Donnerstag, 30. Juli 2015

Kamikazefliege.


Kamikazefliege - Judith Holofernes
Komm wir verbrennen uns die Finger, rennen uns die Köpfe ein,
laufen blindlings gegen Mauern und in offne Messer rein.
Lieber bluten wir zusammen, als ganz allein zu stehn.
Wer will nicht lieber aus Liebe als gar nicht zugrunde gehn?

Kamikazefliege möcht ich sein,
für Kamikazefliegen ist noch der Himmel zu klein.
Und ich weiß du lässt mich nicht allein,
darum sollst du mein Kamikazecopilot sein.

Ich möchte alle Brücken sprengen, mit dir am seidnen Faden hängen,
mir die Augenbraun versengen an dir.
Wir lassen alle Stricke reißen, lass dein Gewissen dich nicht beißen, wenn dich Liebesbisse reizen, hol sie dir von mir.

Wir haben gesagt, wir wollen riskieren uns im Feuer zu verlieren, lieber als nie was zu riskieren und uns dann doch zu verlieren, ohne Grund.
Ich werd den Kompass wohl verschenken, werd das Rettungsboot versenken, lieber als nur dran zu denken, lieb ich mich an dir wund.

Kamikazefliege möcht ich sein,
für Kamikazefliegen ist noch der Himmel zu klein.
Und ich weiß du lässt mich nicht allein,
darum sollst du mein Kamikazecopilot sein.

Lieber öfters mal nen Fuß in der Scheiße und den andern im Leer'n.
Als immer wieder mit den Augen am Boden diesen Platz überqueren.
Ich sage nicht "Hab keine Angst, ich hab ein Seil es kann uns gar nichts passiern." ich sage nur "Nimm meine Hand, mir wird ganz flau und ich will's trotzdem probiern!"
Die dünne Luft wird so schön heiß unter den Kleidern, jedesmal wenn man fällt.
Und wer weiß, es kann ja sein das dieser Fallschirm uns auch diesmal noch hält.

Kamikazefliege möcht ich sein,
für Kamikazefliegen ist noch der Himmel zu klein.
Und ich weiß du lässt mich nicht allein,
darum sollst du mein Kamikazecopilot sein.


(Und das heißt nicht, dass ich blindlings irgendwohin laufe wo es mir weh tut, nur für die Liebe, und alles im Leben zurück lasse, übrigens. Das heißt, dass ich sehe dass es weh tun kann und unsicher ist, aber die Liebe der Grund ist, warum ich bereit bin, durch diese Unsicherheit und den Schmerz zu kämpfen.)

Goldene Sprenkel.

Hallo... Ja, es gibt mich noch.
Ich habe jetzt sehr lange nicht gebloggt.
Das liegt zum Teil daran, dass das Ende vom Semester war, und ich vier Wochen lang nichts anderes gemacht habe, als von morgens bis abends zu lernen, oder: Nicht zu lernen und ein unglaublich schlechtes Gewissen zu haben und zu versuchen, mich wenigstens effektiv zu entspannen, damit ich danach wieder besser lernen kann.
Ja. War ne schöne Zeit.
Damit hängt auch der andere Grund zusammen, warum ich nicht gebloggt habe.
Durch diesen ganzen Stress war es sehr schwierig für mich, mit all dem, was die Beziehung zwischen mir und Karo gerade ist, oder besser gesagt nicht ist, umzugehen. Ich habe es noch so einigermaßen geschafft, für Karo da zu sein, wenn sie mich gerade aktiv gebraucht hat, oder einige schöne Momente zu haben. Aber ich hatte einfach nicht die Kraft, so viel in die Beziehung zu investieren, wenn gerade so wenig zurückkommt. Ich hatte nicht die Kraft, mich mit unserer Beziehung auseinanderzusetzen. Und damit auch nicht, zu bloggen. Nicht, wenn ich mich gleichzeitig so auf das Studium konzentrieren musste.
Deshalb war aus meiner Sicht unsere Beziehung in den letzten Wochen ... ziemlich auf Sparflamme. Weil weder ich noch Karo die Kraft hatten, mehr für die Beziehung zu tun.
Ehrlich gesagt... hat mir das aber ganz schön weh getan. Wenn ich darüber nachgedacht habe. (Was ich eben die meiste Zeit nicht habe, siehe Sparflamme, siehe keine Kraft.)

Es gibt einfach so viel, was ich mir in einer Beziehung wünsche, was bei uns momentan ... nicht da ist. Oder nicht da war, die letzten Wochen. Es wird wieder besser. Ein bisschen.
Und ich weiß, dass das alles die Umstände sind. Dass Karo nicht mehr kann, genauso, wie ich auch nicht gekonnt habe, in meiner Lernzeit.
Aber oft tut es trotzdem einfach weh. Dass wir zurzeit so, so, so wenig Beziehung haben. Dass wir als Fernbeziehung so schlecht funktionieren. Dass wir so wenig Zeit miteinander verbringen, und so wenig reden. Dass sie mir fehlt, so unendlich sehr, und ich manchmal so wütend bin, obwohl ich es verstehe, und dass ich dann wieder so traurig bin, weil ich es verstehe. Und dass ich mir Sorgen mache und mir Dinge wünsche die nicht in Erfüllung gehen. Es tut einfach weh.
Und ich verstehe es, verdammt, ich verstehe es ja. Viel zu gut.
Sonst würde ich mir das doch alles gar nicht antun.
Aber ich entscheide mich ja für die Beziehung, jeden Tag auf's neue, egal wie sehr ich mir mehr wünsche und wie weh es tut, ich entscheide mich immer wieder dafür. Weil ich so viel Potential sehe. Weil ich so viel sehe, was wir hatten und haben, zwischendurch, und was wir sein können. Was wir sind, wenn alles gut läuft, für uns.
Ich habe mir eins geschworen: Ich werde mir nie, nie, nie erlauben, auf Karo jemals wütend zu sein in dem Sinn, dass ich ihr vorwerfe, sie würde meine Zeit vergeuden oder mir schaden, indem ich mit ihr zusammen bin. Ich erlaube mir, wütend zu sein. Ich erlaube mir enttäuscht zu sein. Ich erlaube mir, traurig, verletzt, frustriert, verzweifelt, verängstigt, besorgt, erschöpft zu sein. Das alles sind Emotionen die ich manchmal habe, und die ich mir zugestehe.
Aber ich werde nie, egal was passiert, Karo die Schuld an dem Schmerz geben, den ich fühle. Ich bin die, die sich dafür entscheidet, die Beziehung zu führen, und zu hoffen, dass es besser wird. Ich bin die, die sich entscheidet, von den kleinen goldenen Momenten zu leben, die momentan das Schwarz mustern. Ich bin die, die sich entscheidet, daran zu glauben, dass die goldenen Momente wieder zunehmen und das Schwarz überstrahlen.
Ich bin die, die sich für Karo entscheidet.
Und deshalb, auch wenn Karo der Grund ist warum es mir nicht gut geht oder ich nicht glücklich mit unserer Beziehung bin, habe ich nie das Gefühl, dass sie Schuld daran trägt. Ich sehe auch bei mir keine "Schuld". Weil es nichts gibt, wofür es sich lohnt, sich schuldig zu fühlen. Weil ich es nicht bereue.

Ich wünschte nur, wir würden uns wieder sehen. Je länger wir uns nicht sehen, umso schwieriger wird es immer. Es ist schon viel zu lange her, so lange, dass ich gar nicht nachrechnen will. Es ging einfach nicht, es gab kein einziges Wochenende, wo es geklappt hätte. Wir werden uns bald sehen. Zum Glück. Hoffentlich. Hoffentlich diesmal wirklich.
Ich brauch wieder mehr Gold in meinem Leben.

Freitag, 10. Juli 2015

Streiten.

Streiten. Ein Thema, das ich in unserer Beziehung für eins der schwierigeren halte.

Eigentlich habe ich kein so großes Problem mit Streit. Ich hab mich immer mit meinen Eltern gestritten, mit meinem Bruder... und trotzdem lieben wir uns.
Ein Streit bedeutet für mich, aufgestaute Gefühle und Stress rauszulassen.
Das kann ganz einfach mal befreiend sein.
Ja, eigentlich ist es besser, so was auch ohne Angriffe und laute Worte rauszulassen. Konstruktiv darüber zu reden. Und oft ist das auch möglich, aber manchmal auch nicht, aus welchen Gründen auch immer, und dann finde ich es notwendig, das trotzdem irgendwann einfach mal zu sagen, auch wenn es über einen Streit ist.
Der Streit muss nicht mal was mit der anderen Person zu tun haben, vielleicht hat es viel mehr zu tun mit einem selbst, und wie man sich gerade fühlt.
Nach einem Streit ist man verletzt und wütend und traurig, aber hat sich auch geöffnet und mal nicht zurückgehalten und kann vernünftig über alles reden. Man kann sich erklären, Vorwürfe zurücknehmen, sich kritisch selbst betrachten und Dinge einsehen, oder ernsthafte Probleme konstruktiv mit dem anderen besprechen, um etwas ändern zu können.
Und man kann sich versöhnen.

Mit Karo, da macht mir ein Streit viel mehr Angst. Schon zwei mal ist ein Streit, der eigentlich nicht schlimm war, so eskaliert, dass er beinahe in einer Trennung geendet hätte (einmal hier und ein weiteres mal, über das ich anscheinend hier nicht geschrieben habe - ich glaube, es war irgendwann im Frühling diesen Jahres?).
Ich möchte hier nicht allzu viel interpretieren, aber: Ich glaube, Karo fällt es sehr schwer, in so einer Situation den Streit in eine größere Perspektive zu stellen.
Für mich ist es einfach nur ein Streit. Wie gesagt: Dampf ablassen, aussprechen, versöhnen.
Für Karo ist es, glaube ich, viel mehr. Das Gefühl, dass ich sie nicht mehr mag. Das Gefühl, dass sie mich nicht mehr mag. Das Gefühl, dass sich mit so negativen Emotionen nichts mehr wieder gut machen lässt.
Das ist auch eine Borderline-Sache, glaube ich. Alles schwarz und weiß zu sehen. Angst haben, in die Liebe von jemandem zu vertrauen, wenn der gerade böse Sachen sagt. Mit diesen ambivalenten Gefühlen schwer umgehen zu können.

Nach einem Streit möchte ich meistens alles aussprechen. Karo möchte alles vergessen. Dadurch wird die Nach-Streit-Phase noch zu einem weiteren Minenfeld, wo ich immer merke, wie wir ganz vorsichtig umeinander tänzeln, um nicht noch einen zweiten, womöglich noch größeren Streit loszutreten.
Mir ist durchaus bewusst, dass ich eine Person bin, die um so vieles offener über ihre Gefühle spricht und sprechen möchte, als viele andere Menschen. Ich weiß auch, dass ich dadurch Erwartungen an offene Gespräche habe, die die anderer Menschen meistens übersteigen.
Karo ist eben in diesem Punkt... normaler, als ich. Eigentlich auch ziemlich offen - wir haben früh über so vieles geredet, auch was unsere Beziehung angeht - aber in einigen Bereichen eben deutlich weniger als ich. (Ich bin halt extrem. ;))
Deshalb geraten wir dabei so oft in Probleme. Das "drüber-reden-nicht-drüber-reden"-Thema ist glaub ich eines, was viele Streits auslöst, und die Streits selbst und die Versöhnung dann auch noch mal schwieriger machen.
Irgendwie kriegen wir es aber dann doch immer wieder hin. Mal mit mehr drüber reden, mal mit weniger.

Wir haben lange nicht mehr richtig gestritten, bevor es vor ein paar Tagen doch mal wieder dazu gekommen ist. Es war nicht schön ... aber wir haben uns noch vorm Schlafengehen so halb versöhnt, und am nächsten Tag noch einigermaßen ausführlich darüber gesprochen. Mehr als ich erwartet hätte, was mich sehr positiv überrascht hat.

Durch die Fernbeziehung haben wir uns auch noch nie "in echt" gestritten. Ich bin ehrlich gesagt ziemlich gespannt, wie das dann wird, wenn es das erste Mal passiert. Schlimmer, weil's persönlicher ist? Besser, weil man Mimik, Tonfall etc. hat? Schlimmer, weil man direkt sieht wenn die andere weg geht oder ähnliches? Besser, weil man sich auch mit Blicken und Gesten und Umarmungen versöhnen kann, anstatt direkt die richtigen Worte finden zu müssen?
Ich hab so das Gefühl, dass es kürzer und heftiger wird, aber auch mit schnellerer und einfacherer Versöhnung.
Wir werden sehen. ;)

Ich weiß nicht genau was dieser Post jetzt ist - hab ich darüber geschrieben, dass Karo wegen Borderline Probleme hat mit Streiten? Oder einfach so? Oder darüber, dass ich zu viel über alles reden will? Einfach über Streitverhalten in unserer Beziehung an sich? Ich weiiiiß es auch nicht, über alles ein bisschen. :)

Beenden will ich das ganze mit einem wundervollen Lied, dessen Thema tatsächlich das Streiten in einer Beziehung ist.

 Now we're staring at the ceiling
You're so pretty when you're mad
All that I can hear is breathing, oh, oh
And we're stuck inside the silence
In a cold, cold war
We're too proud to say we're sorry, oh, oh

Right now it feels like we're bleeding
So deep that we might not get back up
Our words they tear through the surface
Like a paper, like a paper cut
Right now I don't know why I love you
But by the morning when we wake up
I'll reach for you and remember
It was just a paper, just a paper cut

I find refuge in the distance
Even when we're breaking down
Can we pause it just for one kiss? Oh, oh
Cause I never meant to hurt you
And I know you feel the same
Still the only one I run to, oh, oh

Right now it feels like we're bleeding
So deep that we might not get back up
Our words they tear through the surface
Like a paper, like a papercut
Right now I don't know why I love you
But by the morning when we wake up
I'll reach for you and remember
It was just a paper, just a papercut

Donnerstag, 18. Juni 2015

Vertrauen.

"Das wichtigste in einer Beziehung ist gegenseitiges Vertrauen."
So oder so ähnlich habe ich den Satz schon unzählige Male gelesen oder gehört. Wenn man sich gegenseitig nicht vertraut, wird das als absoluter Beziehungskiller angesehen.
Eine einzige weitere Information kann bei vielen Menschen diese Einstellung aber komplett ändern. Besonders, wenn diese Menschen einmal in einer Beziehung mit einer Person mit Borderline-Störung waren.
Von diesen Menschen höre ich nämlich nicht mehr, dass ich meiner Freundin vertrauen soll. Da höre ich plötzlich das Gegenteil. Menschen schieben mir ihre Ratschläge mitten ins Gesicht und bemitleiden mich, weil ich naiverweise ihre Meinungen nicht teile. Ohne mich, meine Freundin oder meine Situation im geringsten zu kennen - außer der Information, dass meine Freundin Borderline hat - wissen diese Personen hundertprozentig, dass Karo mich manipuliert, durchgängig verarscht, ich ihr aufgrund der Entfernung sowieso nichts glauben kann weil sie ja leichtes Spiel hat, und das alles eben so ist.
Sobald ich mein Vertrauen in Karo rechtfertige, darf ich lesen, dass Karo mich ja total in der Hand hat. Dass ich noch nicht so weit sei, die Wahrheit zu sehen. Dass diese Personen wissen wovon sie reden. Sie haben ja selbst eineinhalb Jahre/7 Jahre/ihr unendlich trauriges Leben lang unter einer Borderline-Person gelitten.
Gelitten, ja.
Sie wollen mich ja nur warnen.
Warnen.
Ich soll da raus, so lange ich noch kann.
Und wenn ich anfange mich aufzuregen, weil ich das nicht wollte, weil ich keine Ratschläge (die auch Schläge sind!) und Manipulierungsaufdeckungen und Warnungen wollte, sondern Verständnis und Empathie und guten Zuspruch und Hoffnung, stellt man fest, dass ich eben noch nicht bereit bin. Und redet dann über meinen Kopf hinweg. "Der Ausbruch der TE zeigt ja klar, wie sehr ihre Partnerin sie in der Hand hat."
KOTZ!
Natürlich, ich kann versuchen zu verstehen. Diese Personen haben schlimme Erfahrungen gemacht. Wer so eine Meinung hat, dem hat seine Beziehung massiv geschadet. Der hat es nötig, sich stark davon abzugrenzen. Der hat gelernt, für sich.
Die Kommentare sind nicht mal böse gemeint, bestimmt. Die Warnungen freundlich.
Aber trotzdem ist das nicht das, was ich brauchen kann. Nicht das, was ich aushalte.
Und nicht das, was akzeptabel ist. Meinungen sind in Ordnung. Aber ein abgeschlossenes Urteil über zwei Menschen und eine Beziehung, von der man - wenn überhaupt! - nur Bruchstücke weiß, geht über diese Grenze weit hinaus.
Ich habe meine Gründe, warum ich Karo vertraue.
Trotz Borderline, oder, wie ich gestern in dieser (Online-)Diskussion geschrieben habe: Vielleicht gerade deswegen.
Zunächst mal: Ich weiß, dass es für Karo nicht leicht ist, mit ihren Gefühlen offen umzugehen. Auch mir gegenüber. Manchmal vielleicht gerade mir gegenüber.
Ich weiß, dass es Situationen gab und wahrscheinlich wieder geben wird, in denen Karo mir nicht gleich etwas gesagt hat, was ich wissen möchte. In denen sie mich sogar angelogen hat.
Zum Beispiel: Am Anfang unserer Beziehung hat sie mich gefragt, was ich vom Rauchen halte. Ich habe meine ablehnende Meinung sehr deutlich gemacht ;) Was ich dann direkt gemerkt habe, war ihre zurückhaltende Antwort, und wie sie auch dann zugegeben hat, raucht sie eben selbst. Das war halt ein Fettnäpfchen meinerseits. Bei näherem Nachfragen hat Karo mir dann erzählt, dass sie nicht so viel raucht, nicht mal täglich. Erst bei einem kürzlichen Gespräch ist mir das zufällig wieder eingefallen, nachdem sie erzählt hat, dass sie schon länger täglich mehr als eine Zigarette raucht.
Das ist jetzt eine Situation, wo Karo mich eben angelogen hat. Aber: Die Sache ist die, dass ich ihre Motive verstehen kann. Für Karo ist es unglaublich schwierig, anderen Menschen zu vertrauen, und ihre Gefühle offen zu zeigen - Teil der Borderline-Störung! Sie hatte Angst vor Ablehnung, als sie ihren Zigarettenkonsum etwas "verschönert" hat, nach meiner stark negativen Reaktion.
Klar wäre es mir lieber, das wäre nicht so. Aber so etwas zu akzeptieren gehört für mich zu dieser Beziehung dazu, und ist in so einem Rahmen auch in Ordnung. Nicht, dass ich es gerne sehe! Aber ich weiß, dass Karo das nur macht, wenn ihr alles sehr unangenehm ist und sie sich nicht anders zu helfen weiß, und wenn sie weiß, dass sie mir damit nicht ernsthaft schadet.
Und gerade mit der Diagnose Borderline ist es doch wichtig, dass ich Karo zeige, dass ich ihr vertraue und sie nicht verurteile, unabhängig davon, welche Gefühle sie mir zeigt. Ihr das nicht zur zeige, sondern das auch fühle.
Warum ich trotz solcher kleinen Lügen, oder Situationen in denen Karo mir für meinen Geschmack deutlich zu spät etwas wichtiges erzählt hat, Karo immer noch vertraue, hat aber auch Grund und Boden: Sie beweist mir immer mal wieder, dass mein Vertrauen gerechtfertigt ist.
Karo hat mir einmal mehrere Wochen lang etwas nicht erzählt, was für mich sehr wichtig zu wissen war. Ich war wütend, dass sie das so lange nicht gesagt hatte, und ich bin auch nicht bereit, so etwas generell zu akzeptieren. Aber was für diese Geschichte hier wichtig ist: Karo hat es mir trotzdem irgendwann gesagt. Ohne dass sie aufgeflogen wäre. Ohne dass sie gemusst hätte. Sondern, weil sie ein schlechtes Gewissen hatte. Weil sie wusste, dass es mir wichtig ist. Trotz ihrer Angst vor meiner Reaktion hat sie mir das nach so langer Zeit noch anvertraut, aus vollkommen eigener Entscheidung. Sie hätte das nicht gemusst. Und meine Reaktion war sicher kein Grund dafür, dass sie das gerne getan hätte.
Solche Situationen gibt es immer wieder. Karo erzählt mir Dinge und redet mit mir über Sachen, die ihr furchtbar unangenehm sind. Aber sie weiß, dass ich sie wissen will.
Der Hauptgrund, warum ich Karo so fest vertraue, ist, was ich an ihren Gefühlen für mich sehe. Ich sehe wie sie sich freut, wenn sie mich glücklich macht. Wenn sie stattdessen das Gefühl hat, dass sie mir mit irgendetwas weh tut, sehe ich, wie ihr das schlechte Gewissen wahrscheinlich fast körperlich weh tut. Sobald es wichtig ist, stellt sie mich vor sich selbst. Uneingeschränkt. Ob sie kann oder nicht.
Darin vertraue ich ihr. Bedingungslos.
Und deshalb weiß ich, dass Karo mir gegenüber immer so weit ehrlich ist, wie es für sie nur irgendwie geht. Weil sie weiß, wie wichtig mir das ist. Und weil sie das für mich macht.
Und... nicht zuletzt spüre ich auch recht oft, wann irgendwo die Wahrheit ein kleines bisschen verzerrt ist oder ich irgendetwas nicht gesagt bekomme, was eigentlich in Karos Kopf vorgeht. ;) Wir kennen uns so gut, dass ich auch zwischen den Zeilen und Worten lesen kann. Ich weise dich nie drauf hin, Karo, wenn ich das Gefühl habe, ich kann es verstehen und auch ohne deine direkten Worte aushalten.
Denn ich weiß, du wirst mir sagen was du mir sagen musst, wenn du es kannst. Und ich weiß, du gehst an deine Grenzen und darüber hinaus, um das zu tun.
Und deshalb vertraue ich dir.
Und das habe ich den ach-so-schlauen Leuten voraus: Ich kenne mich, ich kenne Karo, und ich kenne meine Beziehung. Ich weiß, worüber ich urteile.
Ihr nicht.
Also Klappe.
Nachtrag: Karo selbst hat nun auch über das Thema aus ihrer Sicht gebloggt. Sehr stark und spannend!

Samstag, 13. Juni 2015

Mini-Update. :)

Ich habe das Gefühl, ich sollte mich mal ganz kurz melden. Für die Leute, die meinen Blog regelmäßig verfolgen.
Mir geht es gut. Ich fühle mich sehr wohl in der Beziehung mit Karo grade. Letztes Wochenende haben wir zusammen verbracht, von Donnerstag bis Montag, und es war eins der schönsten Treffen überhaupt. Karo hat auch darüber gebloggt. :) Es gibt viele Gründe (zwischen uns), die mich glücklich machen, grade.
Mit Karos Situation ist noch nichts leichter, nein. Also das ist natürlich nach wie vor nicht einfach. Aber für uns als Paar ist grad alles sehr gut, für mich jedenfalls, und ich denke nicht dass ich mich zu weit aus dem Fenster lehne wenn ich sage, für Karo auch. :)

Aber ich hab zurzeit weder richtig Zeit noch Lust zu bloggen. Und ich hatte nie vor zu bloggen, nur weil ich muss. Also warte ich darauf, dass ich mal wieder wirklich Lust habe. Kommt bestimmt wieder, und so lang wird es auch nicht dauern. Nur halt noch nicht gleich.
Bis dann!

Donnerstag, 28. Mai 2015

Dampf ablassen.

In einer Beziehung ist es wichtig für mich, dass ich sagen kann, was mir durch den Kopf geht.
Ich will sagen können wie ich mich fühle, was mir wichtig ist, was mir Angst macht. Was mich stört und was ich toll fühle.
Egal in welcher Beziehung, sei es meine Beziehung mit Karo, oder Beziehungen mit Freunden oder Familie, ist das nicht immer hundertprozentig möglich. Manchmal muss man sich zurück halten.

Bei Karo passiert es häufiger als in anderen Beziehungen die ich habe, dass ich nicht genau das sagen kann, was mich beschäftigt.
Zu wissen was ich sagen kann und was nicht, und wann ich Dinge sagen kann, das ist ein Prozess, und ich hab seit dem Beginn unserer Beziehung schon unglaublich viel darüber gelernt.
Ich kann zum Beispiel viel mehr sagen, wenn wir uns tatsächlich gegenüber sitzen, wenn wir räumlich zusammen sind. Sei es, weil es uns beiden dann besser geht und wir allein durch die Freude, zusammen zu sein, liebevoll miteinander umgehen. Oder sei es, weil ich durch die kleinen Gesten und Zwischentöne wirklich ein Gefühl dafür habe, wann ich was sagen kann (und will!) - diese nonverbale Kommunikation hilft, sich gegenseitig zu verstehen, anstatt zu streiten und sich schlecht zu fühlen.
Dann habe ich auch gelernt, dass es nicht okay ist, mit Karo immer darüber zu reden, wenn es mir wegen ihr schlecht geht. Karo weiß, dass mich ihre Situation belastet. Ich weiß, dass sie das weiß. Auch wenn ich mich in allen Lebenslagen wenn es mir schlecht geht am liebsten an Karo wende: In diesem großen Bereich, der mich belastet, ist es nicht richtig, dass ich mir gerade sie als Unterstützung suche. Denn ich kann mir vorstellen, was für ein schlimmes Gefühl es sein muss, den Partner so verletzt zu sehen und zu wissen, dass man selbst der Grund dafür ist.
Ich finde es nach wie vor wichtig, über so was Bescheid zu wissen und so was mitzuteilen. Es ist mir wichtig, dass Karo weiß, wie es mir geht - auch und gerade wenn das etwas mit uns zu tun hat! Aber ich habe eben auch gelernt, dass ich manchmal gut daran tue, meine Gefühle nicht sofort und ungehemmt mitzuteilen, wie es mir mein erster Impuls sagen würde. Damit hab ich manchmal schon mehr Schaden angerichtet, als ich jemals wollte. (Und das nicht nur bei Karo, übrigens.)

In solchen Situationen, wenn man dem Partner vielleicht etwas sagen will was man gerade nicht sagen kann, habe ich es für mich als unglaublich wichtig wahrgenommen, auf andere Weise diese Gedanken loszuwerden. Gerne rede ich mit mir lieben Menschen darüber, aber es gibt noch etwas, was ich vor nun doch schon einigen Monaten begonnen habe.
Ich habe mir ein kleines Buch gekauft, eine Art Tagebuch, in dem ich sozusagen Gespräche mit Karo führe, die ich mit ihr persönlich gerade nicht führen kann. Ursprünglich war es für frustrierte und verzweifelte Situationen gedacht, aber ich habe auch positive Einträge reingeschrieben, damit das später nicht ganz so deprimierend wirkt. Es sind einfach Gedanken über unsere Beziehung, die mir gerade am Herzen liegen.

Heute habe ich in das Buch ein für mich sehr wichtiges und schönes Gespräch geschrieben, das ich heute mit Karo geführt habe, und danach zurückgeblättert und die alten Einträge gelesen. Viele Einträge sind es nicht - in solchen Dingen war ich schon immer sehr unregelmäßig ;) Aber es war spannend, meine Gedanken von vor teilweise über einem halben Jahr zu lesen. Probleme, die ich hatte und jetzt nicht mehr habe. Themen, von denen ich dachte sie mit Karo nicht besprechen zu können, und über die wir uns mittlerweile ausführlich unterhalten haben. Eine Situation, in der mich Karo gehalten hat, als mich ihre Probleme so belastet haben. Wo sie gesagt hat, dass ich einfach mal alles rauslassen soll, was ich normalerweise zurückhalte. Ich konnte mich an diese Situation gar nicht mehr erinnern, und hatte vor Rührung Tränen in den Augen.
Es gibt wütende, verzweifelte Einträge, deren Gefühle beim Erinnern weh tun. Es tut aber gut, mit Abstand darauf zurückzublicken und zu sehen, dass ich vieles überwunden habe oder klarer sehe.
Vor allem ist in den Einträgen auch zu sehen, wie wichtig es für mich ist, an einem Ort ohne Filter alle Gefühle ausdrücken zu können.

Ich habe Karo von dem Buch erzählt, als ich es angefangen habe. Ich hoffe immer noch, dass ich später gemeinsam mit Karo darin zurückblättern kann. Dann will ich ihr die Dinge zeigen, die ich damals nicht sagen konnte, und die Gespräche führen, die noch offen sind.
Und für jetzt bin ich froh dass ich dieses Buch habe: Um Dampf abzulassen, zu erinnern, zu reflektieren, und auszuhalten manchmal etwas nicht zu sagen. Ich kann mir in diesen Momenten sagen: Irgendwann werde ich mit Karo darüber reden.
Wenn es dann schon vergangene Probleme sind, wird das zurückblättern umso schöner. :)

Montag, 18. Mai 2015

Das Pendel der Gefühle ausloten (Oder: Der Eintrag mit den meisten Labels ever)

Ich will bloggen, aber es fällt mir schwer.
Ich würde gerne mal wieder über ein bestimmtes Thema bloggen, anstatt "nur" so tagebuchartig, aber ich bin grad nicht inspiriert für ein bestimmtes Thema.
Zurzeit hat auch irgendwie alles zwei Seiten. Ein Gedanke, den ich zu einem Thema habe, ist immer auch von einem anderen begleitet. Ich komme gut klar, aber ich leide. Ich habe das Gefühl, dass ich Karo helfen kann, aber ich fühle mich hilflos. Die Situationen wechseln ständig und ich weiß selten, was mich als nächstes erwartet. Wenn ich bloggen möchte, weil ich grade frustriert bin, halte ich mich davon ab, weil ich weiß, dass das das Gesamtbild nicht widerspiegelt, und ich nicht möchte, dass auf meinem Blog dann der Eindruck entsteht, ich wäre zurzeit mit der Beziehung nicht zufrieden. Wenn ich gerade sehr glücklich mit der Beziehung bin, möchte ich darüber auch nicht bloggen, weil ich weiß, dass auch das nicht die volle Wahrheit ist, und es dann so wirkt, als würde ich nicht leiden oder nicht auf mich achten.
Ich weiß nicht. Es ist einfach viel an Gefühl und Gedanken zurzeit, und... manchmal will ich sehr gerne bloggen, und möchte hier auch aktiver sein, aber oft will ich auch einfach nur mein Leben so leben wie es grade ist, ohne hier irgendwie Fazit über irgendwas zu ziehen, wie ich das in den meisten Artikeln irgendwie mache.
Es ist nichts fest zurzeit. Es gibt keine Klarheiten. Aber ich fand es bisher sehr cool, dass ich über Erkenntnisse, Klarheiten, und so was bloggen konnte.

Naja. Dann blogge ich eben hier die Unklarheiten, die mir zurzeit so durch den Kopf gehen. :)

Karo und ich führen gerade eine gute Beziehung, den Umständen entsprechend. Ich fühle einen starken Zusammenhalt. Ich fühle unsere Liebe zueinander, und dass wir uns füreinander bemühen und uns gegenseitig stützen.
In manchen Momenten aber bin ich frustriert, weil es so wenig von einer normalen Beziehung gerade hat, und es vieles gibt, was ich mir wünsche, und momentan nicht habe.

Ich kann zurzeit eine gute Stütze für Karo sein. Ich kann gut von mir aus Dinge tun, von denen ich denke oder weiß, dass sie ihr helfen werden, und ich kann gut "auf Bereitschaft" sein und reagieren, sobald sie mich um etwas bittet.
Ich bin aber auch ständig angespannt, was ich körperlich und emotional merke. Und ich brauche einen starken Ausgleich und andere Dinge in meinem Leben, die mir wichtig sind.

Wenn Karo mir schreibt, dass es ihr schlecht geht, fühle ich mich hilflos und möchte mehr tun können - sie wenigstens in den Arm nehmen, vielleicht. Manchmal sitze ich minutenlang vor dem Handy und starre auf irgendeine Nachricht von ihr, während ich nachdenke. Dann nichts tun zu können, und ihren Schmerz zu spüren, ist belastend.
Vor allem bin ich aber auch so dankbar dafür, dass Karo mir ihren Schmerz zeigt und mich aktiv um Hilfe bittet, und ich dadurch die Gelegenheit habe, ihr nah zu sein und sie vielleicht zumindest ein bisschen zu erleichtern. Damit nimmt sie die Verantwortung von mir, nach Zeichen für unterdrückten Schmerz zu suchen, und ich fühle mich gebraucht.

Ich bin verzweifelt, weil alles immer schlechter wird. Ich frage mich warum, warum es nicht einfach mal besser wird, und was denn passieren muss, damit Karo glücklich werden kann.
Ich habe aber auch, mehr als in manch anderen Phasen und vielleicht mehr als je zuvor, die Hoffnung, dass es irgendwann einfach besser werden wird, und dass Karo glücklich sein kann.

Ich tue unglaublich viel einfach nur für Karo zurzeit, ohne an meine Bedürfnisse zu denken.
Ich tue unglaublich viel für mich, ohne an Stress und Schmerz zu denken.

Vor ungefähr einem Jahr oder etwas länger war ich mal in einer Beratungsstelle, weil ich damals sehr überfordert von allem war. Aus dem Gespräch mit dem Berater ist mir vor allem eine Sache hängen geblieben: Dass meine Situation wie ein Pendel ist, das hin und her schwingt, und es Zeit braucht, um den Mittelweg auszuloten. Dass da ganz viel Feinarbeit nötig ist und viel Gespür dafür, was gerade wichtig ist.
Ich glaube, im Moment hab ich mein Pendel ganz gut im Griff. Es pendelt nach wie vor, ja, aber ich spüre, wo die Mitte ist, und ich fühle mich trotz allem Hin und Her irgendwie okay und sicher in der Situation. Es ist viel, es verwirrt mich manchmal, aber ich fühle mich, als könnte ich im Moment alles ganz gut bewältigen.

Hach. Das war ne gute Entscheidung, doch zu bloggen, obwohl ich keine Ahnung hatte, worüber. Ist was gutes draus geworden, finde ich. :)