In meinem letzten Blogpost habe ich ja darüber geschrieben, wie eine typische Woche in Karos und meiner Beziehung aussieht, während sie gerade in der Klinik ist. Die Klinikzeit ist für mich stark davon geprägt, dass sie wenig Zeit für mich hat, viele schwere Dinge erlebt von denen ich oft nur am Rand etwas mitbekomme, und es ihr oft schlecht geht, ohne dass ich da bin. Vor allem ist es eine Zeit des Vermissens, für mich ganz persönlich.
Ich fand es sehr wichtig, diesen Teil unserer Beziehung zu zeigen. Für Karo ist die Klinikzeit natürlich keine leichte Zeit. Darüber hat sie hier sehr eindrücklich geschrieben. Und für mich als Partnerin hat das eben auch Auswirkungen, was genau das ist, wovon ich hier auch ehrlich und offen berichten will.
Jetzt ist Karo aber gerade nicht in der Klinik. Sie ist zuhause und macht regelmäßig ihre ambulante Therapie weiter, die sie auch vor der Klinik schon hatte. Unser Alltag ist in dieser Zeit ein ganz anderer und ich will euch auch diesen hier zeigen.
Wie ist der Beziehungsalltag zwischen zwei Frauen, von denen eine sehr belastende psychische Krankheiten hat?
Wir beginnen mit...
Samstag, 14. April
Um halb acht wache ich auf und schreibe Karo guten Morgen. Eine Stunde später fahre ich zum Bahnhof, denn ich besuche Karo heute! Wir sind bereits auf Wohnungssuche für die Wohnung, in die wir ab Herbst zusammenziehen werden, und haben morgen unsere erste Besichtigung.
Als ich am Bahnhof ankomme schreibt mir auch Karo guten Morgen. Ich schicke ihr ein paar Fotos und schreibe ihr über den Bagger am Bahnhof - sie ist sehr traurig, dass ich ihr davon kein Foto geschickt habe ;)
Um 10 Uhr bin ich gerade im Zug und Karo fragt ob wir kurz telefonieren können. Sie ruft mich an und erzählt mir von einem Ereignis in der Familie, das sie gerade sehr belastet. Wir sprechen ein bisschen darüber.
Kurz darauf ist Karos Blogeintrag für diesen Tag online (wir machen gerade eine 31-Tage-Challenge) und wir schreiben ein bisschen darüber. Auch während dem Rest der Zugfahrt tauschen wir noch ein paar kurze Nachrichten aus.
Um halb eins komme ich dann am Bahnhof an, wo mich Karo mit Umarmungen und Küssen empfängt. Wir freuen uns beide sehr uns so spontan zu sehen.
Wir kaufen Döner die wir bei ihren Eltern zuhause essen. Karo probiert Kleider an und ich sage ihr welche schön sind, wir reden viel und kuscheln. Später fahren wir in einen Ort in der Nähe und besorgen eine Kleinigkeit und kaufen uns Eisbecher zum Mitnehmen. Wieder zuhause angekommen essen wir die Eisbecher zusammen mit Karos Mutter.
Abends ist Public Viewing von einem Basketballspiel, das wir uns zusammen mit Karos Freunden ansehen. Wir fahren zusammen mit dem Auto zu Karos Freundin. Weil wir früher da sind, reden wir noch am Parkplatz und- flirten ziemlich viel ;)
Dann fahren wir zusammen mit den Freunden weiter zum Spiel. Es ist schön, mit Karo zusammen Zeit mit ihren Freunden zu verbringen. Leider habe ich ein bisschen Kopfschmerzen, aber Karo massiert mich während dem Spiel kurz.
Spät abends sind wir wieder zuhause. Wir haben Sex und er ist ziemlich gut. Kurz nach Mitternacht gehen wir schlafen - Karo in ihrem Bett, und ich auf einer Matratze auf dem Fußboden, weil für eine Nacht es den Aufwand nicht wert wäre, das irgendwie anders zu machen.
Sonntag, 15. April
Der Morgen startet gemütlich zusammen im Bett. Später dusche ich und wir machen uns fertig für die Besichtigung der Wohnung, zu der uns Karo wieder mit dem Auto fährt. Die Wohnung gefällt uns sehr gut, leider ist sie aber auch viel zu klein für uns beide, da sie nur ein einziges Zimmer hat. Anschließend fahrend wir kurz in Karos aktuelle Wohnung und ich helfe ihr, ihren Kühlschrank auszuräumen, da sie längere Zeit nicht dort war und nicht mehr alles gut ist.
Auf dem Weg zurück zu ihren Eltern zeigt mir Karo ein Lied, in dem es darum geht, dass man sich bei der Person die man liebt zuhause fühlt. Es berührt mich sehr, weil ich mich auch so fühle (und weil ich PMS habe...), und ich weine mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Erst ein paar Minuten später als wir weiter darüber reden stellt sich heraus, dass Karo mein Weinen voll verunsichert hat, weil sie dachte, dass ich deshalb weine, weil sie eben nicht mein Zuhause ist. Zum Glück haben wir darüber geredet!
Zuhause bereiten wir zusammen Mittagessen vor und haben dort eine kleine Auseinandersetzung über eine ziemliche Belanglosigkeit. Es ist ein bisschen angespannt zwischen uns und wir sind nach wie vor nicht sehr geübt darin, Auseinandersetzungen direkt miteinander zu klären. Aber wir sprechen darüber und bemühen uns beide sehr, so dass es dann schnell wieder gut ist.
Den Nachmittag verbringen wir noch recht gemütlich mit kuscheln und reden, über bescheuerte Dinge, alltägliches, Liebe, Zukunft, oder Karos Therapien. Am frühen Abend muss Karo mich wieder zum Bahnhof fahren. Wir reden dort noch sehr gut über Dinge, die wir uns voneinander wünschen und haben ziemlich viel Spaß dabei.
Um halb sechs bin ich wieder im Zug und fahre nach Hause. Zwischendurch bemerke ich, dass ich vergessen habe ein Ticket zu lösen und bekomme ziemlich Angst während ich ein Ticket ab der nächstmöglichen Station per Handy kaufe. Karo beruhigt mich während der ganzen Zeit.
Später schreibt sie einen Blogpost zu einem sehr persönlichen Thema und ist sehr nervös deswegen. Sie zeigt mir den Post und ich versichere ihr, dass er gut ist.
Um neun Uhr komme ich zuhause an und fahre mit dem Rad gleich zu meiner Wohnung. Karo wollte noch telefonieren, aber ich wollte einfach schnell nach Hause, und als ich dort angekommen bin, ist sie schon zu müde. Sie schreibt mir gute Nacht und schickt das tägliche Gute-Nacht-Selfie. Ich selbst bin noch wach bis kurz nach eins, weil ich sehr viel Spaß beim Fangirlen habe.
Montag, 16. April
Um halb zehn sagt mir Karo guten Morgen, gleich darauf bin auch ich wach und schreibe ihr das selbe. Wir telefonieren erst mal spontan zwanzig Minuten. Danach mache ich mich fertig und frühstücke. Ich habe eine lange to-do-Liste und arbeite in der nächsten Stunde einige Sachen davon ab.
Kurz vor zwölf, bevor Karos Therapie beginnt, schreiben wir einander noch ein bisschen. Ich beruhige sie wegen ihrem Blogpost für heute und sie erinnert mich daran dass sie heute eine Doppelstunde Therapie hat, damit ich mir keine Sorgen mache. Dann arbeite ich weiter, schaue Videos, schreibe mit Freunden und fühl mich zunehmend immer kränker. Um halb zwei male ich mir einen Schmetterling auf den Arm für das Butterfly-Project und schicke das Karo.
Kurz vor zwei ist Karo mit der Therapie fertig. Sie freut sich über einen freundlichen Kommentar zu dem Blogpost bei dem sie so nervös war, dann ruft sie mich an und erzählt mir kurz von ihrer Therapiestunde.
Danach fährt sie weiter zu einer Freundin und ich arbeite weiter meine Liste ab. Um halb vier habe ich selber einen Blogpost geschrieben, der auch sehr persönlich ist. Ich bin nervös und bitte Karo um ihre Rückmeldung. Sie bestätigt mich in dem Post und findet ihn sehr gut, also poste ich ihn.
Am weiteren Nachmittag schreiben wir noch ein bisschen hin und her über verschiedene Dinge. Ich fahre nach dem Einkaufen noch in den Park, wo ich mit meinen Eltern telefoniere, und schicke Karo Fotos davon. Es folgen später noch ein paar kürzere Nachrichten.
Um elf Uhr frage ich Karo, wie das Basketballspiel war das sie heute angesehen hat, und sie freut sich total dass ihre Mannschaft gewonnen hat. Eine halbe Stunde später schickt sie mir ihr Gute-Nacht-Selfie, und noch mal eine halbe Stunde später geh auch ich schlafen.
Dienstag, 17. April
Heute ist unser fünfjähriger Jahrestag!
Ich wache um halb acht auf und fühle mich sofort sehr krank. Ich mache Karo eine Sprachnachricht, weil das leichter ist, und jammere davon, wünsche ihr aber auch einen schönen Jahrestag. Sie wacht um acht Uhr auf und hat selbst auch Kopfweh.
Um 10 Uhr halte ich ein Tutorium an der Uni. Es ist der erste Termin, also muss ich trotz Krankheit hin, so gut es irgendwie geht. Ich sag Karo noch Bescheid bevor es losgeht.
Um halb zwölf schreibt sie mir zurück, dass sie sich kurz hingelegt hat und danach noch Sport gemacht hat. Sie würde heute gerne telefonieren oder skypen. Ich rufe sie stattdessen gleich zurück, während ich durch den Park zurück von meinem Tutorium zum Busbahnhof gehe. Wir reden ein bisschen über das Tutorium, übers krank sein, aber flirten auch sehr viel und freuen uns über unseren Jahrestag.
Karo schickt mir ein Foto von ihrem Mittagessen. Ich wünsch ihr guten Appetit und schick ihr ein Selfie, auf dem ich durch und durch matschig aussehe. Ich versuche zu schlafen, aber es klappt leider nicht.
Um halb zwei tweete ich über unseren Jahrestag mit einigen Fotos. Karo sieht es kurz darauf und freut sich sehr.
Um drei schreiben wir noch einmal, dieses mal darüber, wie es uns geht. Wir beschließen, unsere Blogchallenge auszusetzen für heute.
Von vier bis fünf schlafe ich endlich ein bisschen. Als ich aufwache, rufe ich sie gleich an. Wir reden eine ganze Weile lang über Liebe und krank sein. Karo ist total süß zu mir und bringt mich fast zum Weinen. Ich gebe mein Bestes, ihr eine süße Jahrestagsrede zu halten obwohl ich so krank bin, und je mehr ich rede umso besser wird es, bis Karo weint <3 Es ist sehr schön und wir haben uns sehr, sehr lieb.
Abends mache ich mir Dosensuppe warm und fühle mich ein bisschen besser. Wir schreiben ein bisschen hin und her im Laufe des Abends.
Um kurz vor zehn geht Karo schlafen, postet dann aber noch auf Instagram über unseren Jahrestag. Sie schreibt darüber warum ich ihr wichtig bin und ich freu mich total.
Ich selbst schaue noch Videos und mache Yoga, weil mein ganzer Körper weh tut, und schlafe dann erst um halb zwölf.
Mittwoch, 18. April
Ich bin den ganzen Tag immer noch krank. Wir schreiben uns wie immer über den Tag verteilt über die Dinge die wir tun oder allgemeine Dinge, die uns gerade beschäftigen. Mittags telefonieren wir eine Weile. Abends reden wir kurz über etwas, worüber ich mir ein bisschen Sorgen macht, und Karo geht sofort sehr lieb auf mich ein.
Ich kürze den Tag ab, weil es da nicht viel neues gibt :)
Donnerstag, 19. April
Wir schlafen beide bis nach 10. Als ich aufwache, mache ich Karo erst mal eine Sprachnachricht dazu und erzähle, dass ich nachts zwei Stunden lang wach war, weil ich Gliederschmerzen hatte.
Karo ruft mich an und wir telefonieren kurz.
Um zwölf hab ich Fenster geputzt, davon schreib ich Karo. Davor war ich im Internet und habe Zeit mit meiner Mitbewohnerin verbracht. Mit der geh ich jetzt auch Sushi essen, was wir schon lange geplant hatten. Ich schicke Karo ein Foto davon - weil, uns gegenseitig mit leckerem Essen neidisch machen, ist so ein bisschen unser Ding. Aber so neidisch ist sie gar nicht, sie schreibt mir nur eine ganze Weile später guten Appetit.
Ich antworte aber auch erst nach einer Stunde, nachdem ich mit meiner Mitbewohnerin vom Einkaufen zurück komme. Den Nachmittag über schreiben wir noch ein paar Nachrichten hin und her. Karo besucht ihren Vater in einer medizinischen Reha und wir unterhalten uns über unsere kurzen Blogposts für den Tag.
Abends frage ich wie es ihr geht. Karo schreibt mir dass sie nervös ist, weil sie unter vielen fremden Menschen ist, und fragt wie es mir geht. Ich bin körperlich noch ziemlich fertig und schreib ihr davon. Ein bisschen später schreibe ich ihr, dass ich sie vermisse, und was sie gerade macht. Sie vermisst mich auch, sagt sie, und fragt auch mich was ich mache.
Um halb zehn schicke ich Karo mehrere sehr lange Nachrichten zu der gesundheitlichen Situation einer meiner besten Freundinnen. Ich mache mir große Sorgen um sie, vor allem nach den Nachrichten die ich gerade von dieser Freundin bekommen habe. Zehn Minuten später ruft mich Karo unaufgefordert an und ist offensichtlich gerade vor dem Restaurant, in dem sie mit ihrer Familie und Bekannten ist. Wir reden darüber, über die Angst die ich hab und sie versteht mich, macht Vorschläge und bestärkt mich. Nachdem wir auflegen, schicke ich Karo auch noch einen Screenshot davon, wie die Unterhaltung mit meiner Freundin weitergegangen ist.
Um elf Uhr geht Karo schlafen. Ich auch, etwa eine halbe Stunde später.
Freitag, 20. April
Der Tag heute verläuft ähnlich wie die bereits vergangenen, außer, dass ich wieder richtig fit bin. Ich wache eineinhalb Stunden vor Karo auf, was nicht ungewöhnlich ist. Wir telefonieren fast eine Stunde lang. Über den Tag hinweg folgen wieder regelmäßige bis unregelmäßige Nachrichten zu den Dingen die wir gerade machen und die uns durch den Kopf gehen. Nachmittags reden wir wieder über unsere Blogthemen für heute und weil Karo etwas verzweifelt wirkt, rufe ich sie an. Wir reden darüber was sie schreiben kann und ich bleib als moralische Unterstützung am Telefon während sie tippt. Ich selbst bereite währenddessen einen Salat für ein Treffen am Abend mit meinen Freunden vor.
Abends genieße ich dann meine Zeit mit Freunden und schicke Karo wann immer ich kann kurze Updates dazu. Manchmal antworte ich nur knapp auf ihre Nachrichten, manchmal schicke ich ein Bild.
Karo geht um halb zehn schlafen, was ich erst eine halbe Stunde später sehe und beantworte. ich selbst komme erst spät nach Hause und mache ihr um viertel nach eins eine Sprachnachricht, in der ich ihr noch von meinem Abend erzähle und ihre gute Nacht wünsche.
Kurze Zusammenfassung
Das war's! So sieht unsere Beziehung zurzeit aus.
Manchmal treffen wir uns, so wie am Anfang beschrieben. Manchmal sind angespannte Situationen da, aber immer finden wir einen Weg, die zu klären.
Zurzeit telefonieren wir sehr oft, meistens jeden Tag mindestens einmal. Das war früher schon mal anders. Das ist definitiv aber auch in der Klinikzeit anders, wo Karo die ganze Zeit sehr gestresst und erschöpft ist. Ich mag es sehr, dass wir so oft spontan miteinander telefonieren.
Die meisten unserer Fernbeziehungstage sehen vor allem so aus, dass wir uns über den Tag verteilt mal mehr, mal weniger Nachrichten zu unserem Alltag schicken. Manchmal über tiefergehende Dinge reden (dann aber meistens am Telefon). Manchmal nur lustige Bilder oder Sticker schicken.
Wie man hier ganz gut sieht, finde ich, ist unsere Beziehung sehr ausgeglichen. Hier in dieser Woche hat mich Karo sogar öfter unterstützt als umgekehrt, was zum Teil natürlich damit zusammenhing, dass ich krank war. Aber wir beide sind einfach füreinander da, wenn wir einander brauchen.
Karos Krankheiten, ihre Stimmungen oder Therapien oder Ängste, die sind Teil unserer alltäglichen Gespräche. Sie beeinflussen aber zurzeit unsere Beziehung sehr selten in größerem Ausmaß. Genauso habe ich auch manchmal meine Probleme, die unsere Beziehung ebenfalls beeinflussen.
Wenn bei dir Fragen aufgetreten sind zu unserer Beziehung, würde ich mich total freuen, wenn du mir die in die Kommentare schreibst! Für mich selbst ist unsere Beziehung so etwas normales, das ich oft gar nicht weiß, was genau ich daran hervorheben oder näher beschreiben soll. Aber wenn du etwas wissen möchtest (und mir damit ein tolles Blogpostthema lieferst) - immer raus damit! :)
Dienstag, 24. April 2018
Freitag, 2. März 2018
Beziehungsalltag in der Klinikzeit
Vor einer Weile hat Karo darüber gebloggt, wie ein normaler Tag bei ihr auf Station aussieht. Damit hat sie mir unwissenderweise meine Idee geklaut, die ich schon seit bestimmt über einem Jahr hab, mal über eine Woche im Alltag von unserer Beziehung zu bloggen! Weil ich das nicht auf mir sitzen lassen konnte, hab ich es dann doch endlich durchgezogen eine Woche mitzuschreiben, und ca zwei Wochen später seht ihr jetzt auch das Ergebnis davon.
Die Woche die hier beispielhaft für eine normale Woche in unserer Beziehung stehen soll, ist ein bisschen anders, weil Karo zu der Zeit ja gerade in der Klinik war. Das hat auf jeden Fall auch Auswirkungen auf unsere Beziehung, zum Beispiel darin, dass wir deutlich weniger Zeit und Gespräche als Paar miteinander haben, was - wie ihr sehen werdet - zu Stress zwischen uns führen kann. Außerdem habe ich Karo in dieser Woche getroffen, was ja ca. einmal im Monat passiert, aber nur für einen Tag, weil siehe oben: Klinik.
Das hier ist also: Wie wir als Paar sind, wenn Karo in der Klinik Therapie hat.
Dienstag, 13. Februar
Ich wache um ca. 7:30 auf und schreibe Karo Guten Morgen. Etwa eine Stunde später wünscht auch sie mir einen guten Morgen. Ich stecke mitten in der Prüfungszeit und habe deshalb einen vollen Tag vor mir. Ich frühstücke und bereite mich auf alles vor. Um etwa 10 Uhr schickt mir Karo ein Foto aus der Ergotherapie und wir unterhalten uns kurz darüber, dann fange ich an zu lernen. Um 11 Uhr habe ich eine willkommene Pause, als Karo mir von ihrem oben erwähnten Blogeintrag erzählt, ich den durch lese und ihr eine Sprachaufnahme dazu mache, worauf sie auch antwortet.. Über den Nachmittag verteilt schicke ich ihr zwei weitere kurze Nachrichten. Um vier Uhr bin ich mit Lernen fertig. Ich gehe noch spazieren und schicke ihr um fünf Uhr ein Selfie von mir auf dem Spaziergang. Kurz darauf antwortet sie mir auf meine Nachrichten und erzählt, dass sie gerade einkaufen war. Ich gehe auch noch einkaufen und gebe bei Karo mit dem Krapfen an, den ich mir gekauft habe und frag sie, ob sie morgen telefonieren will. Nach einer Weile sehe ich, dass Karo die Nachrichten gelesen, aber nicht geantwortet hat. Um etwa acht Uhr Abends macht mir Karo eine Sprachnachricht. Sie erzählt mir, dass sie einen sehr anstrengenden Tag hatte, an dem sie schlechte Nachrichten von ihrer Familie bekommen hat und viele Flashbacks hatte und es ihr nicht gut geht. Wir unterhalten uns ein bisschen darüber. Um ca. 20:45 schickt mir Karo ein Selfie von ihr im Bett (unser tägliches Ritual) und wünscht mir eine gute Nacht, die ich ihr zurück wünsche. Ich bin noch wach bis ca. 23 Uhr, und schicke ihr dann ebenfalls ein Gute-Nacht-Selfie.
Mittwoch, 14. Februar
Ich habe an diesem Tag ein wichtiges Vorstellungsgespräch in der Nähe von Karos Wohnort, wo wir im Herbst zusammenziehen werden. Deshalb wache ich schon um 5:30 auf und bin um 7 Uhr am Bahnhof, wo ich Karo guten Morgen schreibe und einen schönen Valentinstag wünsche. Um 8:25 antwortet sie auf diese Nachrichten. Ich bin ziemlich nervös und habe Verspätungen und schicke ihr dazu ein paar Nachrichten. Ich frage sie auch ob sie beruhigende Worte für mich hat und schicke ihr dann Screenshots einer Unterhaltung mit einer guten Freundin, die mich auch beruhigen konnte. Um etwa 12 Uhr schickt mir Karo eine Sprachnachricht mit lieben Wünschen und aufmunternden Worten und ich antworte darauf, mittlerweile schon in der Stadt in der ich das Vorstellungsgespräch habe. Kurz vor 13 Uhr bin ich fertig und frage sie ob sie telefonieren will, da sie aber nicht gleich antwortet, mach ich ihr dann noch zwei Sprachnachrichten in denen ich erkläre wie es war. Um 13:43 antwortet sie mir dass ich das super gemacht hab und wir unterhalten uns noch ein bisschen darüber.
Etwa eine Stunde später schickt sie mir selbst eine Sprachnachricht, es geht ihr sehr schlecht und sie erst mal schlafen ist. Über den Nachmittag hinweg schicke ich ihr mehrere Nachrichten. Ich mache mir Sorgen um sie und... es tut mir weh, dass es ihr so schlecht geht. Ein Teil von mir ist auch irgendwie eifersüchtig, dass das an diesem großen Tag für mich passieren muss, und sie nicht so da sein kann für mich wie ich es schön finde, und auch sie es bestimmt gern tun würde wenn sie könnte. Um kurz vor acht schreibe ich ihr dass ich sie vermisse und wie es mich manchmal mitnimmt, dass es ihr so schlecht geht. Kurz darauf antwortet sie auf eine Nachricht vom Nachmittag und schickt mir dann eine Videonachricht von sich selbst, in der sie mir von ihrem Abend kurz erzählt und dass sie jetzt schlafen geht. Sie ist sehr süß. Ich bin übermüdet und emotional und spamme sie mit Nachrichten dazu zu wie gern ich sie hab und dass sie süß ist. Sie antwortet dass sie mich liebt (braves Mädchen ;) ) und ich spamme sie weiter zu, bis sie mir ihr Gute-Nacht-Bild schickt. Mir geht's nicht gut und ich vermisse sie sehr und weine und es tut mir weh, wie wenig sie gerade Zeit für mich hat. Es ist ein ziemlich emotionaler Tag.
Donnerstag, 15. Februar
Um acht Uhr schreibe ich Guten Morgen, und kurz darauf schreibt Karo dasselbe zurück. Der letzte Tag hängt mir immer noch nach und es verletzt mich, so viel von mir gegeben zu haben und so wenig Reaktion darauf zu bekommen. Ich entscheide mich dazu, mich heute nicht bei ihr zu melden bis sie mir schreibt. Zum Teil ist das eine ziemlich unvernünftige Trotzreaktion auf meine Gefühle von gestern Abend, zum Teil sage ich mir dass sie ja vielleicht auch den Abstand braucht und es ihr gut tut nicht immer auf meine Nachrichten antworten zu müssen, zum Teil will ich einfach das Gefühl haben dass sie gerade wirklich mit mir reden wollte, wenn sie sich denn dann meldet. Ich halte das ganze nur bis etwa drei Uhr durch, wo sie sich dann immer noch nicht gemeldet hat. Ich schreib ihr dass ich es blöd fand ihr bis jetzt nicht geschrieben zu haben und erzähle ihr was ich bis jetzt gemacht habe. Um vier Uhr erreicht mich eine SMS von ihr, ob es mir gut geht und dass sie mich vermisst. Meine Nachrichten von vor einer Stunde haben sie nicht erreicht (weil die App manchmal spinnt). Ich habe mittlerweile ein sehr schlechtes Gewissen zu meinem "Plan" von heute morgen und entscheide mich, ihr davon zu erzählen und mich dafür zu entschuldigen. Das verletzt sie jedoch dann erst recht und wir haben so etwas ähnliches wie einen Streit, in dem ich allerdings das Gefühl hab dass sie zwar irgendwo sauer auf mich ist, sie sich offen aber nur selbst fertig macht. Irgendwie habe ich das Gefühl sowohl meine eigene Verletztheit, Wut und andere Gefühle zu fühlen, gleichzeitig aber auch zu versuchen ihre Seite der Auseinandersetzung einzunehmen in der auch sie das Recht hätte auf mich sauer zu sein, was sie aber so gar nicht fühlen und kommunizieren kann. Es ist anstrengend und nicht schön. Es macht nie Spaß, mich mit ihr zu streiten.
Um etwa halb neun telefonieren wir für eine Weile und reden auch kurz über die Auseinandersetzung. Dann erzählt sie mir aber auch sehr viel von ihrem gestrigen und heutigen Tag und wir unterhalten uns über den kommenden Samstag, an dem ich sie besuchen werde. Das Telefonat ist total schön und tut sehr gut. Mündlich ist es einfacher, Gefühle richtig rüberzubringen und es fühlt sich näher an. Außerdem ist es leichter sich zu unterhalten, und es ist so schön so viel von ihrem Alltag mitzubekommen. Wir telefonieren etwa 20 Minuten und dann geht Karo schlafen.
Freitag, 16. Dezember
Wir schreiben uns beide um etwa halb neun guten Morgen. Am Vormittag schicke ich ihr ein Selfie und Nachrichten dazu wie schädlich Rauchen ist, als Screenshots von der Vorlesung die ich gerade für meine Prüfung lerne. Karo antwortet darauf (nicht so begeistert von den Screenshots zum rauchen ;) ) und schickt mir ein Foto aus der Ergotherapie. Es ist schön und dass sag ich ihr und schick ihr dann ein Foto von meinem Mittagessen, wozu mir Karo guten Appetit wünscht. Wir schicken uns am Nachmittag noch einige Nachrichten dazu was wir grad machen und machen Witze. Wir reden auch darüber wann ich morgen kommen soll und sie schickt mir eine Sprachnachricht dazu. Auf ein Selfie das ich ihr schicke bevor ich zu einem Abendessen fahre, sagt sie mir dass ich hübsch bin (<3) und wünscht mir viel Spaß. Um sieben Uhr (!!!) schickt sie mir die Gute-Nacht-Nachricht. Ich antworte ca. eine Stunde später sehr geschockt, schreib ihr dass ich mir die Sprachnachricht später anhöre und mich auch auf morgen freue. Um zwölf Uhr schreibe ich Karo gute Nacht.
Samstag, 17. Februar
Heute treffen wir uns! Um kurz vor acht schreibe ich guten Morgen und schreib ihr noch was dazu wie wir planen uns zu treffen. Karo antwortet um halb neun. Ich schreib ihr dann wie esehr ich mich freue und schick ihr ein Selfie, das Karo süß findet. Wir schnulzen ein bisschen rum und schicken dann nur noch Nachrichten dazu wo ich grade bin/wann ich da bin. Um etwa halb elf komme ich bei ihr an. Wir treffen uns erst mal in der Klinik und gehen dann aber gleich in die Stadt, wo wir ein bisschen spazieren gehen und in Geschäfte gehen, bevor wir um etwa halb zwölf in ein Restaurant gehen. Wir unterhalten uns die ganze Zeit sehr viel und es gibt eigentlich keine stillen Momente, weil wir uns so viel zu erzählen haben und es auch einfach nie langweilig wird. In der Stadt halten wir meistens Händchen, was mir irgendwie immer noch ein warmes Gefühl im Bauch macht. Nach dem Essen gehen wir wieder spazieren und kurz einkaufen und dann in ein Café. Es wird kurzzeitig etwas angespannt als wir darüber reden, wann wir uns das nächste Mal sehen. Überall um uns herum sind Menschen und es ist schwer offen zu reden, und ich bemühe mich die ganze Zeit nicht in Tränen auszubrechen (ja, möglicherweise hab ich auch PMS, aber pschhht). Wir einigen uns so halb und reden erst mal über etwas anderes. Auf dem Weg zur Straßenbahn erzählt mir Karo noch davon, dass sie gerne noch mal in die Klinik gehen würde um ein weiteres Trauma aufzuarbeiten, und dass eigentlich der beste Zeitpunkt dafür diesen Herbst wäre - also quasi gleich nachdem wir zusammenziehen. Sie will meine Meinung dazu wissen, und für mich ist das erst mal sehr überfordernd und etwas beängstigend, weil es ganz anders ist als ich mir unsere ersten Monate zusammenleben vorgestellt habe, und dann ganz allein in einer fremden Stadt bin. In der Bahn zurück reden wir viel, und Karo erzählt mir auch dass es im Café sehr schwierig für sie war offen zu reden, und wir unterhalten uns noch mal ausführlicher darüber und klären das zwischen uns. Wir reden auch viel über den nächsten Klinikaufenthalt und wie es uns beiden mit der Situation geht. Als wir aussteigen, nimmt mich Karo erst mal in den Arm und lässt mich den Stress ein bisschen weg weinen. Sie ist wahnsinnig lieb und verständnisvoll.
Zurück auf Station spielen wir zusammen ein bisschen Sims und später Karten. Die ganze Zeit reden wir auch viel.
Um halb sechs verabschiede ich mich, was wie immer sehr schwer ist - besonders, nachdem wir nur so kurz Zeit miteinander hatten. Ich bitte sie noch mir Bilder zu schicken und sie bedankt sich, dass ich sie besucht habe. Am Bahnhof überlege ich ein bisschen über die Kliniksituation und stelle fest, dass ich mir da eigentlich mehr zutrauen kann als ich gerade tue, und dass es schon okay ist wenn sie die Entscheidung trifft die für sie am besten passt. Ich erzähl ihr davon in einer Sprachnachricht, damit sie das gleich weiß, und schreib ihr auch noch wie schön der Tag war. Sie ist sehr dankbar darüber.
Wir schicken uns noch ein paar Nachrichten dazu was wir machen, bis Karo um etwa halb zehn schlafen geht.
Sonntag, 18. Februar
Wir haben beide einen sehr faulen Tag vor. Dementsprechend schicken wir uns auch nur eine Handvoll von Nachrichten über den Tag hinweg und versinken ansonsten hauptsächlich in unseren jeweiligen Entspannungsaktivitäten.
Montag, 19. Februar
Karo schreibt mir guten Morgen um halb acht und erzählt mir etwa eine Stunde später von einer Therapieaufgabe, die sie bewältigt hat. Um kurz vor neun bin ich auch wach und antworte ihr darauf und wir schreiben noch ein bisschen darüber, mit jeweils einigen Zeitabständen. Um zwei Uhr schickt mir Karo Fotos von ihr und einem Freund in der Klinik, ich schreib ihr dass die süß sind. Um kurz vor vier schickt sie mir einen Keks, den ich angemessen bewundere. Etwa um halb fünf schreib ich ihr wie wenig Lust ich noch zu lernen hab. Karo schickt mir ein Foto von dem Spezialkakao von einem Pfleger, den sie meistens bekommt wenn es ihr schlecht geht - und ein angetoastetes Knäckebrot. Ich teile ihr mit dass das ein schreckliches vergehen ist und frag ob es heute schwer für sie ist, aber sie sagt, dass es geht und sie nur schon viel geleistet hat. Wir unterhalten uns noch ein bisschen über ihre grauenhafte Entscheidung, ein Knäckebrot zu toasten. Um halb fünf schickt sie mir ein Foto davon dass sie jetzt einen Film schaut und ich schicke ihr ein beleidigtes Selfie, auf das ich ein Herz bekomme und ein paar liebe Sticker - und den Vorschlag, eine Pause vom Lernen zu machen. Ich mach leider schon die ganze Zeit eine Pause und teile ihr das auch mit. eine halbe Stunde später entscheide ich aber dass ich jetzt doch aufhöre und schreib ihr davon. Nach ein, zwei mehr Nachrichten schreibt mir Karo um kurz vor neun gute Nacht.
So - und das war's! Das ist sehr lang, aber ich hoffe, ihr fandet es trotzdem interessant.
Eine kurze Zusammenfassung:
Als "normale" Tage sehe ich solche, wo wir über den Tag verteilt ständig kurze Nachrichten schreiben, vielleicht mal mit einer mehrstündigen Pause, vielleicht mit einem Telefonat oder mehreren Sprachnachrichten. In der Klinikzeit sind Telefonate leider deutlich seltener, und es gibt mehr von den Tagen an denen es mehrere mehrstündige Pausen in unseren Gesprächen gibt oder wir kaum Nachrichten über unseren Tag schicken. Diese Tage finde ich schwer, und deshalb gibt es in der Klinikzeit auch häufiger angespannte Situationen zwischen uns als sonst normal wäre.
In dieser speziellen Woche gab es sehr intensive solcher schweren Situationen zwischen uns. Das ist sonst nicht so der Fall, vor allem so etwas großes wie an diesem Donnerstag gab es davor viele Wochen lang nicht, und gab es auch seitdem nicht mehr. Aber gelegentlich ist es halt trotzdem auch Alltag, und deshalb gehört es auch hier dazu.
Karo hat heute gerade ihren letzten Tag in der Klinik. Ich bin sehr stolz auf alles was sie in diesem Aufenthalt wieder erreicht hat. Jetzt wird aber bald auch wieder ein anderer Alltag einkehren, einer in dem sie eben nicht stationäre Therapie macht, und ich würde gerne auch dazu einen Blogpost schreiben, um diese Erfahrungen vergleichen zu können!
Und vielleicht kann ich im Herbst oder nächstes Jahr dann auch einen Blogpost dazu schreiben, wie der Alltag ist, wenn wir zusammen wohnen. :) Darauf freue ich mich schon so sehr.
Jetzt aber erst mal... bis zum nächsten Blogpost!
Dienstag, 28. November 2017
Ein ganz schön liebenswerter Arsch.
Vor einigen Wochen hat mich Karo plötzlich angeschrieben: "Ich war ja schon irgendwie manchmal ein Arsch."
So ging es mir damals häufiger. Karo hat mir manchmal viel erzählt von sich, aber es gab auch sehr sehr oft Phasen und Momente, in denen ich kaum etwas von den wichtigen Dingen in ihrem Leben erfahren habe. Manchmal habe ich dann auf Umwege davon erfahren, zum Beispiel über so einen Blogeintrag. Oder sie hat Dinge nebenbei erwähnt, die mich wahnsinnig beschäftigt haben, ohne mir aber die Gelegenheit zu geben, mit ihr darüber zu sprechen.
Wie man aus dem Beispiel vom Blogeintrag sieht, habe ich vor allem mir zurechtgelegt, warum sie tut, was sie tut. Das war auch sehr wichtig für mich, denke ich, sehr richtig und sinnvoll. Aber nichtsdestotrotz hat es mir wahnsinnig weh getan, mich wütend gemacht und verletzt, und keine dieser Emotionen habe ich mir uneingeschränkt erlaubt. Erst recht keine Wut. Wütend? Ich? Nein, das war ich nie.
(Plot Twist: Ich war es doch. Und dass ich mir das nicht erlaubt habe, hat mir nur noch mehr weh getan.)
Auf dem Blog hier habe ich viel zurückgehalten. Die alten Beiträge zu lesen tut mir weh, weil ich zwischen den Zeilen den Schmerz erkenne, und wie sehr ich mich angestrengt habe, es absolut allen recht zu machen, worüber ich mich dann total vernachlässigt habe.
Ein paar Wochen nach der ersten Unterhaltung hat mich Karo besucht (zu einem unseren monatlichen Wochenendtreffen, die wir nach wie vor haben). Dort haben wir uns dann an einem Abend zusammengesetzt und ich habe ihr alte Briefe gezeigt, die ich an sie geschrieben habe wenn es etwas gab was ich ihr nicht sagen konnte, in der Hoffnung, dass irgendwann einmal ich dran bin, und sie auch meinen Schmerz aushalten kann.
Die Briefe sind alle in einem Buch. Der erste Eintrag ist vom 29. September 2014:
Über ein halbes Jahr lang habe ich immer wieder in das Buch geschrieben, wenn es Dinge gab, die ich Karo nicht direkt sagen konnte. Manchmal war ich sehr frustriert. Manchmal war ich sehr wütend - und hab mir das, in diesem Buch, endlich auch einmal erlaubt. Manchmal hat mir alles weh getan und ich war überfordert oder habe mir gewünscht, jemand anderen zu lieben, mit dem es vielleicht leichter wäre. Manchmal gab es auch gute Momente, in denen ich Karo ein bisschen in meine Probleme einweihen konnte und sie für mich da war.
An diesem Wochenende vor drei Wochen haben Karo und ich zusammen all diese Briefe durchgelesen und uns darüber unterhalten. Das war nicht immer leicht, für uns beide nicht, aber mir hat es auch wahnsinnig gut getan. Ich hatte es mir immer gewünscht und immer darauf gehofft, dass Karo eines Tages bereit wäre, mit meinem Schmerz von damals umzugehen. Aber in vielen Momenten habe ich nicht wirklich daran geglaubt.
In letzter Zeit geht es uns aber wahnsinnig gut zusammen, schon seit so vielen Monaten. Und deshalb war jetzt auch mal die Gelegenheit da, alte Wunden aufzugreifen und noch mal anzuschauen.
Wie Karo an dem Wochenende war, und wie wichtig das für mich war, lässt mir auch jetzt noch mal Tränen in die Augen steigen. Durch den direkten Vergleich mit ihrem früheren Verhalten ist mir so deutlich aufgefallen, an was für einem besseren Punkt wir jetzt so langer Zeit sind und wie weit wir uns weiterentwickelt haben - jede für sich, aber auch zusammen als Paar.
Karos ganze Aufmerksamkeit einfach bei mir zu haben und sie ganz für mich da sein zu sehen, in einem Bereich der sie eigentlich so persönlich betrifft und wo sie ja auch große Schuldgefühle haben könnte - das war so heilend. Dass wir so ernsthaft über unsere damaligen Probleme reden konnten und ich so sehr angenommen war. Für all das bin ich unglaublich dankbar.
Und es hat auch wirklich gut getan zu sehen, wie viel Weg wir zurückgelegt haben in den viereinhalb Jahren unserer Beziehung. Zwischen diesen schlimmen Momenten damals und heute liegen wirklich Welten. Auch damals gab es gute Zeiten, natürlich. Aber insgesamt weiß ich auch, dass ich wahnsinnig viel ausgehalten habe.
Und heute ist das einfach anders. Natürlich gibt es nach wie vor Dinge, die mich auch mal belasten. Wir streiten manchmal oder unterhalten uns sehr emotional über etwas, was eine von uns verletzt hat. Aber wir können das halt mittlerweile. Wir wissen beide viel besser, wie wir miteinander und mit uns selbst umgehen können, und deshalb ist unsere Beziehung um so viel gesünder.
Wir haben beide echt so viel zurück gelegt. Ich bin wahnsinnig stolz auf uns. Und ziemlich happy. :)
Daraus ist eine Unterhaltung entstanden darüber, wie sie sich früher oft verhalten hat (verhalten musste; in ihren Augen damals und um nicht kaputt zu gehen), und wie wahnsinnig weh mir das oft getan hat.
"Mir kommt es irgendwie so vor als hätte ich dich zeitweise ziemlich ausgenutzt..." hat sie geschrieben, "nur genommen anstatt mal was zu geben, und das ist arschig."
Ich habe mich damals kaum getraut, so was selbst zu fühlen, geschweige denn auch mal auszusprechen. Stattdessen habe ich mir Karos Verhalten immer erklärt. Und das war ja auch richtig so, sie hatte ja immer ihre Gründe und hat das nicht getan, weil sie Spaß dran hatte - für sie war das alles, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen konnte. Das wusste ich auch damals schon. Und deshalb... naja, deshalb hab ich viel ausgehalten und mir eingeredet, dass es gar nicht alles so weh tut, wie es vielleicht getan hat.
Karo hat diese Unterhaltung angefangen, nachdem sie alte Blogeinträge von mir gelesen hat. Das hab ich dann im Anschluss auch gemacht. Normalerweise mache ich das nie - eben weil es mir sehr schwer fällt zu sehen, wie viel ich weggesteckt habe und wegerklärt, ohne mir selbst die Gefühle zu erlauben, die ich eigentlich hatte.
Hier zum Beispiel, Dezember 2014, "Nicht Bescheid wissen":
In anderen Bereichen ist das schwerer. Ein Beispiel ist, dass Karo darüber gebloggt hat, dass sie mit ihrer Therapeutin über ihre Zukunft gesprochen hat, und über das Gespräch am Mittwoch (morgen) mit ihren Eltern.
Ich bin gerade sehr unruhig deswegen. Ihre Zukunft - das geht auch mich etwas an. Ich würde so, so gerne wissen, was sie besprochen haben.
Aber: Ich weiß ja auch, dass Zukunft für Karo ein ganz ganz schwieriges Thema ist. Es macht sie oft fertig, darüber nachzudenken. Und nicht zuletzt weiß ich, auch aus Erfahrung, dass Karo mir sagen wird, wenn es eine wichtige Entwicklung gibt. Diese Gedanken beruhigen mich. Ich weiß, dass ich Karo damit gut tue, wenn ich sie in Ruhe lasse, und dass sie mit mir reden wird, wenn sie 1. so weit ist und 2. der Bedarf da ist, ich also etwas wissen sollte (oder natürlich, sie einfach Lust dazu hat ;) ).
So ging es mir damals häufiger. Karo hat mir manchmal viel erzählt von sich, aber es gab auch sehr sehr oft Phasen und Momente, in denen ich kaum etwas von den wichtigen Dingen in ihrem Leben erfahren habe. Manchmal habe ich dann auf Umwege davon erfahren, zum Beispiel über so einen Blogeintrag. Oder sie hat Dinge nebenbei erwähnt, die mich wahnsinnig beschäftigt haben, ohne mir aber die Gelegenheit zu geben, mit ihr darüber zu sprechen.
Wie man aus dem Beispiel vom Blogeintrag sieht, habe ich vor allem mir zurechtgelegt, warum sie tut, was sie tut. Das war auch sehr wichtig für mich, denke ich, sehr richtig und sinnvoll. Aber nichtsdestotrotz hat es mir wahnsinnig weh getan, mich wütend gemacht und verletzt, und keine dieser Emotionen habe ich mir uneingeschränkt erlaubt. Erst recht keine Wut. Wütend? Ich? Nein, das war ich nie.
(Plot Twist: Ich war es doch. Und dass ich mir das nicht erlaubt habe, hat mir nur noch mehr weh getan.)
Auf dem Blog hier habe ich viel zurückgehalten. Die alten Beiträge zu lesen tut mir weh, weil ich zwischen den Zeilen den Schmerz erkenne, und wie sehr ich mich angestrengt habe, es absolut allen recht zu machen, worüber ich mich dann total vernachlässigt habe.
Ein paar Wochen nach der ersten Unterhaltung hat mich Karo besucht (zu einem unseren monatlichen Wochenendtreffen, die wir nach wie vor haben). Dort haben wir uns dann an einem Abend zusammengesetzt und ich habe ihr alte Briefe gezeigt, die ich an sie geschrieben habe wenn es etwas gab was ich ihr nicht sagen konnte, in der Hoffnung, dass irgendwann einmal ich dran bin, und sie auch meinen Schmerz aushalten kann.
Die Briefe sind alle in einem Buch. Der erste Eintrag ist vom 29. September 2014:
(...) Du brauchst mich zurzeit so sehr. Und seit ein paar Wochen oder Monaten habe ich, glaube ich, irgendwie den Clou raus, wie ich für dich da sein kann. (...) Aber das hat auch seinen Preis. Ich halte viel, viel mehr zurück als früher. Ich dränge dir keine Diskussionen und Gespräche mehr auf, wenn ich es irgendwie vermeiden kann. Aber das heißt eben auch, dass viele meiner Gedanken, Gefühle, Enttäuschungen, Sorgen... dass viel von dem für mich allein bleibt. Und das tut mir so weh und kostet viel Kraft. Ich kämpfe oft mit mir, weil ich das alles mit dir teilen, aber dich auch nicht belasten will. (...) Ich teile dir hier alles mit, wie es mir mit uns, mit unserer Beziehung geht, jeden Tag - zumindest hoffe ich das -, aber es belastet dich nicht und zerstört nicht den liebevollen Umgang momentan zwischen uns, der mich so glücklich macht. Aber wenn du stark genug bist, wenn du gesund bist - dann will ich dich aufholen lassen. Dann will ich dir zeigen, was ich dir jetzt alles nicht sagen kann. (...)"
Über ein halbes Jahr lang habe ich immer wieder in das Buch geschrieben, wenn es Dinge gab, die ich Karo nicht direkt sagen konnte. Manchmal war ich sehr frustriert. Manchmal war ich sehr wütend - und hab mir das, in diesem Buch, endlich auch einmal erlaubt. Manchmal hat mir alles weh getan und ich war überfordert oder habe mir gewünscht, jemand anderen zu lieben, mit dem es vielleicht leichter wäre. Manchmal gab es auch gute Momente, in denen ich Karo ein bisschen in meine Probleme einweihen konnte und sie für mich da war.
An diesem Wochenende vor drei Wochen haben Karo und ich zusammen all diese Briefe durchgelesen und uns darüber unterhalten. Das war nicht immer leicht, für uns beide nicht, aber mir hat es auch wahnsinnig gut getan. Ich hatte es mir immer gewünscht und immer darauf gehofft, dass Karo eines Tages bereit wäre, mit meinem Schmerz von damals umzugehen. Aber in vielen Momenten habe ich nicht wirklich daran geglaubt.
In letzter Zeit geht es uns aber wahnsinnig gut zusammen, schon seit so vielen Monaten. Und deshalb war jetzt auch mal die Gelegenheit da, alte Wunden aufzugreifen und noch mal anzuschauen.
Wie Karo an dem Wochenende war, und wie wichtig das für mich war, lässt mir auch jetzt noch mal Tränen in die Augen steigen. Durch den direkten Vergleich mit ihrem früheren Verhalten ist mir so deutlich aufgefallen, an was für einem besseren Punkt wir jetzt so langer Zeit sind und wie weit wir uns weiterentwickelt haben - jede für sich, aber auch zusammen als Paar.
Karos ganze Aufmerksamkeit einfach bei mir zu haben und sie ganz für mich da sein zu sehen, in einem Bereich der sie eigentlich so persönlich betrifft und wo sie ja auch große Schuldgefühle haben könnte - das war so heilend. Dass wir so ernsthaft über unsere damaligen Probleme reden konnten und ich so sehr angenommen war. Für all das bin ich unglaublich dankbar.
Und es hat auch wirklich gut getan zu sehen, wie viel Weg wir zurückgelegt haben in den viereinhalb Jahren unserer Beziehung. Zwischen diesen schlimmen Momenten damals und heute liegen wirklich Welten. Auch damals gab es gute Zeiten, natürlich. Aber insgesamt weiß ich auch, dass ich wahnsinnig viel ausgehalten habe.
Und heute ist das einfach anders. Natürlich gibt es nach wie vor Dinge, die mich auch mal belasten. Wir streiten manchmal oder unterhalten uns sehr emotional über etwas, was eine von uns verletzt hat. Aber wir können das halt mittlerweile. Wir wissen beide viel besser, wie wir miteinander und mit uns selbst umgehen können, und deshalb ist unsere Beziehung um so viel gesünder.
Wir haben beide echt so viel zurück gelegt. Ich bin wahnsinnig stolz auf uns. Und ziemlich happy. :)
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Zweifel
Dienstag, 3. Oktober 2017
50 Fakten über mich
Karo und ich haben
uns überlegt (okay, zugegeben, hauptsächlich war sie das), dass wir
auf unseren Blogs gerne mal mehr über uns schreiben würden. Wir
erzählen hier sehr viel von unseren jeweiligen Themen (sie von ihren
Krankheiten und Therapie, ich von unserer Beziehung und wie sie
dadurch beeinflusst wird), aber es gibt noch sehr viel mehr zu uns
beiden.
Hier sind also 50
Fakten über mich:
-
Ich will gerade Pizza. Oder Döner.
-
Ich will immer alles perfekt machen (und deshalb fällt mir kein zweiter Punkt ein).
-
Ich liebe es Podcasts anzuhören.
-
Mein liebster Podcast ist Dear Hank and John. Mein zweitliebster ist Psychobabble.
-
Der Great British Bake Off ist eine absolut tolle Fernsehshow.
-
Ich kann es kaum erwarten mit Karo zusammenzuziehen und dann YouTube auf dem Fernseher ansehen zu können.
-
Ich bin schlecht in Videospielen.
-
Ich liebe Videospiele.
-
Ich bin schlecht im Tanzen, ich krieg das nie koordiniert.
-
Ich liebe tanzen.
-
Manchmal schaue ich eine ganze Stunde lang Tanzvideos auf YouTube und bewundere die Menschen, die das so gut können.
-
Ich schaue viel YouTube.
-
Ich schaue nie fern.
-
Ich habe schon immer gern gelesen.
-
Zurzeit lese ich fast nur fanfictions. Die sind toll aus zehntausend Gründen und ich werd sie alle verteidigen.
-
Ich schreibe fanfictions.
-
Ich habe insgesamt 480 Likes bei meinen Fanfictions und bin verdammt stolz drauf.
-
Ich mag Englisch sehr gern und schreibe, lese und höre es mehrere Stunden am Tag.
-
Als Kind habe ich in mein Tagebuch geschrieben, dass ich irgendwann so gut Englisch wie Deutsch können will.
-
Manchmal fallen mir deutsche Wörter nicht ein aber englische schon, oder ich verwechsel die Grammatik.
-
Ich weine viel.
-
Ich werde immer besser darin zu spüren und zu zeigen, wie es mir geht.
-
Als ich das erste mal verliebt war, war ich 14.
-
Als ich das erste mal wusste dass ich verliebt war (und mir klar wurde dass ich Frauen mag), war ich 15.
-
Ich bin bisexuell.
-
Ich habe erst vor kurzem beschlossen mich als bisexuell zu identifizieren, davor habe ich lange Zeit lesbisch gesagt, und erst in den letzten zwei Jahren gemerkt dass ich auch Männer attraktiv finde.
-
Die Person in die ich das erste Mal verliebt war, hat mich bei meinen Eltern geoutet.
-
Meine Eltern sind wundervoll und das sage ich nicht nur, weil meine Mama das hier lesen wird :)
-
Ich bin in allen Bereichen meines Lebens geoutet.
-
Meine Großeltern tun sich wohl sehr schwer damit, und ein paar meiner Onkel auch. Das tut manchmal weh.
-
Als die Ehe für Alle befürwortet wurde, habe ich geweint.
-
Ich finde Politik sehr wichtig.
-
Ich bin sehr froh, dass ich mit Freunden, Familie und besonders auch Karo über Politik diskutieren kann.
-
Um die neuesten Nachrichten mitzubekommen, benutze ich die SZ-App.
-
Ich habe ein Fairphone.
-
Nachhaltigkeit, faire Produktion und Ökologie sind mir wichtig.
-
Ich koche gerne.
-
Als ich ausgezogen bin konnte ich die Basics kochen, und so richtig habe ich es dann zusammen mit einer meiner besten Freundinnen gelernt, mit der ich zusammengezogen bin.
-
Ich habe vier beste Freundinnen. Mit zwei von ihnen bin ich 13 Jahre befreundet, mit den anderen beiden 10.
-
Meine Freunde sind mir unglaublich wichtig. Ich weiß dass sie immer da sein werden und absolut hinter mir stehen, so wie ich auch für sie.
-
Dadurch dass ich Fan englischer YouTuber bin, habe ich viele Internetfreunde aus unterschiedlichen Ländern.
-
Im April bin ich nach Amsterdam gereist, um dort einen der für mich wichtigsten YouTuber zu treffen.
-
Ich habe mir ein Paar Socken gestrickt und will das wieder tun.
-
Ich fahre oft mit dem Fahrrad zur Uni.
-
Ich studiere Psychologie, momentan im 3. Mastersemester.
-
Meine gesamte Verwandtschaft lebt sehr nah in der Heimat. Mit Karo zusammenzuziehen nächstes Jahr, so weit weg davon, ist ein großer Schritt für mich.
-
Ich arbeite noch daran, meine eigenen Gefühle gut wahrzunehmen, ernst zu nehmen und zu versorgen.
-
Ich habe Linux auf meinem Computer und interessiere mich für technische Dinge. Für das Verhältnis meines Bekanntenkreises kenne ich mich sehr gut aus, im Vergleich zu echten Informatikern oder so quasi gar nicht.
-
Ich bin manchmal recht stur und lerne gerade über mich, dass ich doch auch mal sehr schnell wütend werden kann. Also vielleicht doch kein so untypischer Widder.
-
Mit Menschen zu arbeiten bereitet mir unglaublich viel Freude.
Das hat Spaß
gemacht! Und ging so schnell! Mir würden noch 50 mehr einfallen!
Wir haben alle
unsere Geschichten, und hier erzähle ich einen Teil meiner
Geschichte aus einem speziellen Bereich meines Lebens. Aber es gibt
viele weitere Dinge die jeden von uns ausmachen.
Immer wieder bekomme
ich Kommentare von Menschen in Beziehungen mit meistens Borderlinern,
die oft sehr belastet sind. Ich selbst bin auch manchmal belastet.
Gerade in solchen Momenten kann es sehr wichtig und hilfreich sein
sich bewusst zu machen, was sonst noch alles im Leben zählt – und
wenn es sehr schwer fällt, 50 Dinge zu finden, am besten daran zu
arbeiten, diese Bereiche mal auszuarbeiten. Niemand ist nur seine
Beziehung.
Es ist auch
nicht immer alles so ernst wie die Themen hier auf diesem Blog. Ich
hoffe, das hat ein bisschen Leichtigkeit reingebracht und zeigt euch,
wer ich sonst noch bin! :)
Und hier sind 50 Fakten über Karo!
Dienstag, 25. Juli 2017
Selbstfürsorge als Angehörige
Manchmal, als Angehörige, da fühl ich mich recht alleine. Ich finde es schwierig, Menschen zu finden, mit denen ich gut über alle meine Gefühle reden kann. Karo als meine Partnerin versteht die Themen vielleicht, aber so gut passt das auch nicht immer. Andere Menschen, wie Freunde und Familie, sind zwar ebenso sofort bereit mich komplett zu unterstützen und mir zuzuhören, aber vielleicht manchmal geschockt von dem was ich erzähle, oder lösen in mir das Gefühl aus, dass ich Karo verteidigen und die Probleme herunterspielen muss. Das ist alles nicht besonders ideal.
Vor einer Weile war ich bei zwei Abenden für Angehörige von psychisch und chronisch Kranken, angeboten von einer Uni-Gemeinschaft. Das war in vielerlei Hinsicht sehr wunderbar.
Am ersten Abend haben wir uns gegenseitig ein bisschen vorgestellt, und dann viel über unsere Rollen gesprochen. Ich bin Partnerin, aber was bin ich noch? Manchmal bin ich praktische Unterstützung, manchmal bin ich eine Schulter zum Ausweinen. Wie fühlen wir uns in diesen Rollen?
Wir kamen alle aus sehr unterschiedlichen Situationen, und trotzdem konnten wir sehr viele dieser Rollen und die verbundenen Gefühle gut nachvollziehen.
Wir haben auch für uns selbst eine Timeline der Erkrankung des Angehörigen und parallel unseres restlichen Lebens aufgestellt. Das fand ich total spannend, weil es mir gezeigt hat, wie viel in sehr kurzer Zeit passiert ist, und wie verständlich es ist, dass vieles davon sehr schwere Zeiten für mich waren.
Eine Woche später ging es vor allem um Selbstfürsorge. Ob man sich verantwortlich fühlt, und wenn ja, wie viel davon angebracht ist. Was man sich selbst eingestehen kann.
Bei vielem davon hatte ich das Gefühl, dass ich da schon sehr weit gekommen bin, was ein schönes Gefühl war. Ich habe in den letzten Jahren viel dazu gelernt, mich selbst als erste Priorität zu sehen und darauf zu achten, dass ich mich um mich selbst kümmere. Da bin ich echt stolz drauf.
Von beiden Abenden habe ich vor allem das Gefühl mitgenommen, wie es ist, einfach verstanden zu werden. Ich konnte Dinge sagen, die andere geschockt hätten, ohne sie groß erklären zu müssen - weil alle anderen auch Geschichten haben, die andere schocken würden. Trotz unserer so unterschiedlichen Erlebnisse haben wir immer wieder einfach nur zustimmend genickt und so viel austauschen können.
Oft gibt es auch sehr zwiespältige Gefühle, finde ich, als Angehörige. Zum Beispiel hat eine Tochter eines krebskranken Vaters erzählt, dass sie sich manchmal einfach ein Ende wünscht, weil es so schwer ist dieses ständige Leid mitzuerleben - aber natürlich will sie nicht, dass er stirbt. Sie will nur, dass es leichter wird. Das hab ich in anderen Bereichen total gut verstanden, und auch viele andere, so wie es ausgesehen hat. Diese komplexen Situationen sind oft so schwer zu beschreiben, und manchmal fühlt man sich schuldig für Gefühle die man hat oder will nicht davon erzählen, weil man nicht missverstanden werden möchte. In diesem Rahmen ist das aber so einfach möglich, weil alle wissen wie komplex unsere Situationen sind, und was so ein Wunsch bedeutet und was eben auch nicht.
Ich habe mich in der Gruppe einfach sehr geborgen und verstanden gefühlt, und das hat unglaublich gut getan. Als Angehöriger ist man oft an der Seite und will die eigenen Probleme nicht in den Vordergrund stellen, gleichzeitig steckt man aber auch in vielen wirklich schwierigen Situationen. Ich bin sehr dankbar für solche Austauschmöglichkeiten und kann jedem raten, solche Gelegenheiten zu ergreifen! Es kann echt Wunder wirken, wenn jemand einfach weiß, ohne dass man viel erklären muss.
(Ein bisschen habe ich ja immer gehofft, das mit diesem Blog zu schaffen. Zu zeigen: Du bist nicht allein, mir geht es auch so. Und vielleicht eben selbst zu sehen, dass andere genau verstehen wie es mir geht. Falls du jemand bist der aus diesem Grund mitliest würde ich mich total über einen Kommentar freuen!)
Vor einer Weile war ich bei zwei Abenden für Angehörige von psychisch und chronisch Kranken, angeboten von einer Uni-Gemeinschaft. Das war in vielerlei Hinsicht sehr wunderbar.
Am ersten Abend haben wir uns gegenseitig ein bisschen vorgestellt, und dann viel über unsere Rollen gesprochen. Ich bin Partnerin, aber was bin ich noch? Manchmal bin ich praktische Unterstützung, manchmal bin ich eine Schulter zum Ausweinen. Wie fühlen wir uns in diesen Rollen?
Wir kamen alle aus sehr unterschiedlichen Situationen, und trotzdem konnten wir sehr viele dieser Rollen und die verbundenen Gefühle gut nachvollziehen.
Wir haben auch für uns selbst eine Timeline der Erkrankung des Angehörigen und parallel unseres restlichen Lebens aufgestellt. Das fand ich total spannend, weil es mir gezeigt hat, wie viel in sehr kurzer Zeit passiert ist, und wie verständlich es ist, dass vieles davon sehr schwere Zeiten für mich waren.
Eine Woche später ging es vor allem um Selbstfürsorge. Ob man sich verantwortlich fühlt, und wenn ja, wie viel davon angebracht ist. Was man sich selbst eingestehen kann.
Bei vielem davon hatte ich das Gefühl, dass ich da schon sehr weit gekommen bin, was ein schönes Gefühl war. Ich habe in den letzten Jahren viel dazu gelernt, mich selbst als erste Priorität zu sehen und darauf zu achten, dass ich mich um mich selbst kümmere. Da bin ich echt stolz drauf.
Von beiden Abenden habe ich vor allem das Gefühl mitgenommen, wie es ist, einfach verstanden zu werden. Ich konnte Dinge sagen, die andere geschockt hätten, ohne sie groß erklären zu müssen - weil alle anderen auch Geschichten haben, die andere schocken würden. Trotz unserer so unterschiedlichen Erlebnisse haben wir immer wieder einfach nur zustimmend genickt und so viel austauschen können.
Oft gibt es auch sehr zwiespältige Gefühle, finde ich, als Angehörige. Zum Beispiel hat eine Tochter eines krebskranken Vaters erzählt, dass sie sich manchmal einfach ein Ende wünscht, weil es so schwer ist dieses ständige Leid mitzuerleben - aber natürlich will sie nicht, dass er stirbt. Sie will nur, dass es leichter wird. Das hab ich in anderen Bereichen total gut verstanden, und auch viele andere, so wie es ausgesehen hat. Diese komplexen Situationen sind oft so schwer zu beschreiben, und manchmal fühlt man sich schuldig für Gefühle die man hat oder will nicht davon erzählen, weil man nicht missverstanden werden möchte. In diesem Rahmen ist das aber so einfach möglich, weil alle wissen wie komplex unsere Situationen sind, und was so ein Wunsch bedeutet und was eben auch nicht.
Ich habe mich in der Gruppe einfach sehr geborgen und verstanden gefühlt, und das hat unglaublich gut getan. Als Angehöriger ist man oft an der Seite und will die eigenen Probleme nicht in den Vordergrund stellen, gleichzeitig steckt man aber auch in vielen wirklich schwierigen Situationen. Ich bin sehr dankbar für solche Austauschmöglichkeiten und kann jedem raten, solche Gelegenheiten zu ergreifen! Es kann echt Wunder wirken, wenn jemand einfach weiß, ohne dass man viel erklären muss.
(Ein bisschen habe ich ja immer gehofft, das mit diesem Blog zu schaffen. Zu zeigen: Du bist nicht allein, mir geht es auch so. Und vielleicht eben selbst zu sehen, dass andere genau verstehen wie es mir geht. Falls du jemand bist der aus diesem Grund mitliest würde ich mich total über einen Kommentar freuen!)
Dienstag, 24. Januar 2017
Anleitung zum Glücklichsein (in einer Borderlinerbeziehung)
Mit diesen
Suchbegriffen kommen die meisten Besucher auf meinen Blog und weiter
auf diesen Beitrag.
Für allem für euch verfasse ich heute diesen Blogpost:
Wie ich nach fast
vier Jahren Beziehung mit einer Borderlinerin glücklich mit ihr bin.
(Auch wenn ich von
BorderlinerIN spreche, ich denke, dass es auf die Menschen der
anderen Geschlechter genauso zutrifft. 😊)
Die wichtigsten
Nachrichten zuerst:
Du kannst mit
deiner Borderlinerin glücklich sein.
Ihr könnt lange
zusammen glücklich sein, und eine gesunde Beziehung führen, die
euch beiden gleich viel gibt.
Die Diagnose
Borderline bei deiner Partnerin bedeutet nicht, dass sie dich
betrügen, belügen oder manipulieren wird. Ich sag nicht, dass sie
das ganz bestimmt nicht tut, aber viele Borderliner sind ehrlich und
treu, auch wenn das Klischee etwas anderes sagt.
HOW TO – Wie
geht das jetzt?
Alles was ich habe, ist meine persönliche Erfahrung. Ich kann nur
sagen, dass ich glücklich mit meiner Partnerin bin, und dass ich die
folgenden Sachen als wichtig dafür empfinde. Ob sie bei euch genauso
wichtig sind, oder ob das ausreicht? Das müsst ihr selbst
herausfinden.
1. Deine Gefühle sind wichtig.
Gerade
als gesunde Partnerin kann es schnell
passieren, dass man die eigenen Gefühle hinten anstellt und die der
Borderlinerin wichtiger nimmt. Deine Gefühle zählen aber genauso
viel, und für dein eigenes Leben sogar mehr. Du bist die wichtigste
Person in deinem Leben! Ja, du. Nein, nicht deine Partnerin. Du
allein. Und deshalb hast du das Recht – und die Pflicht! - deine
Gefühle auch als das Wichtigste
zu behandeln. Nur, weil du vielleicht weniger intensiv fühlst, haben
diese Gefühle nicht weniger Daseinsberechtigung.
Wenn
du dich selbst ständig unterordnest, wirst du nicht glücklich und
zufrieden werden. Das führt nur dazu, dass du irgendwann frustriert
bist, auch wenn du in diesem Moment gerade denkst, du könntest es
gut aushalten und es wäre die beste Entscheidung. Auch für deine
Partnerin ist es nicht gesund, wenn du nicht auf dich selbst achtet.
Sie kämpft schon genug damit, ihre eigenen Gefühle als wichtig
anzunehmen und mit ihnen umzugehen. Dass du dich selbst nicht ernst
genug nimmst, ist etwas, was weder du noch sie brauchen könnt.
Die
Gefühle von dir und deiner Partnerin sind gleich wichtig, und sie
zählen nicht mehr, nur weil ihr bestimmte Diagnosen habt oder nicht
habt.
Erlaube
dir, zu fühlen was du fühlst. Vergleiche das nicht mit deiner
Partnerin. Du zählst für die
Person,
die du bist. Und gib deinen Gefühlen einen Raum. Tu das, was für
dich wichtig ist. Das ist dein Recht.
2. Du bist nicht für die Entscheidungen und die Gesundheit deiner Partnerin verantwortlich.
Deine Partnerin ist ein erwachsener Mensch. Oder zumindest auf dem
Weg dorthin. Warum glaubst du, du hast das Recht, ihr ihre
Eigenständigkeit wegzunehmen?
Ja, es mag schwer für dich sein, zum Beispiel Selbstverletzungen
deiner Partnerin mitzuerleben. Du magst vielleicht sehen, dass
manches Verhalten von ihr ungesund ist und ihr auf lange Sicht weh
tun wird, und du willst das verhindern, weil sie dir am Herzen liegt.
Du willst sie glücklich machen und ihr etwas von ihrem Schmerz
nehmen.
Aber das ist nicht deine Aufgabe. Du sollst, und du musst, dich nicht
für die Entscheidungen deiner Partnerin schuldig fühlen. Und du
bist nicht die Person, die sie heilen wird. Auch niemand anderes wird
das tun. Das ist allein ihre Aufgabe.
Wenn du deiner Partnerin sagst,
was sie tun soll und was nicht, dann nimmst du ihr gerade das, was
ein Teil ihres gesunden Verhaltens ist: Für sich selbst
Verantwortung zu übernehmen. Das gehört zu uns allen als erwachsene
Menschen dazu, und das ist eine gute Eigenschaft. Du hast nicht das
Recht, Entscheidungen für deine Partnerin zu treffen, sie zu
„erziehen“, selbst
wenn du findest, dass ihre eigenen Entscheidungen nicht gut für sie
sind.
Und auch du selbst sollst dir das nicht antun. Du entscheidest nicht,
dass sie sich selbstverletzt. Du bist nicht Schuld. Es ist nicht in
deiner Verantwortung, sie davon abzuhalten oder sie zu retten. Du
musst dich nicht schlecht fühlen, nur weil sie sich schlecht fühlt.
Ihre Entscheidungen, ihr Leben, ihre Gefühle – deine
Entscheidungen, dein Leben, deine Gefühle. Ihr wollt euer Leben
miteinander teilen, aber ihr müsst nicht eure Gefühle füreinander
fühlen.
3. Redet miteinander – aber überfallt euch nicht.
Offene Gespräche sind in jeder Beziehung wichtig. Das ist nicht
anders, wenn (mindestens) eine Borderlinerin involviert ist.
In manchen Beziehungen mit einer Borderlinerin kann das Angst machen.
Sie mag impulsiv reagieren, sofort sehr abwehrend sein und sich gegen
dich stellen, oder bei sich selbst die Schuld sehen, wenn du etwas
ansprichst was dir wichtig ist. Trotzdem, oder gerade deswegen, ist
es sehr wichtig, dass ihr über eure Beziehung miteinander sprecht.
Du darfst ihr sagen, was dich stört und was du brauchst, und sie
darf das genauso tun.
Hilfreich kann dabei sein, so ein Gespräch vorher anzukündigen. „Es
gibt etwas, was mir zurzeit schwer fällt in unserer Beziehung. Ich
möchte gern darüber reden. Wann hast du dafür mal Zeit?“
Vielleicht kannst du auch das grobe Thema schon nennen, oder dazu
sagen, dass du nicht vor hast Schluss zu machen (es sei denn, du hast
das 😉). Zusammen einen Zeitpunkt auszumachen gibt euch beiden die
Gelegenheit, euch gedanklich darauf vorzubereiten und euch Zeit
füreinander zu nehmen. Da ist die Chance auf ein ruhiges Gespräch
viel größer.
Dabei ist es auch wichtig, dass du deine Themen nicht ewig lange
versteckt hältst, bis sie riesengroß und plötzlich ganz wichtig
sind und aus dir herausplatzen, und deine Partnerin total
überfordern. Wenn du immer so tust als ob nichts wäre, und dann auf
einmal sagst dass es etwas gibt was total schlimm für dich ist, na,
klar ist da deine Partnerin erschrocken! Auch wenn du Angst vor der
Auseinandersetzung hast, die durch das Gespräch entstehen könnte
und möglicherweise sehr hitzig wird – es ist besser, wenn du
frühzeitig sagst, was los ist.
Außerdem: Ihr habt beide das Recht darauf, eine gesunde
Gesprächskultur zu haben. Auseinandersetzungen machen Angst, aber
für Borderliner ist es bestimmt auch schön zu sehen, dass man
unterschiedliche Meinungen haben kann, und trotzdem zueinander steht.
4. Respektiere deine Partnerin, und erwarte Respekt von ihr.
Die Gefühle deiner Partnerin sind echt. Auch wenn du sie nicht
verstehen kannst, auch wenn sie dir intensiv erscheinen. Ihre
Handlungen haben Gründe, die aus ihrer Sicht total gerechtfertigt
sind. Sie ist nicht verrückt und macht total komische Sachen – sie
hat ihre eigenen Begründungen für ihr Tun, und wenn sie dir das
erklären kann, wirst du es wahrscheinlich auch verstehen. Begegne
ihr also mit Respekt.
Genauso hast auch du Respekt verdient. Du darfst Grenzen setzen
(genauso, wie sie das darf) und auf diesen beharren. Wenn es etwas
gibt, was für dich gar nicht geht, dann musst du dir das nicht
gefallen lassen, nur weil deine Partnerin eine bestimmte Diagnose
hat. Bonuspunkte gibt‘s, wenn ihr eure Grenzen klar kommuniziert.
:)
Respekt bedeutet auch, dass ihr eure gegenseitigen Anstrengungen
anerkennt. Das hier sind alles Tipps für dich als Partnerin und
Erwartungen daran, wo du an dir arbeiten sollst um die Beziehung
gelingen zu lassen. Behalte im Kopf, dass deine Partnerin mindestens
genauso viel investiert, um die Beziehung für euch beide gut zu
gestalten. Sich darüber zu unterhalten, welche Anstrengungen ihr
beide unternehmt und die dann gegenseitig anzuerkennen kann euch
beiden gut tun.
5. Gönnt euch gegenseitig Freiräume.
Bei Borderlinern kochen Gefühle häufig hoch. Manchmal kann es
hilfreich sein, wenn deine Partnerin sich dann zurückzieht und ihre
eigenen Skills anwendet, um mit den Gedanken und ihrem Gefühlschaos
klarzukommen. Gib ihr diesen Freiraum. Danach ist die Stimmung
bestimmt ruhiger, und ihr könnt klarer miteinander sprechen.
Auch du hast Freiräume verdient.
Wenn sich deine Partnerin
zurückzieht, respektiere das – und nutze die Gelegenheit, um etwas
für deine eigenen Gefühle zu tun. Und auch, wenn sie sich nicht von
sich aus zurückzieht, aber du etwas Platz brauchst: Nimm dir das.
Erklär ihr was los ist, und dass du zurückkommst, aber Pause
brauchst, und mach Pause. Tu das, was du selbst gerade brauchst.
Ihr beide habt es verdient, euch einfach mal um euch selbst zu
kümmern.
Oft wird davon gesprochen, dass Borderliner ganz normale Gefühle
haben, nur eben viel viel intensiver. Ich finde, das gleiche trifft
auf diese Tipps zu. All das was ich genannt habe, ist in jeder
Beziehung hilfreich, um sie gesund zu halten. In einer
Borderlinerbeziehung sind sie meiner Erfahrung nach nur eben noch
etwas wichtiger.
Die ersten zwei Jahre in unserer Beziehung waren nicht leicht. Ich
habe all das erst lernen müssen. Meine Partnerin hat ihre eigenen
Lektionen lernen müssen. Wir haben viele Höhen, aber auch viele
Tiefen gehabt, und haben uns ein paar Mal fast getrennt. Wir sind
nicht immer gesund miteinander umgegangen und haben vieles falsch
gemacht.
Aber wir haben es gelernt. Und wenn ich jetzt mit anderen Paaren
rede, die länger als wir zusammen sind – selbst mit meinen Eltern!
-, dann sind diese Dinge genau das, was auch sie lernen müssen, um
sich gegenseitig gut zu tun und miteinander glücklich zu sein.
Wir haben es vielleicht viel früher und schneller und auf eine
härtere Art gelernt als andere. Es gibt auch mit Sicherheit noch
vieles, was wir noch lernen müssen und woran wir arbeiten werden.
Aber ich fühle mich unabhängig, stark, glücklich und gehalten in
meiner Beziehung. Karo sieht mich und unterstützt mich, und der
gegenseitige Respekt füreinander ist riesig. Wir lernen immer noch,
offen miteinander zu reden, aber wir können es auch schon wirklich
gut. Dass Karo Borderline hat ist ein kleiner Nebenaspekt in unserer
Beziehung geworden, an den ich kaum noch denke. Wir gehen einfach
nebeneinander durchs Leben, helfen uns gegenseitig unsere eigenen
Lebenslektionen zu lernen und stehen füreinander ein.
Früher dachte ich in manchen schwierigen Zeiten, dass unsere Liebe
den Schmerz schon wert ist. Heute weiß ich, dass ich mir diesen
Schmerz nicht zufügen muss und die Liebe trotzdem haben kann.
Deine Partnerin, dein Partner, hat viele Herausforderungen im Leben.
Wenn sie oder er Therapie macht, kann das auch euch beiden helfen
(und für mich und Karo war es bestimmt auch sehr zentral, dass sie
so sehr an sich selbst gearbeitet hat).
Komplett unabhängig davon ist es
aber für eine gesunde Beziehung wichtig, dass auch du die Beziehung
gesund hältst. Nimm
dich selbst wichtig. Du bist es. Und mach dich selbst glücklich. Du
hast es verdient.
Hier gibt's den Post auch noch in English :)
Hier gibt's den Post auch noch in English :)
Samstag, 14. Januar 2017
Besuch in der Klinik
Heute habe ich Karo
das zweite Mal in der Klinik besucht. Ich wollte ein bisschen davon
erzählen, wie es war und was wir gemacht haben und wie‘s uns so
geht. :)
Nach dreieinhalb
Jahren Fernbeziehung ist es mittlerweile Normalität, sich nach etwa
einem Monat endlich wieder umarmen zu können. Die Aufregung ist
nicht mehr da, aber dafür fühlt es sich jetzt wie nach Hause kommen
an, selbst wenn es an einem Ort ist, wo keine von uns beiden zuhause
ist.
Die erste Umarmung
und der erste Kuss sind immer wundervoll. <3
Karo und ich haben
uns zuerst unsere Weihnachtsgeschenke gegeben, weil wir an
Weihnachten beide bei unseren Familien waren. Sie hat schon seit
Wochen ständig erzählt dass sie mir was tolles macht, und sie hat
es ständig in der Klinik herumgezeigt und mir gesagt wie süß es
alle finden – das war echt gemein! ;) Und heute durfte ich es
endlich sehen: Sie hat mir eine Schachtel gebastelt, und, vor allem,
ein Buch darüber warum sie mich liebt, total schön personalisiert
mit vielen Fotos und Erinnerungen und aaaaaaaaaaaaaaaahhhhhh <3 <3
<3 <3 Ich hab mich unglaublich gefreut, und definitiv fast
geweint!!
Ich hab Karo eine
Zeitschrift geschenkt und ein Armband, von dem ich das gleiche habe.
Sie hat sich total gefreut darüber, was mich echt glücklich gemacht
hat. *___*
Dann haben wir
zusammen in der Stadt Mittag gegessen und sehr viel geredet. Obwohl
wir mehrmals die Woche telefonieren, oft auch zumindest kurz täglich,
gibt es doch immer Gespräche, die sich leichter führen lassen wenn
man sich gegenüber sitzt und auch wirklich viel Zeit füreinander
hat. Karo hat mir viel von ihren Therapien erzählt. Zu hören wie
sehr sie an sich arbeitet, wie viel sie lernt und wie wohl sie sich
dort fühlt, wie stark die Gefühle sind die so dort erlebt – das
hat mir die Tränen in die Augen getrieben. Ich bin so, so unendlich
stolz auf sie. Sie ist so reflektiert und stark und mutig, und es
gibt kaum jemanden den ich so sehr bewundere wie sie. Was Karo
tagtäglich leistet und ganz besonders jetzt in der Klinik ist etwas,
wovon sich viele Menschen eine Scheibe abschneiden können.
Dass sie mich so
sehr an diesem Prozess teilhaben lässt und mich so so offen in ihr
Leben einlädt bedeutet mir echt viel.
Mich beschäftigen
zurzeit oft Fragen nach meiner Zukunft, und ich konnte mit ihr unter
anderem auch darüber reden. Insbesondere haben wir auch darüber
geredet, dass ich nach meinem Master zu ihr ziehen möchte, auch wenn
mir diese Entscheidung Angst macht, weil dann die Entfernung zu
meiner Familie ziemlich groß sein wird. Es hat mir echt gut getan,
mit ihr noch einmal darüber zu sprechen und sie einfach so
verständnisvoll an meiner Seite zu haben, und mir Mut zu machen. Ich
kann mich bei Karo bedingungslos fallen lassen, und das weiß ich
unendlich zu schätzen. <3
Nachmittags haben
wir uns mit einer Mitpatientin von Karo getroffen, mit der sie sich
sehr gut versteht. Das war echt schön! Sie war auch total lieb und
wir hatten eine richtig gute Zeit zusammen.
Auch als wir wieder
zurück in der Klinik und auf Station waren hab ich noch einige
andere Menschen kennengelernt. Ich find so was total schön! Karo
erzählt mir oft von ihnen und mich mal selbst mit ihnen zu
unterhalten und Gesichter zu den Namen zu haben ist da echt wertvoll.
Ganz besonders weil
sie auch alle echt nett zu sein scheinen und teilweise auch wirklich
lustig sind ;) Ich finde das etwas ganz Besonderes, diese Stimmung
auf Station mitzubekommen. Alle sind sehr offen miteinander, und
soweit ich das sehen konnte, wird sehr respektvoll miteinander
umgegangen, weil alle zumindest ungefähr wissen, mit welchen
Problemen das Gegenüber zu kämpfen hat. Daraus entsteht auch ein
total angenehmer Humor, bei dem es für niemanden ein Problem zu sein
scheint, miteinander über die eigenen Schwierigkeiten zu lachen. Ich
kann gut verstehen, warum Karo sich mit diesen Menschen und auf
Station mittlerweile so wohl fühlt.
Karo grade mal für
einige Stunden sehen zu können, das ist schwer. Die Fernbeziehung
und die Zeiten zwischen den Besuchen sind wir ja gewohnt, aber wir
sind es halt auch gewohnt, dann miteinander kuscheln und ein
Wochenende intensiv miteinander verbringen zu können. Nur ein paar
Stunden in mehr oder weniger Öffentlichkeit zu haben, das ist
schwer, vor allem jetzt, wo ich gerade in der S-Bahn sitze und wieder
von ihr weg fahren muss. :(
Aaaaber ich will
mich nicht beschweren. Es ist ja auch nur für einige Wochen/Monate
so, und danach haben wir wieder Zeit uns miteinander einzuigeln ;)
Und vor allem bin
ich auch wirklich sehr dankbar, diese Zeit so intensiv miterleben zu
dürfen und hier diesen Teil ihres Lebens sehen zu können! Und,
natürlich, sie überhaupt sehen zu können. Händchen haltend in der
Stadt rumgehen zu können. Auf Station zu sehen, wie alle wissen, wer
ich für sie bin. :) Sie beim Tischtennisspielen in eine Ecke zu
ziehen und zu küssen. <3
Jaaaa, ich bin grad emotional. Es war halt schön! Und ich hab sie halt echt ganz, ganz doll lieb! :) Aber um solche Dinge zu lesen seid ihr ja auch hier. Also, gern geschehen ;)
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