borderline ist es doch wichtig, dass ich Karo zeige, dass ich ihr vertraue und sie nicht verurteile, unabhängig davon, welche Gefühle sie mir zeigt. Ihr das nicht zur zeige, sondern das auch fühle.
Warum ich trotz solcher kleinen Lügen, oder Situationen in denen Karo mir für meinen Geschmack deutlich zu spät etwas wichtiges erzählt hat, Karo immer noch vertraue, hat aber auch Grund und Boden: Sie beweist mir immer mal wieder, dass mein Vertrauen gerechtfertigt ist.
Karo hat mir einmal mehrere Wochen lang etwas nicht erzählt, was für mich sehr wichtig zu wissen war. Ich war wütend, dass sie das so lange nicht gesagt hatte, und ich bin auch nicht bereit, so etwas generell zu akzeptieren. Aber was für diese Geschichte hier wichtig ist: Karo hat es mir trotzdem irgendwann gesagt. Ohne dass sie aufgeflogen wäre. Ohne dass sie gemusst hätte. Sondern, weil sie ein schlechtes Gewissen hatte. Weil sie wusste, dass es mir wichtig ist. Trotz ihrer Angst vor meiner Reaktion hat sie mir das nach so langer Zeit noch anvertraut, aus vollkommen eigener Entscheidung. Sie hätte das nicht gemusst. Und meine Reaktion war sicher kein Grund dafür, dass sie das gerne getan hätte.
Solche Situationen gibt es immer wieder. Karo erzählt mir Dinge und redet mit mir über Sachen, die ihr furchtbar unangenehm sind. Aber sie weiß, dass ich sie wissen will.
Der Hauptgrund, warum ich Karo so fest vertraue, ist, was ich an ihren Gefühlen für mich sehe. Ich sehe wie sie sich freut, wenn sie mich glücklich macht. Wenn sie stattdessen das Gefühl hat, dass sie mir mit irgendetwas weh tut, sehe ich, wie ihr das schlechte Gewissen wahrscheinlich fast körperlich weh tut. Sobald es wichtig ist, stellt sie mich vor sich selbst. Uneingeschränkt. Ob sie kann oder nicht.
Darin vertraue ich ihr. Bedingungslos.
Und deshalb weiß ich, dass Karo mir gegenüber immer so weit ehrlich ist, wie es für sie nur irgendwie geht. Weil sie weiß, wie wichtig mir das ist. Und weil sie das für mich macht.
Und... nicht zuletzt spüre ich auch recht oft, wann irgendwo die Wahrheit ein kleines bisschen verzerrt ist oder ich irgendetwas nicht gesagt bekomme, was eigentlich in Karos Kopf vorgeht. ;) Wir kennen uns so gut, dass ich auch zwischen den Zeilen und Worten lesen kann. Ich weise dich nie drauf hin, Karo, wenn ich das Gefühl habe, ich kann es verstehen und auch ohne deine direkten Worte aushalten.
Denn ich weiß, du wirst mir sagen was du mir sagen musst, wenn du es kannst. Und ich weiß, du gehst an deine Grenzen und darüber hinaus, um das zu tun.
Und deshalb vertraue ich dir.
Und das habe ich den ach-so-schlauen Leuten voraus: Ich kenne mich, ich kenne Karo, und ich kenne meine Beziehung. Ich weiß, worüber ich urteile.
Ihr nicht.
Also Klappe.
Nachtrag: Karo selbst hat nun auch über das Thema aus ihrer Sicht gebloggt. Sehr stark und spannend!

Montag, 18. Mai 2015

Das Pendel der Gefühle ausloten (Oder: Der Eintrag mit den meisten Labels ever)

Ich will bloggen, aber es fällt mir schwer.
Ich würde gerne mal wieder über ein bestimmtes Thema bloggen, anstatt "nur" so tagebuchartig, aber ich bin grad nicht inspiriert für ein bestimmtes Thema.
Zurzeit hat auch irgendwie alles zwei Seiten. Ein Gedanke, den ich zu einem Thema habe, ist immer auch von einem anderen begleitet. Ich komme gut klar, aber ich leide. Ich habe das Gefühl, dass ich Karo helfen kann, aber ich fühle mich hilflos. Die Situationen wechseln ständig und ich weiß selten, was mich als nächstes erwartet. Wenn ich bloggen möchte, weil ich grade frustriert bin, halte ich mich davon ab, weil ich weiß, dass das das Gesamtbild nicht widerspiegelt, und ich nicht möchte, dass auf meinem Blog dann der Eindruck entsteht, ich wäre zurzeit mit der Beziehung nicht zufrieden. Wenn ich gerade sehr glücklich mit der Beziehung bin, möchte ich darüber auch nicht bloggen, weil ich weiß, dass auch das nicht die volle Wahrheit ist, und es dann so wirkt, als würde ich nicht leiden oder nicht auf mich achten.
Ich weiß nicht. Es ist einfach viel an Gefühl und Gedanken zurzeit, und... manchmal will ich sehr gerne bloggen, und möchte hier auch aktiver sein, aber oft will ich auch einfach nur mein Leben so leben wie es grade ist, ohne hier irgendwie Fazit über irgendwas zu ziehen, wie ich das in den meisten Artikeln irgendwie mache.
Es ist nichts fest zurzeit. Es gibt keine Klarheiten. Aber ich fand es bisher sehr cool, dass ich über Erkenntnisse, Klarheiten, und so was bloggen konnte.

Naja. Dann blogge ich eben hier die Unklarheiten, die mir zurzeit so durch den Kopf gehen. :)

Karo und ich führen gerade eine gute Beziehung, den Umständen entsprechend. Ich fühle einen starken Zusammenhalt. Ich fühle unsere Liebe zueinander, und dass wir uns füreinander bemühen und uns gegenseitig stützen.
In manchen Momenten aber bin ich frustriert, weil es so wenig von einer normalen Beziehung gerade hat, und es vieles gibt, was ich mir wünsche, und momentan nicht habe.

Ich kann zurzeit eine gute Stütze für Karo sein. Ich kann gut von mir aus Dinge tun, von denen ich denke oder weiß, dass sie ihr helfen werden, und ich kann gut "auf Bereitschaft" sein und reagieren, sobald sie mich um etwas bittet.
Ich bin aber auch ständig angespannt, was ich körperlich und emotional merke. Und ich brauche einen starken Ausgleich und andere Dinge in meinem Leben, die mir wichtig sind.

Wenn Karo mir schreibt, dass es ihr schlecht geht, fühle ich mich hilflos und möchte mehr tun können - sie wenigstens in den Arm nehmen, vielleicht. Manchmal sitze ich minutenlang vor dem Handy und starre auf irgendeine Nachricht von ihr, während ich nachdenke. Dann nichts tun zu können, und ihren Schmerz zu spüren, ist belastend.
Vor allem bin ich aber auch so dankbar dafür, dass Karo mir ihren Schmerz zeigt und mich aktiv um Hilfe bittet, und ich dadurch die Gelegenheit habe, ihr nah zu sein und sie vielleicht zumindest ein bisschen zu erleichtern. Damit nimmt sie die Verantwortung von mir, nach Zeichen für unterdrückten Schmerz zu suchen, und ich fühle mich gebraucht.

Ich bin verzweifelt, weil alles immer schlechter wird. Ich frage mich warum, warum es nicht einfach mal besser wird, und was denn passieren muss, damit Karo glücklich werden kann.
Ich habe aber auch, mehr als in manch anderen Phasen und vielleicht mehr als je zuvor, die Hoffnung, dass es irgendwann einfach besser werden wird, und dass Karo glücklich sein kann.

Ich tue unglaublich viel einfach nur für Karo zurzeit, ohne an meine Bedürfnisse zu denken.
Ich tue unglaublich viel für mich, ohne an Stress und Schmerz zu denken.

Vor ungefähr einem Jahr oder etwas länger war ich mal in einer Beratungsstelle, weil ich damals sehr überfordert von allem war. Aus dem Gespräch mit dem Berater ist mir vor allem eine Sache hängen geblieben: Dass meine Situation wie ein Pendel ist, das hin und her schwingt, und es Zeit braucht, um den Mittelweg auszuloten. Dass da ganz viel Feinarbeit nötig ist und viel Gespür dafür, was gerade wichtig ist.
Ich glaube, im Moment hab ich mein Pendel ganz gut im Griff. Es pendelt nach wie vor, ja, aber ich spüre, wo die Mitte ist, und ich fühle mich trotz allem Hin und Her irgendwie okay und sicher in der Situation. Es ist viel, es verwirrt mich manchmal, aber ich fühle mich, als könnte ich im Moment alles ganz gut bewältigen.

Hach. Das war ne gute Entscheidung, doch zu bloggen, obwohl ich keine Ahnung hatte, worüber. Ist was gutes draus geworden, finde ich. :)