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Dienstag, 28. November 2017

Ein ganz schön liebenswerter Arsch.

Vor einigen Wochen hat mich Karo plötzlich angeschrieben: "Ich war ja schon irgendwie manchmal ein Arsch."
Daraus ist eine Unterhaltung entstanden darüber, wie sie sich früher oft verhalten hat (verhalten musste; in ihren Augen damals und um nicht kaputt zu gehen), und wie wahnsinnig weh mir das oft getan hat.

"Mir kommt es irgendwie so vor als hätte ich dich zeitweise ziemlich ausgenutzt..." hat sie geschrieben, "nur genommen anstatt mal was zu geben, und das ist arschig."

Ich habe mich damals kaum getraut, so was selbst zu fühlen, geschweige denn auch mal auszusprechen. Stattdessen habe ich mir Karos Verhalten immer erklärt. Und das war ja auch richtig so, sie hatte ja immer ihre Gründe und hat das nicht getan, weil sie Spaß dran hatte - für sie war das alles, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen konnte. Das wusste ich auch damals schon. Und deshalb... naja, deshalb hab ich viel ausgehalten und mir eingeredet, dass es gar nicht alles so weh tut, wie es vielleicht getan hat. 

Karo hat diese Unterhaltung angefangen, nachdem sie alte Blogeinträge von mir gelesen hat. Das hab ich dann im Anschluss auch gemacht. Normalerweise mache ich das nie - eben weil es mir sehr schwer fällt zu sehen, wie viel ich weggesteckt habe und wegerklärt, ohne mir selbst die Gefühle zu erlauben, die ich eigentlich hatte. 

Hier zum Beispiel, Dezember 2014, "Nicht Bescheid wissen": 
In anderen Bereichen ist das schwerer. Ein Beispiel ist, dass Karo darüber gebloggt hat, dass sie mit ihrer Therapeutin über ihre Zukunft gesprochen hat, und über das Gespräch am Mittwoch (morgen) mit ihren Eltern.
Ich bin gerade sehr unruhig deswegen. Ihre Zukunft - das geht auch mich etwas an. Ich würde so, so gerne wissen, was sie besprochen haben.
Aber: Ich weiß ja auch, dass Zukunft für Karo ein ganz ganz schwieriges Thema ist. Es macht sie oft fertig, darüber nachzudenken. Und nicht zuletzt weiß ich, auch aus Erfahrung, dass Karo mir sagen wird, wenn es eine wichtige Entwicklung gibt. Diese Gedanken beruhigen mich. Ich weiß, dass ich Karo damit gut tue, wenn ich sie in Ruhe lasse, und dass sie mit mir reden wird, wenn sie 1. so weit ist und 2. der Bedarf da ist, ich also etwas wissen sollte (oder natürlich, sie einfach Lust dazu hat ;) ).

So ging es mir damals häufiger. Karo hat mir manchmal viel erzählt von sich, aber es gab auch sehr sehr oft Phasen und Momente, in denen ich kaum etwas von den wichtigen Dingen in ihrem Leben erfahren habe. Manchmal habe ich dann auf Umwege davon erfahren, zum Beispiel über so einen Blogeintrag. Oder sie hat Dinge nebenbei erwähnt, die mich wahnsinnig beschäftigt haben, ohne mir aber die Gelegenheit zu geben, mit ihr darüber zu sprechen.

Wie man aus dem Beispiel vom Blogeintrag sieht, habe ich vor allem mir zurechtgelegt, warum sie tut, was sie tut. Das war auch sehr wichtig für mich, denke ich, sehr richtig und sinnvoll. Aber nichtsdestotrotz hat es mir wahnsinnig weh getan, mich wütend gemacht und verletzt, und keine dieser Emotionen habe ich mir uneingeschränkt erlaubt. Erst recht keine Wut. Wütend? Ich? Nein, das war ich nie.
(Plot Twist: Ich war es doch. Und dass ich mir das nicht erlaubt habe, hat mir nur noch mehr weh getan.)

Auf dem Blog hier habe ich viel zurückgehalten. Die alten Beiträge zu lesen tut mir weh, weil ich zwischen den Zeilen den Schmerz erkenne, und wie sehr ich mich angestrengt habe, es absolut allen recht zu machen, worüber ich mich dann total vernachlässigt habe.

Ein paar Wochen nach der ersten Unterhaltung hat mich Karo besucht (zu einem unseren monatlichen Wochenendtreffen, die wir nach wie vor haben). Dort haben wir uns dann an einem Abend zusammengesetzt und ich habe ihr alte Briefe gezeigt, die ich an sie geschrieben habe wenn es etwas gab was ich ihr nicht sagen konnte, in der Hoffnung, dass irgendwann einmal ich dran bin, und sie auch meinen Schmerz aushalten kann.

Die Briefe sind alle in einem Buch. Der erste Eintrag ist vom 29. September 2014:
(...) Du brauchst mich zurzeit so sehr. Und seit ein paar Wochen oder Monaten habe ich, glaube ich, irgendwie den Clou raus, wie ich für dich da sein kann. (...) Aber das hat auch seinen Preis. Ich halte viel, viel mehr zurück als früher. Ich dränge dir keine Diskussionen und Gespräche mehr auf, wenn ich es irgendwie vermeiden kann. Aber das heißt eben auch, dass viele meiner Gedanken, Gefühle, Enttäuschungen, Sorgen... dass viel von dem für mich allein bleibt. Und das tut mir so weh und kostet viel Kraft. Ich kämpfe oft mit mir, weil ich das alles mit dir teilen, aber dich auch nicht belasten will. (...) Ich teile dir hier alles mit, wie es mir mit uns, mit unserer Beziehung geht, jeden Tag - zumindest hoffe ich das -, aber es belastet dich nicht und zerstört nicht den liebevollen Umgang momentan zwischen uns, der mich so glücklich macht. Aber wenn du stark genug bist, wenn du gesund bist - dann will ich dich aufholen lassen. Dann will ich dir zeigen, was ich dir jetzt alles nicht sagen kann. (...)"

 Über ein halbes Jahr lang habe ich immer wieder in das Buch geschrieben, wenn es Dinge gab, die ich Karo nicht direkt sagen konnte. Manchmal war ich sehr frustriert. Manchmal war ich sehr wütend - und hab mir das, in diesem Buch, endlich auch einmal erlaubt. Manchmal hat mir alles weh getan und ich war überfordert oder habe mir gewünscht, jemand anderen zu lieben, mit dem es vielleicht leichter wäre. Manchmal gab es auch gute Momente, in denen ich Karo ein bisschen in meine Probleme einweihen konnte und sie für mich da war.

An diesem Wochenende vor drei Wochen haben Karo und ich zusammen all diese Briefe durchgelesen und uns darüber unterhalten. Das war nicht immer leicht, für uns beide nicht, aber mir hat es auch wahnsinnig gut getan. Ich hatte es mir immer gewünscht und immer darauf gehofft, dass Karo eines Tages bereit wäre, mit meinem Schmerz von damals umzugehen. Aber in vielen Momenten habe ich nicht wirklich daran geglaubt.

In letzter Zeit geht es uns aber wahnsinnig gut zusammen, schon seit so vielen Monaten. Und deshalb war jetzt auch mal die Gelegenheit da, alte Wunden aufzugreifen und noch mal anzuschauen.

Wie Karo an dem Wochenende war, und wie wichtig das für mich war, lässt mir auch jetzt noch mal Tränen in die Augen steigen. Durch den direkten Vergleich mit ihrem früheren Verhalten ist mir so deutlich aufgefallen, an was für einem besseren Punkt wir jetzt so langer Zeit sind und wie weit wir uns weiterentwickelt haben - jede für sich, aber auch zusammen als Paar.
Karos ganze Aufmerksamkeit einfach bei mir zu haben und sie ganz für mich da sein zu sehen, in einem Bereich der sie eigentlich so persönlich betrifft und wo sie ja auch große Schuldgefühle haben könnte - das war so heilend. Dass wir so ernsthaft über unsere damaligen Probleme reden konnten und ich so sehr angenommen war. Für all das bin ich unglaublich dankbar.

Und es hat auch wirklich gut getan zu sehen, wie viel Weg wir zurückgelegt haben in den viereinhalb Jahren unserer Beziehung. Zwischen diesen schlimmen Momenten damals und heute liegen wirklich Welten. Auch damals gab es gute Zeiten, natürlich. Aber insgesamt weiß ich auch, dass ich wahnsinnig viel ausgehalten habe.
Und heute ist das einfach anders. Natürlich gibt es nach wie vor Dinge, die mich auch mal belasten. Wir streiten manchmal oder unterhalten uns sehr emotional über etwas, was eine von uns verletzt hat. Aber wir können das halt mittlerweile. Wir wissen beide viel besser, wie wir miteinander und mit uns selbst umgehen können, und deshalb ist unsere Beziehung um so viel gesünder.

Wir haben beide echt so viel zurück gelegt. Ich bin wahnsinnig stolz auf uns. Und ziemlich happy. :)

Montag, 13. Juni 2016

Einfach das richtige tun.

Karo hat heute in einem Blogpost (den ich übrigens sehr empfehlen kann, zum Thema BeHindernisse) etwas dazu geschrieben, wie Nicht-Betroffene oft sehr unpassend mit Menschen mit psychischen Krankheiten umgehen. Sie hat ein paar Dinge genannt, die sie falsch finden würde, und Dinge, die ihr wichtig sind. 

"Seit einfach da für uns, unterstützt uns und drängt uns nicht zu Dingen, die wir vielleicht im Moment nicht können. Ihr könnt trotzdem wie früher normal mit uns umgehen, denn wir sind immer noch die Gleichen."

Einfach normal mit der Person umgehen. Einfach da sein, einfach keine blöden Dinge sagen, einfach unterstützen, einfach nicht drängen.
All das macht Sinn, all das ist richtig und wichtig - aber all das ist nicht unbedingt einfach, wenn man nicht viel mit psychischen Krankheiten zu tun hatte.

Für mich war es nicht einfach zu lernen, das richtige zu machen. Und auch jetzt noch, nach drei Jahren, weiß ich manchmal nicht, wie ich reagieren soll und was ich tun kann/darf/soll, und was nicht. (Das ist auch okay so, Unsicherheiten in sozialen Kontakten werden glaub ich in jeder Situation immer da sein, weil Menschen sich ständig verändern. Aber besser darf es werden. Ist es auch. :) )

Als jemand, der vorher nie eng mit Menschen zu tun hatte, die Depression, soziale Ängste, Trauma, Borderline oder weiteres haben, habe ich oft kaum gewusst, was ich machen sollte.
Wann soll ich nachfragen? Wann darf ich auf weitere Erklärung bohren? Wie erkenne ich, wo ich wirklich Abstand nehmen soll? Warum ist Karo so anders als ich es mir gedacht hätte, als ihr Opa stirbt? Wie oft darf ich ein Thema von mir aus ansprechen? Welche Ausdrücke sind tabu, weil sie weh tun? Welche Fragen sind anmaßend?
Wie fühlt es sich an, nichts mehr zu fühlen? Was genau ist eine Panikattacke? Wann tut körperlicher Schmerz weniger weh als psychischer? Warum sind manche Sachen, die ich sage, etwas, das so viel kaputt macht?
Wann darf ich sagen; tu das nicht? Wie zeige ich meinen Schmerz am besten? Wie viel Schmerz steht mir denn überhaupt zu? Was darf ich für mich verlangen? Was kann ich erwarten? Wie viel darf ich mir erlauben?
Wie um alles in der Welt sage ich "in meiner Brust tut etwas ganz ganz stark weh wenn du sagst wie sehr du dich hasst, aber ich weiß nicht ob ich dir sagen soll dass ich dich liebe oder ob ich dann wie ein Arschloch klinge und ich versteh doch nicht wie sich das anfühlt, aber es tut mir weh und ich hab keine Ahnung was ich sagen soll, aber nichts sagen ist auch keine Option"?
Was sagt man, wenn die Partnerin sich selbst verletzt?
Was tut man, wenn man Angst hat, dass sie stirbt?
Wie paranoid darf man sein?
Wie fragt man "lebst du noch" und meint es ein bisschen ernst?
Wie merkt man, wo man nachhakt, und wo man besser still ist?
Welches "mir geht es gut" stimmt, und welches ist eine sehr zurechtgebogene Wahrheit?
Wann kann ich selbst merken dass etwas nicht okay ist, und wann frage ich?
Wie viel kann man falsch machen, bis es zu viel ist?
Wo steht, was richtig ist?

Mit so viel Schmerz und dunklen Gefühlen eines Menschen umzugehen, den man liebt, das ist nicht leicht.
Man will nichts mehr, als das richtige tun. Etwas besser machen. Gut tun.
Normal umgehen. Das ist leichter gesagt als getan. Wenn man mit Dingen konfrontiert ist, mit Gefühlen die man so nicht kennt, dann weiß man nicht, was normal ist. So tun als ob nichts wäre? Blödsinn, es ist nämlich was. Mit Samthandschuhen anfassen? Dass das nicht richtig ist, ist auch klar. Den goldenen Mittelweg zu finden ist aber gar nicht so leicht. Was ist ehrlich, was man machen will, und was tut man, weil man sich an Hilfsmitteln festklammert? Wenn man nicht mehr weiß was man tun soll, fällt man so leicht in "man soll doch" "man kann doch nicht" "es ist doch wichtig dass" zurück. Alles, was einem einen Hinweis darauf liefert, was richtig ist.
Man will es doch einfach nur richtig machen, und man weiß doch nur nicht wie.

Es ist immer die selbe Leier, ich weiß, aber: Kommunikation ist das, was hilft.
Jeder Mensch ist anders, und jeder weiß nur für sich selbst, was am besten ist.
Am meisten hab ich glaub ich immer dann richtig gemacht, wenn ich ehrlich war und gesagt habe, was ich dachte und fühlte. Immer noch.

Ich habe auch viel falsch gemacht. Tu ich vielleicht immer noch. Auch das gehört dazu.
Durch Fehler lernt man, und ich wage zu behaupten, das habe ich auch getan.

Was ich mittlerweile weiß, ist: Normal mit Karo umgehen, ist, echt ich zu sein. Zu fragen wenn ich fragen will, und zu vertrauen, wenn ich spüre dass ich etwas weiß. Zu sagen, was ich fühle.
Auf die meisten der Fragen, die ich oben gestellt habe, habe ich mittlerweile eine Antwort, oder wenigstens einen Hinweis darauf.
Viele der Fragen sind mittlerweile keine Fragen mehr, sondern Selbstverständlichkeiten.
Manche Fragen tauchen immer noch auf, und manche kommen neu dazu.
Egal mit wem ich mich in meinem Leben auseinandersetze, es werden immer ein paar Unsicherheiten dabei sein, wenn ich mich frage, was ich sagen oder fragen oder tun darf. Und, wie schon gesagt: Das ist auch in Ordnung, das ist normal.

Je unbekannter etwas ist, umso schwieriger ist es, damit umzugehen.
Für mich waren psychische Krankheiten unbekannt, zumindest, sie so nah zu erleben. Für mich war es schwierig, zu lernen, das alles zu verstehen.
Ich glaube ich verstehe es jetzt besser und ich glaube, ich mache jetzt öfter das richtige.

Und ich lerne gerne weiter. :)

~~~

Einträge, die dazu passen:

Freitag, 23. Oktober 2015

Mit Down-Phasen umgehen.

Karo hat, seit wir zusammen sind, immer wieder bessere und schlechtere Phasen in ihrem Leben gehabt. Es gab Momente vor fast zwei Jahren, die schlimmer waren als alles woran ich mich jetzt erinnern kann, es gab Zeiten die im Vergleich sehr sorglos und frei erscheinen, es gibt jetzt Zeiten die sich anfühlen, als würden sie mir alle Luft aus den Lungen schlagen und wiederum Momente, in denen alles besser ist als je zu vor und langfristige Verbesserungen so deutlich sichtbar sind. Es kann mal mehrere Wochen recht entspannt sein, und dann wieder sehr schwierig, für ein Wochenende wieder gut, bis wieder ein "Loch" kommt.
Obwohl ich immer viele Veränderungen sehe, die sich auf lange Sicht schon ergeben haben, und Karo SO viel an sich gearbeitet hat und unglaublich viel erreicht hat, heißt das noch nicht, dass auch ihre Stimmung immer besser ist. Unabhängig davon, wie gut sie vielleicht schon mit vielem umgehen kann, ist die nämlich oft ganz schön beschissen - um es mal deutlich zu sagen.

Es ist unterschiedlich, wie gut ich mit Phasen, in denen es plötzlich wieder sehr schlecht ist, umgehen kann. Verschiedene Dinge spielen da mit rein:
Meine Stimmung. Wenn es mir gerade selbst nicht gut geht, oder ich gestresst bin, dann habe ich größere Schwierigkeiten mit Karo's schlimmen Zeiten umzugehen, als wenn ich sehr entspannt und in mir ruhend bin.
Unsere Kommunikation. Schwierig ist es für mich immer, wenn ich das Gefühl habe, nicht gut Bescheid zu wissen. Wenn wir kaum miteinander reden und wichtige Dinge nicht teilen können. Leichter kann ich mit Downs umgehen, wenn wir offen reden und ich z.B. dann auch gerne Karo ihre Ruhezeiten gebe, wenn ich eben weiß, dass das gerade wichtig ist.
Die Dauer und Häufigkeit. Wenn es sehr lange dauert, dass es Karo sehr schlecht geht, viele Rückschläge kurz nacheinander passieren, oder das letzte Down grade erst vorbei ist, dann merke ich, dass das viel stärker an meinen Nerven zehrt. Ich fühle mich dann richtig erschöpft. Phasen in denen es mal etwas besser ist brauche ich, um für schwierigere Phasen wieder gewappnet zu sein.

Was kann ich aber machen, um gut mit allem umgehen zu können?
Wenn es Karo sehr schlecht geht, muss ich stärker als sonst auf mich achten, mir meiner Gefühle bewusst sein und meine Erfahrungen anwenden.
Wichtig ist für mich, dass ich mich abgrenze. Ich habe in den letzten Jahren und Monaten gelernt, Karos Probleme nicht zu meinen eigenen zu machen. Wenn sie gerade an etwas denkt was sie runterzieht, wenn sie schwere Entscheidungen treffen muss, was auch immer, dann bringt es nichts, wenn ich diese Gedanken auch noch alle denke, und überlege, was sie gerade wohl denken könnte. Ja, so kompliziert bin ich gerne. ;) Karos Probleme sind ihre eigenen, und ich bin immer gerne für sie da wenn sie mich braucht, aber es tut mir nicht gut, wenn ich ungefragt alle Gedanken für sie auch noch mitdenke. Das kann sie schon selbst, und wenn sie mich braucht, sagt sie es mir. Also konzentriere ich mich in solchen Momenten darauf, mich mit den schönen Dingen in meinem Leben zu beschäftigen, mir etwas gutes zu tun, und darauf zu vertrauen, dass Karo mir sagt, wenn sie mich gerade wirklich braucht.
Wichtig ist auch, dass ich es nicht persönlich nehme, wenn Karo weniger mit mir telefoniert, weniger schreibt, sich nicht so darum kümmert was in meinem Leben los ist - wenn weniger Nähe da ist. Ich weiß mittlerweile, dass Karo, wenn es ihr sehr schlecht geht, dazu die Kraft fehlt. Wenn ich nicht aufpasse, kann das alles leicht dazu führen, dass ich frustriert und wütend werde und danach auch handle. Deshalb ist es für mich wichtig, dass ich die Gefühle wahrnehme und nicht wegschiebe, sondern darauf achte was grade los ist, damit ich verstehen kann, warum Karo sich gerade distanziert verhält, und dementsprechend selbst keine so negativen Gefühle entwickle.
Trotzdem ist es aber auch total notwendig, dass ich negative Gefühle zulasse. Wenn ich mich überfordert fühle, dann ist das so. Wenn ich frustriert bin weil im Moment die Beziehung nicht das bietet was ich will, dann ist das auch so. Wenn ich wütend bin, weil Karo auf etwas einfach nicht antwortet, dann ist das genauso gerechtfertigt. Ich habe diese Gefühle, und wenn ich das akzeptiere und zulasse, dann geht es mir selbst damit viel besser, und ich kann wiederum vernünftiger handeln, als wenn ich die Frustration, Wut, Trauer oder Sorge einfach verdränge.
Und dann hab ich auch schon viel darüber gelernt, wie ich in solchen Zeiten am besten kommunizieren kann. Ich konzentriere mich wieder darauf, zu sagen was mir wirklich ist, offen und klar. Frustration bringt mich leicht dazu, bissig zu werden und nicht wirklich zu sagen was ich will. Also achte ich darauf und sage Karo einfach, was mir durch den Kopf geht. Damit leg ich uns keine weiteren Steine in den Weg.

Im großen und ganzen läuft es sich darauf hinaus, dass ich mir dessen bewusst bin, dass es gerade schwierig ist und auch ich deshalb nicht so glücklich bin, aber dass ich vernünftig und rational in meinem Handeln bleibe. Ich achte besonders darauf, mir selbst gut zu tun, weil ich nur so wirklich gut für Karo da sein kann, ohne dass ich mir selbst schade.
Und dass ich nicht durchdrehe, wenn es Karo schlecht geht. Das ist wahrscheinlich das wichtigste, was ich in den vergangenen zwei Jahre gelernt hab: Nicht so schnell wegen allem durchzudrehen. Und ohne Karo wäre ich dort noch lange nicht, wo ich jetzt bin.
So schwer eine solche Beziehung manchmal auch sein mag, es ist eine riesige Chance unglaublich viel für sich zu lernen, und ich bin dankbar für alles was ich gelernt habe und noch lernen werde. Auf meinem Blog kann ich das alles dokumentieren und meine Erkenntnisse für andere und für mich selbst aufschreiben, und das liebe ich. <3
Und da ich jetzt immer mehr vom Thema abkomme, höre ich auf. ;)

Donnerstag, 30. Juli 2015

Goldene Sprenkel.

Hallo... Ja, es gibt mich noch.
Ich habe jetzt sehr lange nicht gebloggt.
Das liegt zum Teil daran, dass das Ende vom Semester war, und ich vier Wochen lang nichts anderes gemacht habe, als von morgens bis abends zu lernen, oder: Nicht zu lernen und ein unglaublich schlechtes Gewissen zu haben und zu versuchen, mich wenigstens effektiv zu entspannen, damit ich danach wieder besser lernen kann.
Ja. War ne schöne Zeit.
Damit hängt auch der andere Grund zusammen, warum ich nicht gebloggt habe.
Durch diesen ganzen Stress war es sehr schwierig für mich, mit all dem, was die Beziehung zwischen mir und Karo gerade ist, oder besser gesagt nicht ist, umzugehen. Ich habe es noch so einigermaßen geschafft, für Karo da zu sein, wenn sie mich gerade aktiv gebraucht hat, oder einige schöne Momente zu haben. Aber ich hatte einfach nicht die Kraft, so viel in die Beziehung zu investieren, wenn gerade so wenig zurückkommt. Ich hatte nicht die Kraft, mich mit unserer Beziehung auseinanderzusetzen. Und damit auch nicht, zu bloggen. Nicht, wenn ich mich gleichzeitig so auf das Studium konzentrieren musste.
Deshalb war aus meiner Sicht unsere Beziehung in den letzten Wochen ... ziemlich auf Sparflamme. Weil weder ich noch Karo die Kraft hatten, mehr für die Beziehung zu tun.
Ehrlich gesagt... hat mir das aber ganz schön weh getan. Wenn ich darüber nachgedacht habe. (Was ich eben die meiste Zeit nicht habe, siehe Sparflamme, siehe keine Kraft.)

Es gibt einfach so viel, was ich mir in einer Beziehung wünsche, was bei uns momentan ... nicht da ist. Oder nicht da war, die letzten Wochen. Es wird wieder besser. Ein bisschen.
Und ich weiß, dass das alles die Umstände sind. Dass Karo nicht mehr kann, genauso, wie ich auch nicht gekonnt habe, in meiner Lernzeit.
Aber oft tut es trotzdem einfach weh. Dass wir zurzeit so, so, so wenig Beziehung haben. Dass wir als Fernbeziehung so schlecht funktionieren. Dass wir so wenig Zeit miteinander verbringen, und so wenig reden. Dass sie mir fehlt, so unendlich sehr, und ich manchmal so wütend bin, obwohl ich es verstehe, und dass ich dann wieder so traurig bin, weil ich es verstehe. Und dass ich mir Sorgen mache und mir Dinge wünsche die nicht in Erfüllung gehen. Es tut einfach weh.
Und ich verstehe es, verdammt, ich verstehe es ja. Viel zu gut.
Sonst würde ich mir das doch alles gar nicht antun.
Aber ich entscheide mich ja für die Beziehung, jeden Tag auf's neue, egal wie sehr ich mir mehr wünsche und wie weh es tut, ich entscheide mich immer wieder dafür. Weil ich so viel Potential sehe. Weil ich so viel sehe, was wir hatten und haben, zwischendurch, und was wir sein können. Was wir sind, wenn alles gut läuft, für uns.
Ich habe mir eins geschworen: Ich werde mir nie, nie, nie erlauben, auf Karo jemals wütend zu sein in dem Sinn, dass ich ihr vorwerfe, sie würde meine Zeit vergeuden oder mir schaden, indem ich mit ihr zusammen bin. Ich erlaube mir, wütend zu sein. Ich erlaube mir enttäuscht zu sein. Ich erlaube mir, traurig, verletzt, frustriert, verzweifelt, verängstigt, besorgt, erschöpft zu sein. Das alles sind Emotionen die ich manchmal habe, und die ich mir zugestehe.
Aber ich werde nie, egal was passiert, Karo die Schuld an dem Schmerz geben, den ich fühle. Ich bin die, die sich dafür entscheidet, die Beziehung zu führen, und zu hoffen, dass es besser wird. Ich bin die, die sich entscheidet, von den kleinen goldenen Momenten zu leben, die momentan das Schwarz mustern. Ich bin die, die sich entscheidet, daran zu glauben, dass die goldenen Momente wieder zunehmen und das Schwarz überstrahlen.
Ich bin die, die sich für Karo entscheidet.
Und deshalb, auch wenn Karo der Grund ist warum es mir nicht gut geht oder ich nicht glücklich mit unserer Beziehung bin, habe ich nie das Gefühl, dass sie Schuld daran trägt. Ich sehe auch bei mir keine "Schuld". Weil es nichts gibt, wofür es sich lohnt, sich schuldig zu fühlen. Weil ich es nicht bereue.

Ich wünschte nur, wir würden uns wieder sehen. Je länger wir uns nicht sehen, umso schwieriger wird es immer. Es ist schon viel zu lange her, so lange, dass ich gar nicht nachrechnen will. Es ging einfach nicht, es gab kein einziges Wochenende, wo es geklappt hätte. Wir werden uns bald sehen. Zum Glück. Hoffentlich. Hoffentlich diesmal wirklich.
Ich brauch wieder mehr Gold in meinem Leben.

Montag, 18. Mai 2015

Das Pendel der Gefühle ausloten (Oder: Der Eintrag mit den meisten Labels ever)

Ich will bloggen, aber es fällt mir schwer.
Ich würde gerne mal wieder über ein bestimmtes Thema bloggen, anstatt "nur" so tagebuchartig, aber ich bin grad nicht inspiriert für ein bestimmtes Thema.
Zurzeit hat auch irgendwie alles zwei Seiten. Ein Gedanke, den ich zu einem Thema habe, ist immer auch von einem anderen begleitet. Ich komme gut klar, aber ich leide. Ich habe das Gefühl, dass ich Karo helfen kann, aber ich fühle mich hilflos. Die Situationen wechseln ständig und ich weiß selten, was mich als nächstes erwartet. Wenn ich bloggen möchte, weil ich grade frustriert bin, halte ich mich davon ab, weil ich weiß, dass das das Gesamtbild nicht widerspiegelt, und ich nicht möchte, dass auf meinem Blog dann der Eindruck entsteht, ich wäre zurzeit mit der Beziehung nicht zufrieden. Wenn ich gerade sehr glücklich mit der Beziehung bin, möchte ich darüber auch nicht bloggen, weil ich weiß, dass auch das nicht die volle Wahrheit ist, und es dann so wirkt, als würde ich nicht leiden oder nicht auf mich achten.
Ich weiß nicht. Es ist einfach viel an Gefühl und Gedanken zurzeit, und... manchmal will ich sehr gerne bloggen, und möchte hier auch aktiver sein, aber oft will ich auch einfach nur mein Leben so leben wie es grade ist, ohne hier irgendwie Fazit über irgendwas zu ziehen, wie ich das in den meisten Artikeln irgendwie mache.
Es ist nichts fest zurzeit. Es gibt keine Klarheiten. Aber ich fand es bisher sehr cool, dass ich über Erkenntnisse, Klarheiten, und so was bloggen konnte.

Naja. Dann blogge ich eben hier die Unklarheiten, die mir zurzeit so durch den Kopf gehen. :)

Karo und ich führen gerade eine gute Beziehung, den Umständen entsprechend. Ich fühle einen starken Zusammenhalt. Ich fühle unsere Liebe zueinander, und dass wir uns füreinander bemühen und uns gegenseitig stützen.
In manchen Momenten aber bin ich frustriert, weil es so wenig von einer normalen Beziehung gerade hat, und es vieles gibt, was ich mir wünsche, und momentan nicht habe.

Ich kann zurzeit eine gute Stütze für Karo sein. Ich kann gut von mir aus Dinge tun, von denen ich denke oder weiß, dass sie ihr helfen werden, und ich kann gut "auf Bereitschaft" sein und reagieren, sobald sie mich um etwas bittet.
Ich bin aber auch ständig angespannt, was ich körperlich und emotional merke. Und ich brauche einen starken Ausgleich und andere Dinge in meinem Leben, die mir wichtig sind.

Wenn Karo mir schreibt, dass es ihr schlecht geht, fühle ich mich hilflos und möchte mehr tun können - sie wenigstens in den Arm nehmen, vielleicht. Manchmal sitze ich minutenlang vor dem Handy und starre auf irgendeine Nachricht von ihr, während ich nachdenke. Dann nichts tun zu können, und ihren Schmerz zu spüren, ist belastend.
Vor allem bin ich aber auch so dankbar dafür, dass Karo mir ihren Schmerz zeigt und mich aktiv um Hilfe bittet, und ich dadurch die Gelegenheit habe, ihr nah zu sein und sie vielleicht zumindest ein bisschen zu erleichtern. Damit nimmt sie die Verantwortung von mir, nach Zeichen für unterdrückten Schmerz zu suchen, und ich fühle mich gebraucht.

Ich bin verzweifelt, weil alles immer schlechter wird. Ich frage mich warum, warum es nicht einfach mal besser wird, und was denn passieren muss, damit Karo glücklich werden kann.
Ich habe aber auch, mehr als in manch anderen Phasen und vielleicht mehr als je zuvor, die Hoffnung, dass es irgendwann einfach besser werden wird, und dass Karo glücklich sein kann.

Ich tue unglaublich viel einfach nur für Karo zurzeit, ohne an meine Bedürfnisse zu denken.
Ich tue unglaublich viel für mich, ohne an Stress und Schmerz zu denken.

Vor ungefähr einem Jahr oder etwas länger war ich mal in einer Beratungsstelle, weil ich damals sehr überfordert von allem war. Aus dem Gespräch mit dem Berater ist mir vor allem eine Sache hängen geblieben: Dass meine Situation wie ein Pendel ist, das hin und her schwingt, und es Zeit braucht, um den Mittelweg auszuloten. Dass da ganz viel Feinarbeit nötig ist und viel Gespür dafür, was gerade wichtig ist.
Ich glaube, im Moment hab ich mein Pendel ganz gut im Griff. Es pendelt nach wie vor, ja, aber ich spüre, wo die Mitte ist, und ich fühle mich trotz allem Hin und Her irgendwie okay und sicher in der Situation. Es ist viel, es verwirrt mich manchmal, aber ich fühle mich, als könnte ich im Moment alles ganz gut bewältigen.

Hach. Das war ne gute Entscheidung, doch zu bloggen, obwohl ich keine Ahnung hatte, worüber. Ist was gutes draus geworden, finde ich. :)

Donnerstag, 7. Mai 2015

Viel zustande bringen.

Seit Karo bei mir war, ist zwischen uns als Paar wieder alles total gut. Um so vieles besser als davor manchmal. Wir sind uns, so hab ich das Gefühl, wieder viel näher, reden viel offener und mit mehr Leichtigkeit über alles, telefonieren oft ... das ist alles gut.
Karo war sogar letztes Wochenende auch noch mal hier, wir waren in einem Musical, was auch total schön war.

Aber... Karo geht es total schlecht. So schlecht, dass ich Angst um sie habe.
Zurzeit bin ich permanent angespannt. Ich merke das manchmal, wenn mir auffällt, dass mein Kiefer zusammengepresst ist. Oder, wenn ich innerhalb einer Stunde im Nacken total verspannt werde. Oder wie mir die Zahnpastatube nicht umfällt (was typisch für mich wäre), weil ich alles langsam und kontrolliert mache.
Ich verbringe zurzeit viele Stunden am Tag damit, etwas zu machen, was für Außenstehende "Nichts" wäre. Ich lese. Ich höre Podcasts oder Musik. Vor allem schaue ich sehr, sehr viel YouTube.
Ich verbringe Stunden vorm Laptop (und anderen - zugegeben seltenen - Tagen gar nichts, weil ich nur lese). Und obwohl ich so lange davor sitze, antworte ich nicht auf wichtigste E-Mails. Arbeite ich nicht für die Uni - oder nur so viel und nur dann, wie es nötig ist.
Andere Leute halten das vielleicht für faul. Würden sagen, dass ich nichts zustande bekomme.
Die Wahrheit ist aber, dass ich täglich eine ganze Menge zustande bekomme. Emotional.
Würde ich nicht täglich so viel entspannen, wie ich zurzeit tue ... dann könnte ich einfach nicht mehr. Ich kümmere mich um Karo, um die Uni, und um mich. Ohne Reihenfolge. Naja, doch, die Uni kommt vielleicht doch noch hinten ran.
Und deshalb höre ich jetzt auch auf zu bloggen, und tu noch ein bisschen was für mich, bevor ich zur Uni fahre und dort Leistung bringe.
Um Kraft zu haben für den Tag.