Freitag, 10. Juli 2015

Streiten.

Streiten. Ein Thema, das ich in unserer Beziehung für eins der schwierigeren halte.

Eigentlich habe ich kein so großes Problem mit Streit. Ich hab mich immer mit meinen Eltern gestritten, mit meinem Bruder... und trotzdem lieben wir uns.
Ein Streit bedeutet für mich, aufgestaute Gefühle und Stress rauszulassen.
Das kann ganz einfach mal befreiend sein.
Ja, eigentlich ist es besser, so was auch ohne Angriffe und laute Worte rauszulassen. Konstruktiv darüber zu reden. Und oft ist das auch möglich, aber manchmal auch nicht, aus welchen Gründen auch immer, und dann finde ich es notwendig, das trotzdem irgendwann einfach mal zu sagen, auch wenn es über einen Streit ist.
Der Streit muss nicht mal was mit der anderen Person zu tun haben, vielleicht hat es viel mehr zu tun mit einem selbst, und wie man sich gerade fühlt.
Nach einem Streit ist man verletzt und wütend und traurig, aber hat sich auch geöffnet und mal nicht zurückgehalten und kann vernünftig über alles reden. Man kann sich erklären, Vorwürfe zurücknehmen, sich kritisch selbst betrachten und Dinge einsehen, oder ernsthafte Probleme konstruktiv mit dem anderen besprechen, um etwas ändern zu können.
Und man kann sich versöhnen.

Mit Karo, da macht mir ein Streit viel mehr Angst. Schon zwei mal ist ein Streit, der eigentlich nicht schlimm war, so eskaliert, dass er beinahe in einer Trennung geendet hätte (einmal hier und ein weiteres mal, über das ich anscheinend hier nicht geschrieben habe - ich glaube, es war irgendwann im Frühling diesen Jahres?).
Ich möchte hier nicht allzu viel interpretieren, aber: Ich glaube, Karo fällt es sehr schwer, in so einer Situation den Streit in eine größere Perspektive zu stellen.
Für mich ist es einfach nur ein Streit. Wie gesagt: Dampf ablassen, aussprechen, versöhnen.
Für Karo ist es, glaube ich, viel mehr. Das Gefühl, dass ich sie nicht mehr mag. Das Gefühl, dass sie mich nicht mehr mag. Das Gefühl, dass sich mit so negativen Emotionen nichts mehr wieder gut machen lässt.
Das ist auch eine Borderline-Sache, glaube ich. Alles schwarz und weiß zu sehen. Angst haben, in die Liebe von jemandem zu vertrauen, wenn der gerade böse Sachen sagt. Mit diesen ambivalenten Gefühlen schwer umgehen zu können.

Nach einem Streit möchte ich meistens alles aussprechen. Karo möchte alles vergessen. Dadurch wird die Nach-Streit-Phase noch zu einem weiteren Minenfeld, wo ich immer merke, wie wir ganz vorsichtig umeinander tänzeln, um nicht noch einen zweiten, womöglich noch größeren Streit loszutreten.
Mir ist durchaus bewusst, dass ich eine Person bin, die um so vieles offener über ihre Gefühle spricht und sprechen möchte, als viele andere Menschen. Ich weiß auch, dass ich dadurch Erwartungen an offene Gespräche habe, die die anderer Menschen meistens übersteigen.
Karo ist eben in diesem Punkt... normaler, als ich. Eigentlich auch ziemlich offen - wir haben früh über so vieles geredet, auch was unsere Beziehung angeht - aber in einigen Bereichen eben deutlich weniger als ich. (Ich bin halt extrem. ;))
Deshalb geraten wir dabei so oft in Probleme. Das "drüber-reden-nicht-drüber-reden"-Thema ist glaub ich eines, was viele Streits auslöst, und die Streits selbst und die Versöhnung dann auch noch mal schwieriger machen.
Irgendwie kriegen wir es aber dann doch immer wieder hin. Mal mit mehr drüber reden, mal mit weniger.

Wir haben lange nicht mehr richtig gestritten, bevor es vor ein paar Tagen doch mal wieder dazu gekommen ist. Es war nicht schön ... aber wir haben uns noch vorm Schlafengehen so halb versöhnt, und am nächsten Tag noch einigermaßen ausführlich darüber gesprochen. Mehr als ich erwartet hätte, was mich sehr positiv überrascht hat.

Durch die Fernbeziehung haben wir uns auch noch nie "in echt" gestritten. Ich bin ehrlich gesagt ziemlich gespannt, wie das dann wird, wenn es das erste Mal passiert. Schlimmer, weil's persönlicher ist? Besser, weil man Mimik, Tonfall etc. hat? Schlimmer, weil man direkt sieht wenn die andere weg geht oder ähnliches? Besser, weil man sich auch mit Blicken und Gesten und Umarmungen versöhnen kann, anstatt direkt die richtigen Worte finden zu müssen?
Ich hab so das Gefühl, dass es kürzer und heftiger wird, aber auch mit schnellerer und einfacherer Versöhnung.
Wir werden sehen. ;)

Ich weiß nicht genau was dieser Post jetzt ist - hab ich darüber geschrieben, dass Karo wegen Borderline Probleme hat mit Streiten? Oder einfach so? Oder darüber, dass ich zu viel über alles reden will? Einfach über Streitverhalten in unserer Beziehung an sich? Ich weiiiiß es auch nicht, über alles ein bisschen. :)

Beenden will ich das ganze mit einem wundervollen Lied, dessen Thema tatsächlich das Streiten in einer Beziehung ist.

 Now we're staring at the ceiling
You're so pretty when you're mad
All that I can hear is breathing, oh, oh
And we're stuck inside the silence
In a cold, cold war
We're too proud to say we're sorry, oh, oh

Right now it feels like we're bleeding
So deep that we might not get back up
Our words they tear through the surface
Like a paper, like a paper cut
Right now I don't know why I love you
But by the morning when we wake up
I'll reach for you and remember
It was just a paper, just a paper cut

I find refuge in the distance
Even when we're breaking down
Can we pause it just for one kiss? Oh, oh
Cause I never meant to hurt you
And I know you feel the same
Still the only one I run to, oh, oh

Right now it feels like we're bleeding
So deep that we might not get back up
Our words they tear through the surface
Like a paper, like a papercut
Right now I don't know why I love you
But by the morning when we wake up
I'll reach for you and remember
It was just a paper, just a papercut

Donnerstag, 18. Juni 2015

Vertrauen.

"Das wichtigste in einer Beziehung ist gegenseitiges Vertrauen."
So oder so ähnlich habe ich den Satz schon unzählige Male gelesen oder gehört. Wenn man sich gegenseitig nicht vertraut, wird das als absoluter Beziehungskiller angesehen.
Eine einzige weitere Information kann bei vielen Menschen diese Einstellung aber komplett ändern. Besonders, wenn diese Menschen einmal in einer Beziehung mit einer Person mit Borderline-Störung waren.
Von diesen Menschen höre ich nämlich nicht mehr, dass ich meiner Freundin vertrauen soll. Da höre ich plötzlich das Gegenteil. Menschen schieben mir ihre Ratschläge mitten ins Gesicht und bemitleiden mich, weil ich naiverweise ihre Meinungen nicht teile. Ohne mich, meine Freundin oder meine Situation im geringsten zu kennen - außer der Information, dass meine Freundin Borderline hat - wissen diese Personen hundertprozentig, dass Karo mich manipuliert, durchgängig verarscht, ich ihr aufgrund der Entfernung sowieso nichts glauben kann weil sie ja leichtes Spiel hat, und das alles eben so ist.
Sobald ich mein Vertrauen in Karo rechtfertige, darf ich lesen, dass Karo mich ja total in der Hand hat. Dass ich noch nicht so weit sei, die Wahrheit zu sehen. Dass diese Personen wissen wovon sie reden. Sie haben ja selbst eineinhalb Jahre/7 Jahre/ihr unendlich trauriges Leben lang unter einer Borderline-Person gelitten.
Gelitten, ja.
Sie wollen mich ja nur warnen.
Warnen.
Ich soll da raus, so lange ich noch kann.
Und wenn ich anfange mich aufzuregen, weil ich das nicht wollte, weil ich keine Ratschläge (die auch Schläge sind!) und Manipulierungsaufdeckungen und Warnungen wollte, sondern Verständnis und Empathie und guten Zuspruch und Hoffnung, stellt man fest, dass ich eben noch nicht bereit bin. Und redet dann über meinen Kopf hinweg. "Der Ausbruch der TE zeigt ja klar, wie sehr ihre Partnerin sie in der Hand hat."
KOTZ!
Natürlich, ich kann versuchen zu verstehen. Diese Personen haben schlimme Erfahrungen gemacht. Wer so eine Meinung hat, dem hat seine Beziehung massiv geschadet. Der hat es nötig, sich stark davon abzugrenzen. Der hat gelernt, für sich.
Die Kommentare sind nicht mal böse gemeint, bestimmt. Die Warnungen freundlich.
Aber trotzdem ist das nicht das, was ich brauchen kann. Nicht das, was ich aushalte.
Und nicht das, was akzeptabel ist. Meinungen sind in Ordnung. Aber ein abgeschlossenes Urteil über zwei Menschen und eine Beziehung, von der man - wenn überhaupt! - nur Bruchstücke weiß, geht über diese Grenze weit hinaus.
Ich habe meine Gründe, warum ich Karo vertraue.
Trotz Borderline, oder, wie ich gestern in dieser (Online-)Diskussion geschrieben habe: Vielleicht gerade deswegen.
Zunächst mal: Ich weiß, dass es für Karo nicht leicht ist, mit ihren Gefühlen offen umzugehen. Auch mir gegenüber. Manchmal vielleicht gerade mir gegenüber.
Ich weiß, dass es Situationen gab und wahrscheinlich wieder geben wird, in denen Karo mir nicht gleich etwas gesagt hat, was ich wissen möchte. In denen sie mich sogar angelogen hat.
Zum Beispiel: Am Anfang unserer Beziehung hat sie mich gefragt, was ich vom Rauchen halte. Ich habe meine ablehnende Meinung sehr deutlich gemacht ;) Was ich dann direkt gemerkt habe, war ihre zurückhaltende Antwort, und wie sie auch dann zugegeben hat, raucht sie eben selbst. Das war halt ein Fettnäpfchen meinerseits. Bei näherem Nachfragen hat Karo mir dann erzählt, dass sie nicht so viel raucht, nicht mal täglich. Erst bei einem kürzlichen Gespräch ist mir das zufällig wieder eingefallen, nachdem sie erzählt hat, dass sie schon länger täglich mehr als eine Zigarette raucht.
Das ist jetzt eine Situation, wo Karo mich eben angelogen hat. Aber: Die Sache ist die, dass ich ihre Motive verstehen kann. Für Karo ist es unglaublich schwierig, anderen Menschen zu vertrauen, und ihre Gefühle offen zu zeigen - Teil der Borderline-Störung! Sie hatte Angst vor Ablehnung, als sie ihren Zigarettenkonsum etwas "verschönert" hat, nach meiner stark negativen Reaktion.
Klar wäre es mir lieber, das wäre nicht so. Aber so etwas zu akzeptieren gehört für mich zu dieser Beziehung dazu, und ist in so einem Rahmen auch in Ordnung. Nicht, dass ich es gerne sehe! Aber ich weiß, dass Karo das nur macht, wenn ihr alles sehr unangenehm ist und sie sich nicht anders zu helfen weiß, und wenn sie weiß, dass sie mir damit nicht ernsthaft schadet.
Und gerade mit der Diagnose Borderline ist es doch wichtig, dass ich Karo zeige, dass ich ihr vertraue und sie nicht verurteile, unabhängig davon, welche Gefühle sie mir zeigt. Ihr das nicht zur zeige, sondern das auch fühle.
Warum ich trotz solcher kleinen Lügen, oder Situationen in denen Karo mir für meinen Geschmack deutlich zu spät etwas wichtiges erzählt hat, Karo immer noch vertraue, hat aber auch Grund und Boden: Sie beweist mir immer mal wieder, dass mein Vertrauen gerechtfertigt ist.
Karo hat mir einmal mehrere Wochen lang etwas nicht erzählt, was für mich sehr wichtig zu wissen war. Ich war wütend, dass sie das so lange nicht gesagt hatte, und ich bin auch nicht bereit, so etwas generell zu akzeptieren. Aber was für diese Geschichte hier wichtig ist: Karo hat es mir trotzdem irgendwann gesagt. Ohne dass sie aufgeflogen wäre. Ohne dass sie gemusst hätte. Sondern, weil sie ein schlechtes Gewissen hatte. Weil sie wusste, dass es mir wichtig ist. Trotz ihrer Angst vor meiner Reaktion hat sie mir das nach so langer Zeit noch anvertraut, aus vollkommen eigener Entscheidung. Sie hätte das nicht gemusst. Und meine Reaktion war sicher kein Grund dafür, dass sie das gerne getan hätte.
Solche Situationen gibt es immer wieder. Karo erzählt mir Dinge und redet mit mir über Sachen, die ihr furchtbar unangenehm sind. Aber sie weiß, dass ich sie wissen will.
Der Hauptgrund, warum ich Karo so fest vertraue, ist, was ich an ihren Gefühlen für mich sehe. Ich sehe wie sie sich freut, wenn sie mich glücklich macht. Wenn sie stattdessen das Gefühl hat, dass sie mir mit irgendetwas weh tut, sehe ich, wie ihr das schlechte Gewissen wahrscheinlich fast körperlich weh tut. Sobald es wichtig ist, stellt sie mich vor sich selbst. Uneingeschränkt. Ob sie kann oder nicht.
Darin vertraue ich ihr. Bedingungslos.
Und deshalb weiß ich, dass Karo mir gegenüber immer so weit ehrlich ist, wie es für sie nur irgendwie geht. Weil sie weiß, wie wichtig mir das ist. Und weil sie das für mich macht.
Und... nicht zuletzt spüre ich auch recht oft, wann irgendwo die Wahrheit ein kleines bisschen verzerrt ist oder ich irgendetwas nicht gesagt bekomme, was eigentlich in Karos Kopf vorgeht. ;) Wir kennen uns so gut, dass ich auch zwischen den Zeilen und Worten lesen kann. Ich weise dich nie drauf hin, Karo, wenn ich das Gefühl habe, ich kann es verstehen und auch ohne deine direkten Worte aushalten.
Denn ich weiß, du wirst mir sagen was du mir sagen musst, wenn du es kannst. Und ich weiß, du gehst an deine Grenzen und darüber hinaus, um das zu tun.
Und deshalb vertraue ich dir.
Und das habe ich den ach-so-schlauen Leuten voraus: Ich kenne mich, ich kenne Karo, und ich kenne meine Beziehung. Ich weiß, worüber ich urteile.
Ihr nicht.
Also Klappe.
Nachtrag: Karo selbst hat nun auch über das Thema aus ihrer Sicht gebloggt. Sehr stark und spannend!

Samstag, 13. Juni 2015

Mini-Update. :)

Ich habe das Gefühl, ich sollte mich mal ganz kurz melden. Für die Leute, die meinen Blog regelmäßig verfolgen.
Mir geht es gut. Ich fühle mich sehr wohl in der Beziehung mit Karo grade. Letztes Wochenende haben wir zusammen verbracht, von Donnerstag bis Montag, und es war eins der schönsten Treffen überhaupt. Karo hat auch darüber gebloggt. :) Es gibt viele Gründe (zwischen uns), die mich glücklich machen, grade.
Mit Karos Situation ist noch nichts leichter, nein. Also das ist natürlich nach wie vor nicht einfach. Aber für uns als Paar ist grad alles sehr gut, für mich jedenfalls, und ich denke nicht dass ich mich zu weit aus dem Fenster lehne wenn ich sage, für Karo auch. :)

Aber ich hab zurzeit weder richtig Zeit noch Lust zu bloggen. Und ich hatte nie vor zu bloggen, nur weil ich muss. Also warte ich darauf, dass ich mal wieder wirklich Lust habe. Kommt bestimmt wieder, und so lang wird es auch nicht dauern. Nur halt noch nicht gleich.
Bis dann!

Donnerstag, 28. Mai 2015

Dampf ablassen.

In einer Beziehung ist es wichtig für mich, dass ich sagen kann, was mir durch den Kopf geht.
Ich will sagen können wie ich mich fühle, was mir wichtig ist, was mir Angst macht. Was mich stört und was ich toll fühle.
Egal in welcher Beziehung, sei es meine Beziehung mit Karo, oder Beziehungen mit Freunden oder Familie, ist das nicht immer hundertprozentig möglich. Manchmal muss man sich zurück halten.

Bei Karo passiert es häufiger als in anderen Beziehungen die ich habe, dass ich nicht genau das sagen kann, was mich beschäftigt.
Zu wissen was ich sagen kann und was nicht, und wann ich Dinge sagen kann, das ist ein Prozess, und ich hab seit dem Beginn unserer Beziehung schon unglaublich viel darüber gelernt.
Ich kann zum Beispiel viel mehr sagen, wenn wir uns tatsächlich gegenüber sitzen, wenn wir räumlich zusammen sind. Sei es, weil es uns beiden dann besser geht und wir allein durch die Freude, zusammen zu sein, liebevoll miteinander umgehen. Oder sei es, weil ich durch die kleinen Gesten und Zwischentöne wirklich ein Gefühl dafür habe, wann ich was sagen kann (und will!) - diese nonverbale Kommunikation hilft, sich gegenseitig zu verstehen, anstatt zu streiten und sich schlecht zu fühlen.
Dann habe ich auch gelernt, dass es nicht okay ist, mit Karo immer darüber zu reden, wenn es mir wegen ihr schlecht geht. Karo weiß, dass mich ihre Situation belastet. Ich weiß, dass sie das weiß. Auch wenn ich mich in allen Lebenslagen wenn es mir schlecht geht am liebsten an Karo wende: In diesem großen Bereich, der mich belastet, ist es nicht richtig, dass ich mir gerade sie als Unterstützung suche. Denn ich kann mir vorstellen, was für ein schlimmes Gefühl es sein muss, den Partner so verletzt zu sehen und zu wissen, dass man selbst der Grund dafür ist.
Ich finde es nach wie vor wichtig, über so was Bescheid zu wissen und so was mitzuteilen. Es ist mir wichtig, dass Karo weiß, wie es mir geht - auch und gerade wenn das etwas mit uns zu tun hat! Aber ich habe eben auch gelernt, dass ich manchmal gut daran tue, meine Gefühle nicht sofort und ungehemmt mitzuteilen, wie es mir mein erster Impuls sagen würde. Damit hab ich manchmal schon mehr Schaden angerichtet, als ich jemals wollte. (Und das nicht nur bei Karo, übrigens.)

In solchen Situationen, wenn man dem Partner vielleicht etwas sagen will was man gerade nicht sagen kann, habe ich es für mich als unglaublich wichtig wahrgenommen, auf andere Weise diese Gedanken loszuwerden. Gerne rede ich mit mir lieben Menschen darüber, aber es gibt noch etwas, was ich vor nun doch schon einigen Monaten begonnen habe.
Ich habe mir ein kleines Buch gekauft, eine Art Tagebuch, in dem ich sozusagen Gespräche mit Karo führe, die ich mit ihr persönlich gerade nicht führen kann. Ursprünglich war es für frustrierte und verzweifelte Situationen gedacht, aber ich habe auch positive Einträge reingeschrieben, damit das später nicht ganz so deprimierend wirkt. Es sind einfach Gedanken über unsere Beziehung, die mir gerade am Herzen liegen.

Heute habe ich in das Buch ein für mich sehr wichtiges und schönes Gespräch geschrieben, das ich heute mit Karo geführt habe, und danach zurückgeblättert und die alten Einträge gelesen. Viele Einträge sind es nicht - in solchen Dingen war ich schon immer sehr unregelmäßig ;) Aber es war spannend, meine Gedanken von vor teilweise über einem halben Jahr zu lesen. Probleme, die ich hatte und jetzt nicht mehr habe. Themen, von denen ich dachte sie mit Karo nicht besprechen zu können, und über die wir uns mittlerweile ausführlich unterhalten haben. Eine Situation, in der mich Karo gehalten hat, als mich ihre Probleme so belastet haben. Wo sie gesagt hat, dass ich einfach mal alles rauslassen soll, was ich normalerweise zurückhalte. Ich konnte mich an diese Situation gar nicht mehr erinnern, und hatte vor Rührung Tränen in den Augen.
Es gibt wütende, verzweifelte Einträge, deren Gefühle beim Erinnern weh tun. Es tut aber gut, mit Abstand darauf zurückzublicken und zu sehen, dass ich vieles überwunden habe oder klarer sehe.
Vor allem ist in den Einträgen auch zu sehen, wie wichtig es für mich ist, an einem Ort ohne Filter alle Gefühle ausdrücken zu können.

Ich habe Karo von dem Buch erzählt, als ich es angefangen habe. Ich hoffe immer noch, dass ich später gemeinsam mit Karo darin zurückblättern kann. Dann will ich ihr die Dinge zeigen, die ich damals nicht sagen konnte, und die Gespräche führen, die noch offen sind.
Und für jetzt bin ich froh dass ich dieses Buch habe: Um Dampf abzulassen, zu erinnern, zu reflektieren, und auszuhalten manchmal etwas nicht zu sagen. Ich kann mir in diesen Momenten sagen: Irgendwann werde ich mit Karo darüber reden.
Wenn es dann schon vergangene Probleme sind, wird das zurückblättern umso schöner. :)

Montag, 18. Mai 2015

Das Pendel der Gefühle ausloten (Oder: Der Eintrag mit den meisten Labels ever)

Ich will bloggen, aber es fällt mir schwer.
Ich würde gerne mal wieder über ein bestimmtes Thema bloggen, anstatt "nur" so tagebuchartig, aber ich bin grad nicht inspiriert für ein bestimmtes Thema.
Zurzeit hat auch irgendwie alles zwei Seiten. Ein Gedanke, den ich zu einem Thema habe, ist immer auch von einem anderen begleitet. Ich komme gut klar, aber ich leide. Ich habe das Gefühl, dass ich Karo helfen kann, aber ich fühle mich hilflos. Die Situationen wechseln ständig und ich weiß selten, was mich als nächstes erwartet. Wenn ich bloggen möchte, weil ich grade frustriert bin, halte ich mich davon ab, weil ich weiß, dass das das Gesamtbild nicht widerspiegelt, und ich nicht möchte, dass auf meinem Blog dann der Eindruck entsteht, ich wäre zurzeit mit der Beziehung nicht zufrieden. Wenn ich gerade sehr glücklich mit der Beziehung bin, möchte ich darüber auch nicht bloggen, weil ich weiß, dass auch das nicht die volle Wahrheit ist, und es dann so wirkt, als würde ich nicht leiden oder nicht auf mich achten.
Ich weiß nicht. Es ist einfach viel an Gefühl und Gedanken zurzeit, und... manchmal will ich sehr gerne bloggen, und möchte hier auch aktiver sein, aber oft will ich auch einfach nur mein Leben so leben wie es grade ist, ohne hier irgendwie Fazit über irgendwas zu ziehen, wie ich das in den meisten Artikeln irgendwie mache.
Es ist nichts fest zurzeit. Es gibt keine Klarheiten. Aber ich fand es bisher sehr cool, dass ich über Erkenntnisse, Klarheiten, und so was bloggen konnte.

Naja. Dann blogge ich eben hier die Unklarheiten, die mir zurzeit so durch den Kopf gehen. :)

Karo und ich führen gerade eine gute Beziehung, den Umständen entsprechend. Ich fühle einen starken Zusammenhalt. Ich fühle unsere Liebe zueinander, und dass wir uns füreinander bemühen und uns gegenseitig stützen.
In manchen Momenten aber bin ich frustriert, weil es so wenig von einer normalen Beziehung gerade hat, und es vieles gibt, was ich mir wünsche, und momentan nicht habe.

Ich kann zurzeit eine gute Stütze für Karo sein. Ich kann gut von mir aus Dinge tun, von denen ich denke oder weiß, dass sie ihr helfen werden, und ich kann gut "auf Bereitschaft" sein und reagieren, sobald sie mich um etwas bittet.
Ich bin aber auch ständig angespannt, was ich körperlich und emotional merke. Und ich brauche einen starken Ausgleich und andere Dinge in meinem Leben, die mir wichtig sind.

Wenn Karo mir schreibt, dass es ihr schlecht geht, fühle ich mich hilflos und möchte mehr tun können - sie wenigstens in den Arm nehmen, vielleicht. Manchmal sitze ich minutenlang vor dem Handy und starre auf irgendeine Nachricht von ihr, während ich nachdenke. Dann nichts tun zu können, und ihren Schmerz zu spüren, ist belastend.
Vor allem bin ich aber auch so dankbar dafür, dass Karo mir ihren Schmerz zeigt und mich aktiv um Hilfe bittet, und ich dadurch die Gelegenheit habe, ihr nah zu sein und sie vielleicht zumindest ein bisschen zu erleichtern. Damit nimmt sie die Verantwortung von mir, nach Zeichen für unterdrückten Schmerz zu suchen, und ich fühle mich gebraucht.

Ich bin verzweifelt, weil alles immer schlechter wird. Ich frage mich warum, warum es nicht einfach mal besser wird, und was denn passieren muss, damit Karo glücklich werden kann.
Ich habe aber auch, mehr als in manch anderen Phasen und vielleicht mehr als je zuvor, die Hoffnung, dass es irgendwann einfach besser werden wird, und dass Karo glücklich sein kann.

Ich tue unglaublich viel einfach nur für Karo zurzeit, ohne an meine Bedürfnisse zu denken.
Ich tue unglaublich viel für mich, ohne an Stress und Schmerz zu denken.

Vor ungefähr einem Jahr oder etwas länger war ich mal in einer Beratungsstelle, weil ich damals sehr überfordert von allem war. Aus dem Gespräch mit dem Berater ist mir vor allem eine Sache hängen geblieben: Dass meine Situation wie ein Pendel ist, das hin und her schwingt, und es Zeit braucht, um den Mittelweg auszuloten. Dass da ganz viel Feinarbeit nötig ist und viel Gespür dafür, was gerade wichtig ist.
Ich glaube, im Moment hab ich mein Pendel ganz gut im Griff. Es pendelt nach wie vor, ja, aber ich spüre, wo die Mitte ist, und ich fühle mich trotz allem Hin und Her irgendwie okay und sicher in der Situation. Es ist viel, es verwirrt mich manchmal, aber ich fühle mich, als könnte ich im Moment alles ganz gut bewältigen.

Hach. Das war ne gute Entscheidung, doch zu bloggen, obwohl ich keine Ahnung hatte, worüber. Ist was gutes draus geworden, finde ich. :)

Donnerstag, 7. Mai 2015

Viel zustande bringen.

Seit Karo bei mir war, ist zwischen uns als Paar wieder alles total gut. Um so vieles besser als davor manchmal. Wir sind uns, so hab ich das Gefühl, wieder viel näher, reden viel offener und mit mehr Leichtigkeit über alles, telefonieren oft ... das ist alles gut.
Karo war sogar letztes Wochenende auch noch mal hier, wir waren in einem Musical, was auch total schön war.

Aber... Karo geht es total schlecht. So schlecht, dass ich Angst um sie habe.
Zurzeit bin ich permanent angespannt. Ich merke das manchmal, wenn mir auffällt, dass mein Kiefer zusammengepresst ist. Oder, wenn ich innerhalb einer Stunde im Nacken total verspannt werde. Oder wie mir die Zahnpastatube nicht umfällt (was typisch für mich wäre), weil ich alles langsam und kontrolliert mache.
Ich verbringe zurzeit viele Stunden am Tag damit, etwas zu machen, was für Außenstehende "Nichts" wäre. Ich lese. Ich höre Podcasts oder Musik. Vor allem schaue ich sehr, sehr viel YouTube.
Ich verbringe Stunden vorm Laptop (und anderen - zugegeben seltenen - Tagen gar nichts, weil ich nur lese). Und obwohl ich so lange davor sitze, antworte ich nicht auf wichtigste E-Mails. Arbeite ich nicht für die Uni - oder nur so viel und nur dann, wie es nötig ist.
Andere Leute halten das vielleicht für faul. Würden sagen, dass ich nichts zustande bekomme.
Die Wahrheit ist aber, dass ich täglich eine ganze Menge zustande bekomme. Emotional.
Würde ich nicht täglich so viel entspannen, wie ich zurzeit tue ... dann könnte ich einfach nicht mehr. Ich kümmere mich um Karo, um die Uni, und um mich. Ohne Reihenfolge. Naja, doch, die Uni kommt vielleicht doch noch hinten ran.
Und deshalb höre ich jetzt auch auf zu bloggen, und tu noch ein bisschen was für mich, bevor ich zur Uni fahre und dort Leistung bringe.
Um Kraft zu haben für den Tag.

Mittwoch, 22. April 2015

Siebenhundertdreißig Tage.

Letzten Freitag hatte ich meinen Jahrestag mit Karo, meinen zweiten. Zwei Jahre sind wir jetzt schon zusammen - meine erste Beziehung, von der ich eben deswegen nicht gedacht hätte, dass sie so lange hält. Und trotz aller Schwierigkeiten hat sie gehalten, und wir sind an vielen Punkten weitergegangen, wo andere wahrscheinlich schon aufgegeben hätten.
In vielen Momenten gibt mir nur der Gedanke Mut, dass es besser wird, und es ein Licht dort vorne gibt. Die Vorstellung, dass ich zusammen mit Karo in zehn Jahren auf diese Zeit zurück schaue und sage: "Schau, das waren unsere ersten Jahre, und schau wie schwer sie waren. Jetzt sind wir hier."
Doch ganz ehrlich: Wenn es nur das wäre, nur die Hoffnung, die mich an diese Beziehung glauben lässt, dann wäre ich mit Karo nicht mehr zusammen. Es braucht noch andere Dinge, die mich auch für den Moment glücklich machen und mir das geben, was ich brauche. Kleine Dinge, im Alltag.
Oder große Dinge. Zum Beispiel ein so tolles Wochenende wie das letzte, an dem wir unseren Jahrestag gefeiert haben.
Es hat unendlich gut getan, Karo wieder zu sehen, Zeit mit ihr zu verbringen, und vor allem: So viel zu reden. Wir haben stundenlang einfach nur geredet. Über alles. Über Dinge die nahe liegen und wir sowieso angesprochen hätten, über belanglose Nebensächlichkeiten, oder über tiefe Themen, die echt ans eingemachte gehen. Wir haben die komplette Zeit, die wir zusammen verbracht haben, eigentlich nichts anderes gemacht, als zu reden.
Und das hat soooo gut getan.
Als Karo mich vor fast zweieinhalb Jahren angeschrieben hab, war sie aus einem Grund sofort für mich sympathisch: Sie hat geschrieben, dass sie nicht wirklich weiß, was sie schreiben soll. Oder so.
Alle anderen Mädchen, mit denen ich davor geschrieben habe (na gut, so viele waren es auch nicht ;) ), waren ... anders. Ich habe mich dort gefühlt, als müsste ich mich verstellen. Ich HABE mich verstellt. Habe versucht, selbstsicher zu wirken, so als wüsste ich wie man flirtet, so als könnte ich Smalltalk, so als wüsste ich, wie man ein oberflächliches Gespräch führt.
Bei Karos Nachricht hingegen war ich total erleichtert, weil sie mir dadurch den Einstieg in ein völlig offenes, ungezwungenes Gespräch ermöglicht hat. Ich hab sofort gespürt, dass wir offen sein können, und dass wir auf einer Wellenlänge sind.
Nach ganz wenigen Nachrichten waren wir dann schon bei ernsten Themen angelangt. Wir haben uns RICHTIG unterhalten, und einfach gesagt was wir denken. Diese Offenheit, und Verbundenheit, das war wohl einer der Hauptgründe, warum ich mich in Karo verliebt habe.
Jedes Mal, wenn wir uns ausführlich schreiben, oder vor allem wenn wir persönlich miteinander reden, sind wir sofort wieder da. Bei alltäglichen Gesprächen ist das manchmal etwas schwieriger, auch wenn ich immer versuche genauso offen und nach meinen Gedanken zu reden, wie es mir eben gut tut. Jedenfalls: Nach zwei Monaten, in denen wir uns nicht gesehen haben, und die zeitweise soooo unendlich schwer waren, in denen ich Gespräche und Offenheit vermisst habe, so sehr dass ich manchmal nicht wusste ob ich das noch kann ... nach diesen zwei Monaten war es eine unglaubliche Wohltat, das alles total aufzuholen, und noch viel mehr, als nur "nötig" gewesen wäre. Diese Gespräche werden lange in meinen Erinnerungen bleiben.
Und Karo war so liebevoll zu mir. Dass wir total offen als Paar durch die Stadt gehen, ging vor einem Jahr noch überhaupt nicht, und heute ist es selbstverständlich. Das macht mich total glücklich. Und ob wir unterwegs oder in der Wohnung waren, Karo war einfach total lieb und hat mich immer wieder an sich gezogen oder auf den Kopf geküsst. Ich liebe das *____*
Und in eineinhalb Wochen sehen wir uns schon wieder. Deshalb bin ich wahrscheinlich jetzt auch ganz entspannt, obwohl es in der letzten Zeit zwischen den Treffen so schlimm war - aber jetzt sind es ja nur zwei Wochen, da kann es gar nicht so schlimm werden.
Im Moment jedenfalls ist noch alles sehr gut. :)

Ich habe bis heute siebenhundertfünfunddreißig Tage an der Seite einer Frau verbracht. Ich habe Schmerz erfahren, wie ich ihn davor nicht gekannt habe, aber auch Glück, das ich mir bis dahin gar nicht vorstellen konnte. Ich habe mehr über mich und das Leben gelernt, als ich wusste, dass ich lernen muss. Ich habe definitiv gelernt, was wahre Liebe ist.
Ich hoffe, dass ich in weiteren siebenhundertfünfunddreißig Tagen immer noch an der Seite dieser Frau bin, und dass wir mit weniger Schwierigkeiten kämpfen werden als zurzeit, und glücklich sind.

Ich liebe dich, Karo. :**