Dienstag, 31. Mai 2016

Hilft das Psycho-Studium?

Die liebe Alex hat bei meinem letzten Beitrag eine Frage hinterlassen und wollte wissen, wie es mir mit fortschreitendem Studium geht, und ob ich Dinge aus dem Studium persönlich in die Beziehung mitnehme.

Dazu habe ich schon einmal etwas geschrieben, vor ungefähr eineinhalb Jahren: Psychologie studieren. Seitdem ist aber ja doch noch mal einiges an Zeit vergangen, und ich schreib gern meine jetzigen Gedanken dazu auf!

Meine intuitive Antwort ist erst einmal: Nein. Ich glaube nicht, dass das Studium besonders viel dazu beiträgt, wie ich mich im Lauf der Zeit weiterentwickelt hab.

Was man im Psychologiestudium lernt, sind ganz ganz viele Grundlagen. Dazu, wie der Mensch funktioniert, auch biologisch. Welche Theorien es dazu gibt, wie Wahrnehmung funktioniert. Wie gute Diagnostik aussehen soll. Wie man berechnet, ob man bei einer Studie davon ausgehen darf, dass sie tatsächlich einen Effekt zeigt, und nicht nur ein Zufallsergebnis ist.
Wir haben auch gelernt, welche psychischen Krankheiten es in verschiedenen Klassifikationssystemen gibt. Welche Therapieformen. Und immer wieder mal kommen Themen, die näher am Leben dran sind.
Aber wenn mich das Studium persönlich verändert hat (was es bestimmt getan hat; alles, was man über so eine lange Zeit macht, hat einen Einfluss), dann ist das wahrscheinlich vor allem ein grundlegendes Verständnis dafür, wie der Mensch sich entwickelt, wie häufig psychische Probleme vorkommen, wie man sie einschätzen kann im Vergleich zu anderen und was dagegen getan werden kann ... so was in die Richtung. Ich glaube es hilft mir sehr dabei, psychische Probleme in einem größeren Zusammenhang zu sehen und gut einschätzen zu können. (Das bedeutet nicht, dass ich deshalb distanziert auf einzelne Menschen schaue oder sie in Schubladen einordne, aber einen Schritt zurück machen zu können und Muster und Zusammenhänge zu sehen ist genau das, was in der Therapie dann hilft, und der Grund, warum man sich selbst und Freunden nie auf diese Art helfen kann - meiner Meinung nach. Weil man zu nah dran ist.)

Hat das jetzt viel mit Karo zu tun? Hm. Ich glaube nicht so wirklich.
Bei Karo bin ich ja nah dran. Die Fähigkeit, einen Schritt zurück zu machen, bringt mir da nicht so viel, weil Karo als meine Partnerin jemand ist, bei der für mich jedes Detail gleich wichtig ist. Und bei der ich nicht nur versuche zu verstehen, sondern auch selbst mitfühle.
Die Dinge, die ich gelernt habe und die mir bei Karo weiterhelfen, sind andere Sachen. Zum Beispiel habe ich gelernt, auf mich selbst zu achten und anzubieten was ich tun kann, aber auch ruhig bleiben zu können, wenn ich gerade nichts tun kann - selbst wenn es Karo gerade schlecht geht.
Und ich habe bestimmt gelernt, Depressionen, Ängste, Trauma und Borderline viel viel besser zu verstehen, einfach dadurch, dass ich so viel von Karos Leben und ihren Gefühlen mitbekomme.

Ich glaube tatsächlich, dass es eher ein bisschen umgekehrt ist. Ich glaube, die Dinge die ich in der Beziehung lerne, sind vielleicht fürs Studium, vor allem aber später wenn ich Therapeutin bin, total wertvoll.
Zum einen lerne ich viel darüber, wie ich mit mir selbst umgehe, aber ich lerne auch viel darüber, wie es jemandem wirklich geht der mit solchen Krankheiten zu tun hat. Und auch wenn ich glaube dass ich mich als empathischen Menschen bezeichnen darf, und dass ich bestimmt auch ohne einen persönlichen Zugang dazu zu haben mich in gewisser Weise einfühlen kann - so nah dran zu sein, wie ich es bei Karo bin, macht vieles noch einmal realer.
Ich glaube, die Beziehung hat mich persönlich sehr weitergebracht und auch meine Haltung gegenüber Menschen mit psychischen Problemen ein bisschen beeinflusst, gefestigt vielleicht, und das werde ich sowohl später im Job als auch im weiteren privaten Leben immer zu schätzen wissen.

Am ehesten einen Einfluss auf mich persönlich hatten wahrscheinlich meine Praktika, vor allem mein letztes bei einer niedergelassenen Therapeutin. Es hat mich berührt zu sehen, wie viele Menschen so unglaublich schwere Schicksale hinter sich haben, ähnlich zu dem was Karo erlebt hat. Diese Einzelfälle zu sehen, und zu sehen wie viele von ihnen trotzdem gut klar kommen, und eine gute Chance haben gesund zu werden, das hat mich berührt.

Beide Faktoren in meinem Leben, die Beziehung und das Studium, werden sich wohl immer gegenseitig ein bisschen beeinflussen. Aber ich glaube schon, dass es eben auch sehr verschiedene Bereiche sind und für diese beiden Bereiche auch verschiedene Teile von mir selbst wichtig sind.
Ich bin mir selbst auch nicht ganz sicher, wie groß die Rolle des einen für das andere jeweils wirklich ist.

Und jetzt weiß ich nicht wirklich wie ich den Post beenden soll. ;)
Ich hoffe das klärt deine Frage, Alex!

Ich find das übrigens schön, Fragen zu bekommen. Falls irgendjemand was wissen möchte, ist das jederzeit sehr herzlich willkommen :)

Samstag, 28. Mai 2016

Alles noch gut (Leben und so).

Ich wollte hier mal wieder reinschauen und mitteilen, dass alles gut ist, wir leben beide noch und sind auch noch zusammen, keine größeren Vorkommnisse. ;)

Am Anfang unserer Beziehung hat sich vieles oft sehr schnell verändert, es gab vieles was ich neu gelernt habe und worüber ich mir Gedanken gemacht habe - da gab es also auch viele Themen, über die ich bloggen konnte.
Nach über drei Jahren hat sich ein bisschen mehr Routine eingeschlichen, und Karo und ich haben viel mehr Sicherheit und Übung im Umgang miteinander. Und irgendwie werden auch die Themen weniger, über die ich so dringend bloggen möchte - weil sich unsere Beziehung immer normaler anfühlt, denke ich.
Es gibt trotzdem ein paar Sachen, über die ich bei Gelegenheit mal schreiben werde.

Falls jemand über etwas bestimmtes hören möchte, ist der oder diejenige aber auch herzlich eingeladen, mir davon zu schreiben! Dann widme ich dem Thema gern einen Blogeintrag. :)

Ich bin zurzeit sehr mit dem Studium beschäftigt. Ich vermisse Karo, und hab manchmal Angst vor Zukunftssachen, z.B. Fragen nach dem Zusammenziehen. Karo geht es zurzeit wieder schlechter, und ich merke, dass auch ich mich deshalb ganz gern in Dinge stürze die mich ablenken, sei das das Internet oder Freunde oder Lesen oder oder oder...
Aber nach wie vor telefonieren wir oft sehr spontan (was am Anfang unserer Beziehung quasi nie stattgefunden hat, und auch ganz lange nicht in dem Ausmaß wie jetzt), ich sag Karo wenn es mir mit etwas nicht gut geht, wir ... sind einfach füreinander da.

Ich bin sehr müde grade, aber wollte ein kurzes Update da lassen, weil vielleicht nicht jeder, der das hier liest, weiß, dass alles okay ist.
Jetzt wisst ihr es. :)

Bald hoffentlich mehr! <3

Sonntag, 17. April 2016

3. Jahrestag

Heute bin ich drei Jahre mit Karo zusammen.

Einerseits finde ich es unglaublich, dass schon so viel Zeit vergangen ist, obwohl es mir wie gestern vor kommt, und andererseits merke ich aber auch, wie viel sich in den drei Jahren verändert hat und wie weit wir gekommen sind. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir trotz einiger Schwierigkeiten auf unserem Weg immer noch zusammen sind, und das im Moment auch so glücklich.

Ich bin erst 21, Karo ist 20, und für mich ist das hier meine erste Beziehung überhaupt, und auch für Karo ist es die erste langfristige Beziehung. Ich finde es nicht selbstverständlich, dass gleich die erste Beziehung so lange hält. Ich merke auch, wie viel ich in der Zeit überhaupt darüber lernen musste, wie Beziehungen so funktionieren, was mir wichtig ist, wie ich mich verhalte - Sachen, die andere Menschen oft in jüngeren Jahren ausprobieren und häufig ihre Beziehungen wechseln, und ich mit Karo irgendwie alles in einer festen Beziehung gemacht habe.
Noch dazu, in unserem Alter sind 3 Jahre auch ein ganzes Stück.

Wenn ich heute zurückdenke an die Anfangszeit unserer Beziehung, oder auch noch vor einem Jahr - in meinen Augen hat sich total viel verändert. Und das tut es wahrscheinlich immer noch. Anfangs waren wir viel unsicherer miteinander, haben uns schlechter verstanden, und wir wachsen wirklich einfach mehr und mehr zusammen, und werden gleichzeitig auch unabhängiger. Wir kennen und respektieren uns und unsere Bedürfnisse mehr, und gerade durch die Fernbeziehung leben wir auch ständig unabhängigen Alltag und entwickeln uns fort.
Ich finde es toll, dass wir uns miteinander fortentwickeln und die Veränderungen der jeweils anderen mitgehen, und die andere immer miteinbeziehen in die Veränderungen, die wir selbst machen.

Wir sind schon vielen Schwierigkeiten auf unserem Weg begegnet. Wir haben uns schon oft gestritten, haben uns sogar insgesamt drei Mal fast getrennt. Ich glaube, dass es für uns beide sehr schwer war, mit den Erkrankungen von Karo im Kontext einer Beziehung richtig umgehen zu lernen.
Seit einigen Monaten habe ich das Gefühl, dass wir es mittlerweile echt richtig gut drauf haben. Ich bin so froh, dass wir nicht aufgegeben haben, auch wenn wir mal gezweifelt haben. Ich bin mit Karo gerade wahrscheinlich glücklicher als je zuvor und fühle mich unglaublich zuhause bei ihr. Das, was wir meistern müssen, meistern wir zusammen - wir sind tatsächlich einfach ein Team.

Karo mag Borderline haben, Depressionen, Suizidgedanken, Traumata und Ängste. Sie mag sich selbst oft hassen, wertlos fühlen und mir nicht von ganzem Herzen glauben können, wenn ich ihr sage, dass ich sie schön finde. Manchmal bin ich die, die ihr in Krisen versucht beizustehen, die sie nachts im Arm hält wenn sie von einem Albtraum aufgewacht ist oder die im Restaurant für sie bestellt. Manchmal kommt vielleicht ein Streit zustande, weil zu meiner angespannten Stimmung ihre kommt und sie Gefühle auf mich überträgt.
Aber Karo begegnet mir auch immer mit unglaublichem Respekt, tut absolut alles, was sie für mich kann. Sie hält mich im Arm, wenn ich anfange zu weinen weil ich mir zu viele Gedanken über eine banale Alltagssache mache. Sie ist jemand, dem ich vollkommen vertrauen kann und bei der ich zu 100% ich selbst bin. Karo merkt immer, wenn bei mir was nicht stimmt und fragt sofort nach, sie führt tiefsinnige (und schwachsinnige) Gespräche mit mir und will zusammen tolle Dinge unternehmen und schreibt mir romantische Sachen und geht über Grenzen und trägt mich auf Händen.
Ich bin so glücklich, mit ihr erleben zu dürfen was ich in den letzten 3 Jahren erlebt habe, und ich bin unglaublich dankbar für absolut alles was passiert ist. Unsere Beziehung ist absolut gleichberechtigt und in erster Linie einfach eine Beziehung zwischen zwei Menschen, die sich lieben und entschlossen haben, zu versuchen zusammen durchs Leben zu gehen. Und ganz viel einer guten Beziehung besteht für mich darin, dass man sich füreinander entscheidet, immer wieder, und sich füreinander anstrengt und das Leben miteinander lebt, und sich dabei wohl fühlt.

Einen ganz ganz wundervollen Post hat auch Karo geschrieben, und ich persönlich finde ihn viel besser als alles was ich je hätte schreiben können ;)

Mein Schatz,
ich liebe dich so sehr und bin dir so dankbar für diese Zeit und freue mich unglaublich auf alles, was noch vor uns liegt. Du bist ein ganz toller Mensch und ich bin froh, dich meine Freundin nennen zu dürfen.
Ich liebe dich! <3 :***

Montag, 11. April 2016

Ein Monat zusammen: Woche 4

Mit über einer Woche Verspätung kommt hier jetzt mein Bericht von der letzten bzw. den letzten eineinhalb Wochen, die ich bei Karo verbracht habe.

In der verbleibenden Zeit bei Karo hatten wir noch etwas mehr Zeit zusammen, da ich nur bis Freitag gearbeitet habe, und bis Mittwoch dann noch bei ihr war, was sehr schön war.
Ich habe Karo zweimal in die Fahrschule begleitet und war teilweise mit bei Ärzten oder Ämtern, und mit ihrer Mama haben wir einmal zusammen gefrühstückt.
Was ich noch nicht erwähnt hatte, war, dass Karo sich am Montag der 4. Woche den Fuß angebrochen hat, als wir von dem Wochenende mit meiner Familie nach Trier zurückgefahren sind. Sie ist mit ihrem Papa ins Krankenhaus als wir abends nach Hause kamen, und ich habe mit ihrer Mama in ihrer Wohnung mehrere Stunden gewartet - zugegebenerweise eine komische Situation. Dann hatte Karo für einige Zeit einen Gips und später eine Schiene, musste immer mit Krücken gehen, was den Alltag ein bisschen schwieriger gemacht hat. Zum Beispiel musste ich jetzt plötzlich auch die ganze Hausarbeit machen ;) Das war aber natürlich okay, vor allem für eine so kurze Zeit.

Tatsächlich ist aber daraus ein kleiner Streit entstanden. Es war ganz banal, ich war müde vom Tag und das Geschirr musste gespült werden und ich hatte das vor, und als Karo gesagt hat dass ich das noch machen muss, hab ich mich angegriffen gefühlt und naja... so führt halt eines zum anderen und so haben wir uns nach drei Jahren jetzt das erste Mal richtig von Angesicht zu Angesicht "gestritten". (Bisher war das halt immer hauptsächlich schriftlich.)
So klein aber der Auslöser war, so schnell haben wir das auch wieder hinbekommen und uns versöhnt. Mir hat es geholfen, eine Zeit lang Musik zu hören, quasi für mich allein zu sein (was in einer 1-Zimmer-Wohnung schwierig ist) und dann, nachdem ich nachdenken konnte, zu Karo zu gehen.
Einen Tag später gab es gleich noch eine ähnliche Situation, die dann allerdings darin endete, dass ich etwas gesagt hab was für Karo wie ein Trigger gewirkt hat. Als ich gemerkt habe, dass sie weint dort draußen auf dem Balkon, hab ich sie erst mal getröstet, bevor wir über die (wieder banale) Situation geredet haben.
Beide Situation waren schnell vorbei und eigentlich keine erwähnenswerten Auseinandersetzungen, aber weil es eben das erste Mal "real life" war, wollte ich es doch erwähnen.
Und: Irgendwie ist es doch angenehmer, zumindest aus meiner Sicht, sich zu streiten wenn man tatsächlich beieinander ist. :D Es geht zwar schneller in die Luft und ich hatte auch das Gefühl, weniger eine Chance zu haben in der Situation einen kühlen Kopf zu behalten (wenn man nur schreibt, fällt es leichter einen Schritt gedanklich zurückzugehen), aber nachdem ich mir trotzdem immer ein paar Minuten für mich genommen hab und mich sortieren konnte, hab ich mich auch viel bereiter gefühlt, das schnell wieder hinter uns zu bringen. Und so eine Umarmung hilft beim Versöhnen halt auch manchmal Wunder, genauso wie Gesichtsausdruck, Tonfall oder vorsichtig den Kopf zur Tür rausstrecken. Schreibend ist das alles etwas schwieriger.

Jetzt bin ich wieder in meiner eigenen Wohnung. Der Abschied war schwer, schwerer als sie normalerweise mittlerweile sind, aber trotzdem auszuhalten. Nachdem ich jetzt schon fast eine Woche wieder hier bin, find ich es trotzdem noch ein bisschen komisch. Karo fehlt mir, sehr.
Aber wir sind drei Jahre klargekommen mit der Fernbeziehung und das werden wir jetzt auch wieder. Ich muss noch weitere Praktika machen, und wir haben schon beschlossen, dass ich in einem Jahr wieder für einige Wochen zu ihr komme.
Das Experiment war auf jeden Fall mehr als erfolgreich und ich bin sehr dankbar für die Zeit und die Erfahrungen, die ich dabei machen durfte. Es ist auch schön zu sehen, wie gut wir im Alltag miteinander auskommen und dass wohl das Zusammenleben klappen würde (oder hoffentlich irgendwann wird).
Bis dahin warte ich jetzt erst mal auf das nächste Treffen. :)

Donnerstag, 31. März 2016

Diese eine Sache: Sex.

Ich empfinde unsere Beziehung gerade als sehr angenehm, gut eingespielt, stabil und trotzdem nie langweilig. Es geht mir gut damit, ich habe was ich brauche und will, ich fühle mich wohl.
... bis auf eine einzige Sache. ;) Und das ist Sex.
Es ist nicht, dass der Sex nicht gut wäre. Nein, der ist wundervoll.
Er findet nur so gut wie nicht statt.

Während Borderlinern oft nachgesagt wird, dass sie sexuell sehr aktiv seien, gibt es auch andere Krankheiten, die genau das Gegenteil bewirken. Depression ist eine Krankheit, bei der die meisten Menschen weniger oder gar keine Lust empfinden.
Was vielen Menschen auch nicht bewusst ist: Die meisten Antidepressiva hemmen auch das sexuelle Interesse.
Selbsthass und damit Unsicherheit mit dem eigenen Körper, oder die generelle Angst etwas falsch zu machen, helfen auch nicht gerade dabei, mit jemandem schlafen zu wollen.
Das heißt im Klartext, Karo ist jemand, auf die diese Dinge zutreffen, so dass sie sehr selten Lust auf Sex hat. Wenn man jetzt noch unsere Fernbeziehung mit in den Topf wirft, und die Tatsache, dass wir beide Frauen sind und die doppelte Chance haben, dass uns die Menstruation dazwischen kommt, sind die wenigen Momente, in denen wir beide Sex haben könnten und wollten, selten an den Zeiten, wo wir uns auch für zwei Nächte sehen.
Oh, und dann gibt es natürlich auch noch Mitbewohner oder Familienmitglieder, auf die man auch achten muss.

Momentan habe/hatte ich auch noch eine Pilzinfektion, so dass auch dieser lange Monat in dem wir zusammen wohnen nichts gebracht hat. Wobei Karo im Vorfeld schon gesagt hat, dass ich lieber nicht damit rechnen soll, dass wir Sex haben werden.
Um mal Nägel mit Köpfen zu machen: Im November haben wir das letzte Mal miteinander geschlafen.
Und das ist tatsächlich für mich als junge, sexuell durchaus sehr interessierte Frau, der schwierigste Punkt in unserer Beziehung im Moment.
Ich will Sex, und ich liebe Karo und wünsche mir, das auch körperlich mit ihr teilen zu können, und das kann ich nicht.
(Nur falls das nicht klar sein sollte: Natürlich finde ich es total wichtig, dass wir keinen Sex haben, wenn Karo das nicht will, und finde es richtig und gut, dass immer der zurücksteckt, der will, zugunsten dessen, der nicht will.)

Mir ist in der ganzen Situation wichtig, dass ich mit Karo offen darüber reden kann. Ich weiß, es fällt ihr schwer, wenn sie sieht wie sehr mich das belastet, und ich bin ihr dankbar, dass sie mir trotzdem zuhört und mich tröstet. Ich kann sagen, wenn es mir nicht gut geht damit, und wir besprechen das Thema wirklich offen.
Das nimmt mir sehr viel von der Frustration, die ich habe. Der Schmerz bleibt zwar, den hab ich noch nicht weggekriegt, und werd ich vielleicht auch nicht solang sich nichts an der Situation ändert, aber durch die Gespräche kann ich trotzdem besser damit umgehen.

Ein weiterer Punkt, der mir ganz viel hilft, ist, wenn Karo mir trotzdem sexuelles Interesse zeigt, auch wenn es nicht zu "richtigem" Sex führt. Anfangs fiel mir das schwer. Da hat mich das immer daran erinnert, dass gerade nicht mehr geht, und hat mich dadurch noch mehr belastet. Mittlerweile genieße ich, was ich kriegen kann (wie sich das anhört :D). Zu sehen, dass Karo nicht alles, was mit Sex und Erotik zu tun hat, uninteressant oder blöd findet, und dass sie manchmal Lust auf einen kleinen Teil davon für einen kleinen Moment hat, gibt mir ganz viel Hoffnung und Freude - und fühlt sich halt auch einfach gut an ;)
Das ist vermutlich nicht für jeden möglich, der in so einer Situation steckt, wo einer will und einer nicht, denn manche Partner wollen vielleicht auch das nicht. Denen, bei denen es ähnlich ist, will ich aber sagen: Nehmt das an, wenn ihr könnt. Ich finde, es tut gut.
Oh, und: denkt immer daran, dass man seine eigene Sexualität auch alleine ausleben darf, auch, wenn man in einer Beziehung ist. Dein Körper gehört dir selbst, und du kannst damit machen, was du willst.

Ich weiß nicht wirklich, was ich hier jetzt als Fazit oder Abschluss schreiben soll.
Vielleicht, dass mir aufgefallen ist, dass ich ja echt komplizierte und verschachtelte Sätze schreibe. Hoffentlich kommt man da überhaupt mit.
Ja. Das passt doch. ;)

Ein Monat zusammen: Woche 3

Schon wieder kommt die Zusammenfassung etwas später - heute ist ja schon Donnerstag. Das liegt daran, dass Karo und ich über's Wochenende weg waren, am Montag erst zurück kamen und ich die letzten beiden Tage bis relativ spät abends gearbeitet habe.

Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr erinnern, ob wir in der Woche irgendetwas bestimmtes gemacht haben, oder etwas besonderes passiert ist, oder ich mich auch eine bestimmte Art gefühlt hätte. Ich glaube, es war ziemlich unspektakulär.

Am Wochenende, von Freitag bis Montag, sind wir nach Hause zu meinen Eltern gefahren, das sind ca. 600 km von hier. Meine Familie trifft sich jedes Jahr mit zwei, drei anderen lieben Familien und Menschen in einem kleinen Selbstversorgerhaus mitten im Nirgendwo. Dort ist es total gemütlich und es ist eine wundervolle Atmosphäre dort, alle fühlen sich wohl, man redet miteinander und spielt, kocht zusammen, deckt den Tisch schön, macht Lagerfeuer... es ist eins meiner liebsten Dinge jedes Jahr und ich habe mich so, so gefreut, dieses Jahr Karo das erste Mal mitnehmen zu können.
Besonders schön war es auch, dass Karo und meine Familie sich so wieder sehen konnten, erst das dritte Mal in fast drei Jahren, die wir zusammen sind. Ich finde das manchmal traurig, dass diese beiden wichtigen Teile meines Lebens (genauso übrigens mit meinen Freunden und Karo) so wenig Überschneidungspunkte haben, aber da ist die Entfernung einfach ein großes Hindernis. Umso schöner war es, dass es mal wieder geklappt hat.
Für mich war es eine absolut perfekte Zeit.

Eine Sache, zu der ich gern was sagen würde, ist, wie ich es insgesamt finde, mit jemandem zusammen zu leben, der so stark psychisch krank ist.
Im Vorfeld haben Karo und ich auch darüber geredet, dass ich sie vermutlich öfter mal "real" schlecht drauf erleben werde, als ich das bisher kenne. Das ist auch so, und das ist auch ungewohnt, aber trotzdem weiß ich ja, wie ich mit Karo generell in Momenten umgehe, wenn es ihr nicht gut geht, und da wir uns letzte Woche auch noch mal unterhalten haben darüber, was sie dann braucht und was ich dann brauche, ist das alles sehr gut machbar für mich.
Insgesamt nehme ich unsere Beziehung nicht als so ungewöhnlich im Alltag wahr. Für mich stehen die psychischen Krankheiten nur in einzelnen Situationen mal im Vordergrund, aber meistens sehe ich uns als ganz normales Paar. Es gibt Dinge, die für ein normales Paar vielleicht ungewöhnlich wären - zum Beispiel, dass mir Karo manchmal sagt, dass ich für sie zahlen oder bestellen soll, oder dass ich für sie wo anrufe, oder wir zusammen wo hingehen, weil das für sie alleine schwierig wäre -, aber diese Dinge fallen mir mittlerweile gar nicht mehr auf. Was mir noch auffällt ist, wenn es Karo tatsächlich grade sehr schlecht geht - da merke ich dann, was ungewöhnlich ist bei uns, und schwerer.
Aber in allen anderen Momenten ist für mich unsere Beziehung eine wie jede andere auch.
Obwohl sich der Blog hier immer um die Aspekte unserer Beziehung dreht, die mit psychischer Krankheit zu tun haben, ist das für mich nicht das, was bei uns generell im Vordergrund steht, sondern nur, was ich hier eben ausführlicher thematisiere.

Jetzt sind wir eigentlich schon mitten in der letzten Woche. Ich fahre erst am Dienstag oder Mittwoch, und am Sonntag habe ich Geburtstag, den ich noch mit Karo feiere. Ich habe ein bisschen Angst davor, wieder zu fahren, weil ich nicht weiß, ob es schwer wird. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass wir gut damit klar kommen, wieder zurück zum Fernbeziehungsalltag zu gehen. Und vielleicht geht es ja öfter mal, eine Woche oder länger beieinander zu verbringen, das fände ich total schön.

Bis nächste Woche! ;)

Mittwoch, 23. März 2016

Ein Monat zusammen: Woche 2

Am Wochenende hatte ich keine Zeit den Post zu schreiben, deshalb hole ich das jetzt vor der Arbeit nach.

Auch die zweite Woche war super.
Ich finde, dass wir uns in der Zeit zusammen noch näher kommen, und vieles selbstverständlicher wird. In einer Fernbeziehung ist es zwar leicht sich mit Worten auszutauschen und über die andere zu lernen und sich näher zu kommen und zu verändern, aber das Verhalten ist ein bisschen anders, wenn man sich nur einmal im Monat für drei Tage sieht. Jetzt, wo wir so lange zusammen sind, habe ich das Gefühl, dass sich in unserem Umgang miteinander kleine Dinge stärker einspielen, selbstverständlicher werden oder sich neu entwickeln. Das ist schön. :)

Am Sonntag waren wir spazieren und haben uns dabei auch Zeit für ein Gespräch über diese Zeit hier und unsere Beziehung genommen. Ich finde es total wichtig, dass man offen darüber redet wie es einem miteinander geht, selbst wenn es keinen großen Anlass dafür gibt. Wir haben uns einfach darüber unterhalten ob es Erwartungen gibt, die wir haben oder hatten, ob wir uns für die restliche Zeit etwas wünschen, oder haben über verschiedene Situationen geredet und uns diese gegenseitig etwas näher erklärt.
Ich finde, solche offenen Gespräche sind in jeder Beziehung unglaublich wichtig. Karo und ich sind in einer vielleicht etwas ungewöhnlichen Situation, wo wir beide möglicherweise auch mal unterschiedliche Bedürfnisse haben, so dass es da vielleicht ganz besonders wichtig ist. Ich würde jedem raten, der das in seiner Beziehung nicht kann, sich mal zu trauen und mit dem Partner ein ernsthaftes Gespräch über die Beziehung auszumachen. Das kann Angst machen, aber wenn man das öfter macht, geht diese Angst in Vertrautheit über, und es hilft wirklich und tut sehr gut.

Ich glaube, viel mehr gibt es nicht zu erzählen. Es ist halt zu einem großen Teil auch einfach Alltag, was jede Woche passiert.
Ich freu mich jedenfalls sehr hier zu sein :)