Dienstag, 21. Juni 2016

Wenn es sich anfühlt, als ob du kaum noch da bist.

Zurzeit geht es Karo ziemlich schlecht.
Ich merke, wie ich mich oft überhaupt nicht darauf konzentriere, sondern mich ganz viel mit meinem eigenen Leben beschäftige und so unabhängig lebe, wie ich eben kann.
Ich merke aber auch, wie dann deshalb abends oft, kurz vorm Einschlafen, alles über mich hereinbricht und plötzlich alles sehr, sehr weh tut.
Ich versuche deshalb, das auch tagsüber mehr an mich heranzulassen. Wenn ich alles weg schiebe so weit es geht, wird es dann eben irgendwann viel zu viel und tut in dem Moment dann nur umso mehr weh.
Deshalb schreib ich jetzt zum Beispiel auch diesen Blogeintrag.

Ich weiß nicht wirklich, was los ist. Karo weiß es glaub ich auch nicht. Viele verschiedene Sachen wahrscheinlich und gleichzeitig alles und nichts.

Ich weiß nur, dass es sich anfühlt, als ob sie kaum noch da ist. Wir reden nicht viel, die letzten Tage, nur manchmal gibt es Momente wo es sich fast normal anfühlt. Aber meistens sind es gerade Stunden, in denen wir nicht miteinander kommunizieren, und sich die Leere irgendwie größer anfühlt als an guten Tagen - wenn ich darüber nachdenke, zumindest.
Und auch wenn wir reden, schreiben, auch dann ist die Leere irgendwie größer.
So als wäre Karo durchsichtig.

Es tut so weh, wenn das so ist. Es tut weh aus egoistischen Gründen, wie dass ich sie vermisse, dass ich Gespräche haben will die ich gerade nicht haben kann, dass ich mir Dinge wünsche, die nicht da sind.
Es tut aber auch weh, weil ich Karo verdammt noch mal liebe und sie der absolut bewundernswerteste Mensch ist den ich kenne, weil sie wertvoll ist und so viel in meinem Leben bewirkt hat und sie so WICHTIG für mich ist, und weil sie so viel besseres verdient hat. So, so viel besseres.

Und es tut weh, weil ich nichts machen kann.
Und manchmal denke ich, vielleicht könnte ich mehr machen, und ich mache einfach zu wenig. Vielleicht sollte ich lange E-Mails schreiben. Vielleicht sollte ich mehr nachfragen. Vielleicht sollte ich öfter sagen wie wichtig sie mir ist.
Aber ich sage schon oft, dass sie mir wichtig ist, glaub ich, ich glaub ich sag es oft. Ich glaub ich frage oft genug nach, und wenn ich es öfter tue, vielleicht nervt es dann einfach nur, weil sie es ja sagen würde, wenn sie könnte? Weil sie ja weiß, dass ich da bin, wenn sie will. Vielleicht sollte ich E-Mails wirklich öfter schreiben. Vielleicht sollte ich das hier in eine E-Mail schreiben anstatt in einen Blogpost, vielleicht sollte ich nachfragen - aber das tu ich ja auch, und Karo sagt mir dann normalerweise, dass ich nichts tun kann, im Moment.
Und vielleicht sollte ich über all das einfach mit ihr reden, aber ich glaube nicht dass das gerade geht, ich weiß nicht ob das geht, und ich fühle mich zurzeit einfach sehr, sehr hilflos.

Und deshalb tu ich das, was ich bisher gelernt habe, für solche Momente. Ich versuche zu akzeptieren, dass Karos Schmerz nicht mein Schmerz ist. Ich versuche, die Balance zu finden zwischen Hilfe anbieten und vertrauen, dass sie sich die nimmt, wenn sie sie braucht. Ich versuche abzuschalten, wenn Karo nicht auf mich zukommt. Ich kann nicht die ganze Zeit darüber nachdenken wie es ihr gerade geht, weil das nichts ändert. Das einzige was es ändert ist, dass ich mich selbst aufarbeite und sehr unglücklich werde.
Ich muss Vertrauen, dass es reicht wenn ich dann da bin, wenn Karo mir sagt dass sie mich braucht, und dass ich trotzdem genug auf sie zugehe und ihr das Gefühl gebe, dass es mir ganz und gar nicht egal ist, wie es ihr gerade geht.

Mittelmaße finden ist schwierig.

Menschen vermissen und sie leiden sehen und merken wie sie kaum noch da sind und das Gefühl haben, nichts dagegen tun zu können, aber auch zu zweifeln ob man genug tut, das ist auch schwierig.

Eine Struktur in diesen Beitrag zu bringen wäre auch schwierig, aber um ehrlich zu sein versuch ich es nicht mal, weil ich eh viel zu kontrolliert hier bin, hier und überhaupt, und es gar nicht schadet wenn ich mal mehr so schreibe wie mein Gehirn einfach funktioniert, ohne das vorher zu sortieren.

Naja. Karo ist jetzt im Bett, und ich will Schokoeis oder irgendwas anderes leckeres und YouTube.

Tschüss <3

~~~

Einträge, die dazu passen:

Montag, 13. Juni 2016

Aufruf: Fragen!

Ich weiß oft nicht so genau, worüber ich schreiben will. In meiner Beziehung mit Karo verändert sich nicht mehr so viel, und ich fühle mich seit längerem sehr sicher und bin gewohnt, wie wir miteinander umgehen. Dadurch kommen bei mir wenig Themen hoch, die ich hier unbedingt besprechen möchte.

Ich würde aber sehr gerne Dinge erzählen, die andere interessieren.
Wenn du deshalb eine Frage hast, die du gerne von mir beantwortet hättest, dann stell sie bitte jederzeit! Am besten einfach in den Kommentaren, auf Twitter, oder falls du mich persönlich kennst natürlich auch so.

Ich freue mich über jede_n, die_der etwas wissen möchte :)

Einfach das richtige tun.

Karo hat heute in einem Blogpost (den ich übrigens sehr empfehlen kann, zum Thema BeHindernisse) etwas dazu geschrieben, wie Nicht-Betroffene oft sehr unpassend mit Menschen mit psychischen Krankheiten umgehen. Sie hat ein paar Dinge genannt, die sie falsch finden würde, und Dinge, die ihr wichtig sind. 

"Seit einfach da für uns, unterstützt uns und drängt uns nicht zu Dingen, die wir vielleicht im Moment nicht können. Ihr könnt trotzdem wie früher normal mit uns umgehen, denn wir sind immer noch die Gleichen."

Einfach normal mit der Person umgehen. Einfach da sein, einfach keine blöden Dinge sagen, einfach unterstützen, einfach nicht drängen.
All das macht Sinn, all das ist richtig und wichtig - aber all das ist nicht unbedingt einfach, wenn man nicht viel mit psychischen Krankheiten zu tun hatte.

Für mich war es nicht einfach zu lernen, das richtige zu machen. Und auch jetzt noch, nach drei Jahren, weiß ich manchmal nicht, wie ich reagieren soll und was ich tun kann/darf/soll, und was nicht. (Das ist auch okay so, Unsicherheiten in sozialen Kontakten werden glaub ich in jeder Situation immer da sein, weil Menschen sich ständig verändern. Aber besser darf es werden. Ist es auch. :) )

Als jemand, der vorher nie eng mit Menschen zu tun hatte, die Depression, soziale Ängste, Trauma, Borderline oder weiteres haben, habe ich oft kaum gewusst, was ich machen sollte.
Wann soll ich nachfragen? Wann darf ich auf weitere Erklärung bohren? Wie erkenne ich, wo ich wirklich Abstand nehmen soll? Warum ist Karo so anders als ich es mir gedacht hätte, als ihr Opa stirbt? Wie oft darf ich ein Thema von mir aus ansprechen? Welche Ausdrücke sind tabu, weil sie weh tun? Welche Fragen sind anmaßend?
Wie fühlt es sich an, nichts mehr zu fühlen? Was genau ist eine Panikattacke? Wann tut körperlicher Schmerz weniger weh als psychischer? Warum sind manche Sachen, die ich sage, etwas, das so viel kaputt macht?
Wann darf ich sagen; tu das nicht? Wie zeige ich meinen Schmerz am besten? Wie viel Schmerz steht mir denn überhaupt zu? Was darf ich für mich verlangen? Was kann ich erwarten? Wie viel darf ich mir erlauben?
Wie um alles in der Welt sage ich "in meiner Brust tut etwas ganz ganz stark weh wenn du sagst wie sehr du dich hasst, aber ich weiß nicht ob ich dir sagen soll dass ich dich liebe oder ob ich dann wie ein Arschloch klinge und ich versteh doch nicht wie sich das anfühlt, aber es tut mir weh und ich hab keine Ahnung was ich sagen soll, aber nichts sagen ist auch keine Option"?
Was sagt man, wenn die Partnerin sich selbst verletzt?
Was tut man, wenn man Angst hat, dass sie stirbt?
Wie paranoid darf man sein?
Wie fragt man "lebst du noch" und meint es ein bisschen ernst?
Wie merkt man, wo man nachhakt, und wo man besser still ist?
Welches "mir geht es gut" stimmt, und welches ist eine sehr zurechtgebogene Wahrheit?
Wann kann ich selbst merken dass etwas nicht okay ist, und wann frage ich?
Wie viel kann man falsch machen, bis es zu viel ist?
Wo steht, was richtig ist?

Mit so viel Schmerz und dunklen Gefühlen eines Menschen umzugehen, den man liebt, das ist nicht leicht.
Man will nichts mehr, als das richtige tun. Etwas besser machen. Gut tun.
Normal umgehen. Das ist leichter gesagt als getan. Wenn man mit Dingen konfrontiert ist, mit Gefühlen die man so nicht kennt, dann weiß man nicht, was normal ist. So tun als ob nichts wäre? Blödsinn, es ist nämlich was. Mit Samthandschuhen anfassen? Dass das nicht richtig ist, ist auch klar. Den goldenen Mittelweg zu finden ist aber gar nicht so leicht. Was ist ehrlich, was man machen will, und was tut man, weil man sich an Hilfsmitteln festklammert? Wenn man nicht mehr weiß was man tun soll, fällt man so leicht in "man soll doch" "man kann doch nicht" "es ist doch wichtig dass" zurück. Alles, was einem einen Hinweis darauf liefert, was richtig ist.
Man will es doch einfach nur richtig machen, und man weiß doch nur nicht wie.

Es ist immer die selbe Leier, ich weiß, aber: Kommunikation ist das, was hilft.
Jeder Mensch ist anders, und jeder weiß nur für sich selbst, was am besten ist.
Am meisten hab ich glaub ich immer dann richtig gemacht, wenn ich ehrlich war und gesagt habe, was ich dachte und fühlte. Immer noch.

Ich habe auch viel falsch gemacht. Tu ich vielleicht immer noch. Auch das gehört dazu.
Durch Fehler lernt man, und ich wage zu behaupten, das habe ich auch getan.

Was ich mittlerweile weiß, ist: Normal mit Karo umgehen, ist, echt ich zu sein. Zu fragen wenn ich fragen will, und zu vertrauen, wenn ich spüre dass ich etwas weiß. Zu sagen, was ich fühle.
Auf die meisten der Fragen, die ich oben gestellt habe, habe ich mittlerweile eine Antwort, oder wenigstens einen Hinweis darauf.
Viele der Fragen sind mittlerweile keine Fragen mehr, sondern Selbstverständlichkeiten.
Manche Fragen tauchen immer noch auf, und manche kommen neu dazu.
Egal mit wem ich mich in meinem Leben auseinandersetze, es werden immer ein paar Unsicherheiten dabei sein, wenn ich mich frage, was ich sagen oder fragen oder tun darf. Und, wie schon gesagt: Das ist auch in Ordnung, das ist normal.

Je unbekannter etwas ist, umso schwieriger ist es, damit umzugehen.
Für mich waren psychische Krankheiten unbekannt, zumindest, sie so nah zu erleben. Für mich war es schwierig, zu lernen, das alles zu verstehen.
Ich glaube ich verstehe es jetzt besser und ich glaube, ich mache jetzt öfter das richtige.

Und ich lerne gerne weiter. :)

~~~

Einträge, die dazu passen:

Dienstag, 31. Mai 2016

Hilft das Psycho-Studium?

Die liebe Alex hat bei meinem letzten Beitrag eine Frage hinterlassen und wollte wissen, wie es mir mit fortschreitendem Studium geht, und ob ich Dinge aus dem Studium persönlich in die Beziehung mitnehme.

Dazu habe ich schon einmal etwas geschrieben, vor ungefähr eineinhalb Jahren: Psychologie studieren. Seitdem ist aber ja doch noch mal einiges an Zeit vergangen, und ich schreib gern meine jetzigen Gedanken dazu auf!

Meine intuitive Antwort ist erst einmal: Nein. Ich glaube nicht, dass das Studium besonders viel dazu beiträgt, wie ich mich im Lauf der Zeit weiterentwickelt hab.

Was man im Psychologiestudium lernt, sind ganz ganz viele Grundlagen. Dazu, wie der Mensch funktioniert, auch biologisch. Welche Theorien es dazu gibt, wie Wahrnehmung funktioniert. Wie gute Diagnostik aussehen soll. Wie man berechnet, ob man bei einer Studie davon ausgehen darf, dass sie tatsächlich einen Effekt zeigt, und nicht nur ein Zufallsergebnis ist.
Wir haben auch gelernt, welche psychischen Krankheiten es in verschiedenen Klassifikationssystemen gibt. Welche Therapieformen. Und immer wieder mal kommen Themen, die näher am Leben dran sind.
Aber wenn mich das Studium persönlich verändert hat (was es bestimmt getan hat; alles, was man über so eine lange Zeit macht, hat einen Einfluss), dann ist das wahrscheinlich vor allem ein grundlegendes Verständnis dafür, wie der Mensch sich entwickelt, wie häufig psychische Probleme vorkommen, wie man sie einschätzen kann im Vergleich zu anderen und was dagegen getan werden kann ... so was in die Richtung. Ich glaube es hilft mir sehr dabei, psychische Probleme in einem größeren Zusammenhang zu sehen und gut einschätzen zu können. (Das bedeutet nicht, dass ich deshalb distanziert auf einzelne Menschen schaue oder sie in Schubladen einordne, aber einen Schritt zurück machen zu können und Muster und Zusammenhänge zu sehen ist genau das, was in der Therapie dann hilft, und der Grund, warum man sich selbst und Freunden nie auf diese Art helfen kann - meiner Meinung nach. Weil man zu nah dran ist.)

Hat das jetzt viel mit Karo zu tun? Hm. Ich glaube nicht so wirklich.
Bei Karo bin ich ja nah dran. Die Fähigkeit, einen Schritt zurück zu machen, bringt mir da nicht so viel, weil Karo als meine Partnerin jemand ist, bei der für mich jedes Detail gleich wichtig ist. Und bei der ich nicht nur versuche zu verstehen, sondern auch selbst mitfühle.
Die Dinge, die ich gelernt habe und die mir bei Karo weiterhelfen, sind andere Sachen. Zum Beispiel habe ich gelernt, auf mich selbst zu achten und anzubieten was ich tun kann, aber auch ruhig bleiben zu können, wenn ich gerade nichts tun kann - selbst wenn es Karo gerade schlecht geht.
Und ich habe bestimmt gelernt, Depressionen, Ängste, Trauma und Borderline viel viel besser zu verstehen, einfach dadurch, dass ich so viel von Karos Leben und ihren Gefühlen mitbekomme.

Ich glaube tatsächlich, dass es eher ein bisschen umgekehrt ist. Ich glaube, die Dinge die ich in der Beziehung lerne, sind vielleicht fürs Studium, vor allem aber später wenn ich Therapeutin bin, total wertvoll.
Zum einen lerne ich viel darüber, wie ich mit mir selbst umgehe, aber ich lerne auch viel darüber, wie es jemandem wirklich geht der mit solchen Krankheiten zu tun hat. Und auch wenn ich glaube dass ich mich als empathischen Menschen bezeichnen darf, und dass ich bestimmt auch ohne einen persönlichen Zugang dazu zu haben mich in gewisser Weise einfühlen kann - so nah dran zu sein, wie ich es bei Karo bin, macht vieles noch einmal realer.
Ich glaube, die Beziehung hat mich persönlich sehr weitergebracht und auch meine Haltung gegenüber Menschen mit psychischen Problemen ein bisschen beeinflusst, gefestigt vielleicht, und das werde ich sowohl später im Job als auch im weiteren privaten Leben immer zu schätzen wissen.

Am ehesten einen Einfluss auf mich persönlich hatten wahrscheinlich meine Praktika, vor allem mein letztes bei einer niedergelassenen Therapeutin. Es hat mich berührt zu sehen, wie viele Menschen so unglaublich schwere Schicksale hinter sich haben, ähnlich zu dem was Karo erlebt hat. Diese Einzelfälle zu sehen, und zu sehen wie viele von ihnen trotzdem gut klar kommen, und eine gute Chance haben gesund zu werden, das hat mich berührt.

Beide Faktoren in meinem Leben, die Beziehung und das Studium, werden sich wohl immer gegenseitig ein bisschen beeinflussen. Aber ich glaube schon, dass es eben auch sehr verschiedene Bereiche sind und für diese beiden Bereiche auch verschiedene Teile von mir selbst wichtig sind.
Ich bin mir selbst auch nicht ganz sicher, wie groß die Rolle des einen für das andere jeweils wirklich ist.

Und jetzt weiß ich nicht wirklich wie ich den Post beenden soll. ;)
Ich hoffe das klärt deine Frage, Alex!

Ich find das übrigens schön, Fragen zu bekommen. Falls irgendjemand was wissen möchte, ist das jederzeit sehr herzlich willkommen :)

Samstag, 28. Mai 2016

Alles noch gut (Leben und so).

Ich wollte hier mal wieder reinschauen und mitteilen, dass alles gut ist, wir leben beide noch und sind auch noch zusammen, keine größeren Vorkommnisse. ;)

Am Anfang unserer Beziehung hat sich vieles oft sehr schnell verändert, es gab vieles was ich neu gelernt habe und worüber ich mir Gedanken gemacht habe - da gab es also auch viele Themen, über die ich bloggen konnte.
Nach über drei Jahren hat sich ein bisschen mehr Routine eingeschlichen, und Karo und ich haben viel mehr Sicherheit und Übung im Umgang miteinander. Und irgendwie werden auch die Themen weniger, über die ich so dringend bloggen möchte - weil sich unsere Beziehung immer normaler anfühlt, denke ich.
Es gibt trotzdem ein paar Sachen, über die ich bei Gelegenheit mal schreiben werde.

Falls jemand über etwas bestimmtes hören möchte, ist der oder diejenige aber auch herzlich eingeladen, mir davon zu schreiben! Dann widme ich dem Thema gern einen Blogeintrag. :)

Ich bin zurzeit sehr mit dem Studium beschäftigt. Ich vermisse Karo, und hab manchmal Angst vor Zukunftssachen, z.B. Fragen nach dem Zusammenziehen. Karo geht es zurzeit wieder schlechter, und ich merke, dass auch ich mich deshalb ganz gern in Dinge stürze die mich ablenken, sei das das Internet oder Freunde oder Lesen oder oder oder...
Aber nach wie vor telefonieren wir oft sehr spontan (was am Anfang unserer Beziehung quasi nie stattgefunden hat, und auch ganz lange nicht in dem Ausmaß wie jetzt), ich sag Karo wenn es mir mit etwas nicht gut geht, wir ... sind einfach füreinander da.

Ich bin sehr müde grade, aber wollte ein kurzes Update da lassen, weil vielleicht nicht jeder, der das hier liest, weiß, dass alles okay ist.
Jetzt wisst ihr es. :)

Bald hoffentlich mehr! <3

Sonntag, 17. April 2016

3. Jahrestag

Heute bin ich drei Jahre mit Karo zusammen.

Einerseits finde ich es unglaublich, dass schon so viel Zeit vergangen ist, obwohl es mir wie gestern vor kommt, und andererseits merke ich aber auch, wie viel sich in den drei Jahren verändert hat und wie weit wir gekommen sind. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir trotz einiger Schwierigkeiten auf unserem Weg immer noch zusammen sind, und das im Moment auch so glücklich.

Ich bin erst 21, Karo ist 20, und für mich ist das hier meine erste Beziehung überhaupt, und auch für Karo ist es die erste langfristige Beziehung. Ich finde es nicht selbstverständlich, dass gleich die erste Beziehung so lange hält. Ich merke auch, wie viel ich in der Zeit überhaupt darüber lernen musste, wie Beziehungen so funktionieren, was mir wichtig ist, wie ich mich verhalte - Sachen, die andere Menschen oft in jüngeren Jahren ausprobieren und häufig ihre Beziehungen wechseln, und ich mit Karo irgendwie alles in einer festen Beziehung gemacht habe.
Noch dazu, in unserem Alter sind 3 Jahre auch ein ganzes Stück.

Wenn ich heute zurückdenke an die Anfangszeit unserer Beziehung, oder auch noch vor einem Jahr - in meinen Augen hat sich total viel verändert. Und das tut es wahrscheinlich immer noch. Anfangs waren wir viel unsicherer miteinander, haben uns schlechter verstanden, und wir wachsen wirklich einfach mehr und mehr zusammen, und werden gleichzeitig auch unabhängiger. Wir kennen und respektieren uns und unsere Bedürfnisse mehr, und gerade durch die Fernbeziehung leben wir auch ständig unabhängigen Alltag und entwickeln uns fort.
Ich finde es toll, dass wir uns miteinander fortentwickeln und die Veränderungen der jeweils anderen mitgehen, und die andere immer miteinbeziehen in die Veränderungen, die wir selbst machen.

Wir sind schon vielen Schwierigkeiten auf unserem Weg begegnet. Wir haben uns schon oft gestritten, haben uns sogar insgesamt drei Mal fast getrennt. Ich glaube, dass es für uns beide sehr schwer war, mit den Erkrankungen von Karo im Kontext einer Beziehung richtig umgehen zu lernen.
Seit einigen Monaten habe ich das Gefühl, dass wir es mittlerweile echt richtig gut drauf haben. Ich bin so froh, dass wir nicht aufgegeben haben, auch wenn wir mal gezweifelt haben. Ich bin mit Karo gerade wahrscheinlich glücklicher als je zuvor und fühle mich unglaublich zuhause bei ihr. Das, was wir meistern müssen, meistern wir zusammen - wir sind tatsächlich einfach ein Team.

Karo mag Borderline haben, Depressionen, Suizidgedanken, Traumata und Ängste. Sie mag sich selbst oft hassen, wertlos fühlen und mir nicht von ganzem Herzen glauben können, wenn ich ihr sage, dass ich sie schön finde. Manchmal bin ich die, die ihr in Krisen versucht beizustehen, die sie nachts im Arm hält wenn sie von einem Albtraum aufgewacht ist oder die im Restaurant für sie bestellt. Manchmal kommt vielleicht ein Streit zustande, weil zu meiner angespannten Stimmung ihre kommt und sie Gefühle auf mich überträgt.
Aber Karo begegnet mir auch immer mit unglaublichem Respekt, tut absolut alles, was sie für mich kann. Sie hält mich im Arm, wenn ich anfange zu weinen weil ich mir zu viele Gedanken über eine banale Alltagssache mache. Sie ist jemand, dem ich vollkommen vertrauen kann und bei der ich zu 100% ich selbst bin. Karo merkt immer, wenn bei mir was nicht stimmt und fragt sofort nach, sie führt tiefsinnige (und schwachsinnige) Gespräche mit mir und will zusammen tolle Dinge unternehmen und schreibt mir romantische Sachen und geht über Grenzen und trägt mich auf Händen.
Ich bin so glücklich, mit ihr erleben zu dürfen was ich in den letzten 3 Jahren erlebt habe, und ich bin unglaublich dankbar für absolut alles was passiert ist. Unsere Beziehung ist absolut gleichberechtigt und in erster Linie einfach eine Beziehung zwischen zwei Menschen, die sich lieben und entschlossen haben, zu versuchen zusammen durchs Leben zu gehen. Und ganz viel einer guten Beziehung besteht für mich darin, dass man sich füreinander entscheidet, immer wieder, und sich füreinander anstrengt und das Leben miteinander lebt, und sich dabei wohl fühlt.

Einen ganz ganz wundervollen Post hat auch Karo geschrieben, und ich persönlich finde ihn viel besser als alles was ich je hätte schreiben können ;)

Mein Schatz,
ich liebe dich so sehr und bin dir so dankbar für diese Zeit und freue mich unglaublich auf alles, was noch vor uns liegt. Du bist ein ganz toller Mensch und ich bin froh, dich meine Freundin nennen zu dürfen.
Ich liebe dich! <3 :***

Montag, 11. April 2016

Ein Monat zusammen: Woche 4

Mit über einer Woche Verspätung kommt hier jetzt mein Bericht von der letzten bzw. den letzten eineinhalb Wochen, die ich bei Karo verbracht habe.

In der verbleibenden Zeit bei Karo hatten wir noch etwas mehr Zeit zusammen, da ich nur bis Freitag gearbeitet habe, und bis Mittwoch dann noch bei ihr war, was sehr schön war.
Ich habe Karo zweimal in die Fahrschule begleitet und war teilweise mit bei Ärzten oder Ämtern, und mit ihrer Mama haben wir einmal zusammen gefrühstückt.
Was ich noch nicht erwähnt hatte, war, dass Karo sich am Montag der 4. Woche den Fuß angebrochen hat, als wir von dem Wochenende mit meiner Familie nach Trier zurückgefahren sind. Sie ist mit ihrem Papa ins Krankenhaus als wir abends nach Hause kamen, und ich habe mit ihrer Mama in ihrer Wohnung mehrere Stunden gewartet - zugegebenerweise eine komische Situation. Dann hatte Karo für einige Zeit einen Gips und später eine Schiene, musste immer mit Krücken gehen, was den Alltag ein bisschen schwieriger gemacht hat. Zum Beispiel musste ich jetzt plötzlich auch die ganze Hausarbeit machen ;) Das war aber natürlich okay, vor allem für eine so kurze Zeit.

Tatsächlich ist aber daraus ein kleiner Streit entstanden. Es war ganz banal, ich war müde vom Tag und das Geschirr musste gespült werden und ich hatte das vor, und als Karo gesagt hat dass ich das noch machen muss, hab ich mich angegriffen gefühlt und naja... so führt halt eines zum anderen und so haben wir uns nach drei Jahren jetzt das erste Mal richtig von Angesicht zu Angesicht "gestritten". (Bisher war das halt immer hauptsächlich schriftlich.)
So klein aber der Auslöser war, so schnell haben wir das auch wieder hinbekommen und uns versöhnt. Mir hat es geholfen, eine Zeit lang Musik zu hören, quasi für mich allein zu sein (was in einer 1-Zimmer-Wohnung schwierig ist) und dann, nachdem ich nachdenken konnte, zu Karo zu gehen.
Einen Tag später gab es gleich noch eine ähnliche Situation, die dann allerdings darin endete, dass ich etwas gesagt hab was für Karo wie ein Trigger gewirkt hat. Als ich gemerkt habe, dass sie weint dort draußen auf dem Balkon, hab ich sie erst mal getröstet, bevor wir über die (wieder banale) Situation geredet haben.
Beide Situation waren schnell vorbei und eigentlich keine erwähnenswerten Auseinandersetzungen, aber weil es eben das erste Mal "real life" war, wollte ich es doch erwähnen.
Und: Irgendwie ist es doch angenehmer, zumindest aus meiner Sicht, sich zu streiten wenn man tatsächlich beieinander ist. :D Es geht zwar schneller in die Luft und ich hatte auch das Gefühl, weniger eine Chance zu haben in der Situation einen kühlen Kopf zu behalten (wenn man nur schreibt, fällt es leichter einen Schritt gedanklich zurückzugehen), aber nachdem ich mir trotzdem immer ein paar Minuten für mich genommen hab und mich sortieren konnte, hab ich mich auch viel bereiter gefühlt, das schnell wieder hinter uns zu bringen. Und so eine Umarmung hilft beim Versöhnen halt auch manchmal Wunder, genauso wie Gesichtsausdruck, Tonfall oder vorsichtig den Kopf zur Tür rausstrecken. Schreibend ist das alles etwas schwieriger.

Jetzt bin ich wieder in meiner eigenen Wohnung. Der Abschied war schwer, schwerer als sie normalerweise mittlerweile sind, aber trotzdem auszuhalten. Nachdem ich jetzt schon fast eine Woche wieder hier bin, find ich es trotzdem noch ein bisschen komisch. Karo fehlt mir, sehr.
Aber wir sind drei Jahre klargekommen mit der Fernbeziehung und das werden wir jetzt auch wieder. Ich muss noch weitere Praktika machen, und wir haben schon beschlossen, dass ich in einem Jahr wieder für einige Wochen zu ihr komme.
Das Experiment war auf jeden Fall mehr als erfolgreich und ich bin sehr dankbar für die Zeit und die Erfahrungen, die ich dabei machen durfte. Es ist auch schön zu sehen, wie gut wir im Alltag miteinander auskommen und dass wohl das Zusammenleben klappen würde (oder hoffentlich irgendwann wird).
Bis dahin warte ich jetzt erst mal auf das nächste Treffen. :)